Stand: 03.05.2019 13:22 Uhr

Nordkirche steht vor dramatischem Mitgliederverlust

Laufen der evangelischen Nordkirche die Mitglieder in Scharen davon? Einer wissenschaftlichen Prognose zufolge werden die Mitgliederzahlen bis zum Jahr 2060 erheblich zurückgehen. Der Nordkirche gehören aktuell etwa 2 Millionen Menschen an. Der Studie nach hätte die Nordkirche 2035 rund 1,42 Millionen Mitglieder, 2060 noch 855.000. Das wäre ein Rückgang von knapp 60 Prozent. Am Donnerstag haben Synodenpräses Ulrike Hillmann und Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt die Studie erläutert.

Der Innenraum einer Kirche

Nordkirche mit sinkenden Mitgliederzahlen

Schleswig-Holstein Magazin -

Die Mitgliederzahlen der evangelischen Nordkirche befinden sich seit Jahren im Sinkflug. Mit einer Studie hat die Kirche jetzt einen Blick in die Zukunft gewagt.

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Die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hatten die Studie "Kirche im Umbruch - Projektion 2060" bei der Universität Freiburg in Auftrag gegeben und am Donnerstag veröffentlicht. Danach gehen den beiden großen Kirchen bundesweit bis 2060 fast die Hälfte ihrer Mitglieder verloren.

Finanzen halbieren sich

Nicht nur bei den Mitgliedern, auch beim Geld gehen die Kirchen offenbar düsteren Zeiten entgegen - denn auch die finanziellen Möglichkeiten werden sich der Prognose zufolge halbieren. So hatte die Nordkirche 2017 490 Millionen Euro Kirchensteueraufkommen. Die Ausgaben für Personal, Gebäude und anderes mehr hielten sich die Waage. 2060 würden der Nordkirche laut Studie 443 Millionen Euro an Kirchensteueraufkommen zur Verfügung stehen. Doch durch die Inflation steigen die Ausgaben bis 2060 auf 989 Millionen Euro. Die Finanzen halbieren sich also laut den Wissenschaftlern in den kommenden rund 40 Jahren.

Demografischer Wandel, weniger Taufen

In der Studie wurden - auch für die Nordkirche - unter anderem Kirchenmitgliederzahlen, Taufen, Sterbefälle, Wanderungsbewegungen, Austritte und Aufnahmen als Faktoren berücksichtigt. Weniger als die Hälfte des Rückgangs geht auf den demografischen Wandel zu. Stärker wird sich auswirken, wie viel Menschen getauft werden, aus der Kirche aus- oder in die Kirche eintreten.

Keine Lust auf Bindung an eine Organisation?

Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt ist von den Ergebnissen nicht überrascht. Neben der alternden Bevölkerung und weniger Geburten fühlen sich nach ihren Worten immer weniger Menschen fest an Organisationen gebunden. Sie wolle es aber den einzelnen Kirchengemeinden überlassen, welche Vorschläge sie machen, um auf die Veränderungen zu reagieren.

Segensfeiern, Tauffeste und Atempausen am Meer

So wird in einigen Gemeinden bereits aktiv auf Menschen zugegangen, um sie zu fragen, für was gebetet werden soll. An der Lübecker Bucht lassen sich immer mehr Gäste und Einheimische von Kirchengemeinden dort zu "Atempausen am Meer" einladen. Manch Pastor im Norden probiert eine digitale Kirchengemeinde im Netz zu gründen, erzählt die Landesbischöfin, in einem Plattenbaugebiet auf Rügen treffen sich Menschen und gestalten miteinander unter christlichem Vorzeichen Gemeinschaft. In Neubrandenburg gibt es an einer evangelischen Schule Segensfeiern für konfessionslose Jugendliche und deren Familien, die sich nicht für die Konfirmation entscheiden, aber auch nicht zur Jugendweihe gehen möchten. Die Nordkirche organisiert Tauffeste, allein in Hamburg sind laut Landesbischöfin rund 500 Täuflinge für ein Tauffest zu Pfingsten am Elbstrand angemeldet.

Synode im November soll beraten

Im schlimmsten Fall - das wollte Ulrike Hillmann, Präses der Landessynode, nicht ausschließen, müssten Kirchen, besonders auf dem Land, schließen. Vorschläge, wie die Nordkirche sich in der Zukunft aufstellen will, sollen auf der nächsten Synode im November beraten werden.

Erzbistum Hamburg verliert weniger

Das Erzbistum Hamburg, zu dem auch Schleswig-Holstein gehört, wird voraussichtlich weniger Mitglieder verlieren als im Bundesdurchschnitt - nämlich etwa 40 Prozent. Das liegt nach Angaben des Bistums an dem anhaltenden Trend, dass besonders viele Katholiken aus anderen Teilen Deutschlands in die Metropolregion Hamburg ziehen. Zurzeit hat das Erzbistum im Norden gut 400.000 Mitglieder.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.05.2019 | 17:00 Uhr

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