Stand: 29.06.2019 18:00 Uhr

Nord-AfD: Sayn-Wittgenstein gewinnt Kampfabstimmung

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Doris von Sayn-Wittgenstein ist erneut AfD-Vorsitzende in SH.

Die schleswig-holsteinische AfD hat auf einem Parteitag in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) einen neuen Landesvorstand gewählt. Als neue Vorsitzende setzte sich in einer Kampfabstimmung am späten Nachmittag überraschend die ehemalige Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein durch. Für die 64-Jährige stimmten 137 (56 Prozent), für Christian Waldheim 100 AfD-Mitglieder. Jürgen Orlok aus dem Kreisverband Dithmarschen erhielt 4 Stimmen. 2 Stimmen waren ungültig, es gab 1 Enthaltung. Sayn-Wittgenstein war zu Beginn des Jahres als Parteichefin zurückgetreten, gegen sie läuft derzeit ein Parteiauschlussverfahren wegen möglicher Verbindungen in die rechtsextreme Szene.

Streit über künftiges Spitzenpersonal

Waldheim, Kommunalpolitiker aus Norderstedt und Bundesrechnungsprüfer der AfD, hatte bereits vor Wochen seine Kandidatur für den Spitzenposten angekündigt. Sayn-Wittgenstein hatte ihre Kandidatur lange offen gelassen und erst auf dem Parteitag definitiv erklärt. Am Nachmittag warf auch Jürgen Orlok aus Dithmarschen seinen Hut in den Ring.

Sayn-Wittgenstein und Waldheim erhoben gegenseitig Vorwürfe, ohne sich beim Namen zu nennen. Die vergangenen zwei Jahre seien für die Nord-AfD zwei verlorene Jahre gewesen und organisatorisch wie politisch von Stagnation geprägt, sagte Waldheim in einem Bewerbungsgvideo. "Mir geht es um Fortschritt und Aufbruch."

Sayn-Wittgenstein spricht von einer Richtungswahl

Sayn-Wittgenstein wies die Kritik zurück. Es sei in ihren Augen unanständig zu sagen, der Landesverband habe sich nicht weiterentwickelt und sei ein Sanierungsfall. Waldheim hatte zuvor davon gesprochen. "Dieser Landesvorstand hat gut gearbeitet bis zu meinem Rücktritt, er ist auf Bundesebene beispielgebend", sagte Sayn-Wittgenstein. Der Landesverband sei in ihrer Zeit finanziell gesundet und die Zahl der Mitglieder um 20 Prozent auf mehr als 1.100 gestiegen.

In ihrer Bewerbungsrede warf Sayn-Wittgenstein dem Bundesvorstand vor, dieser habe sie im vergangenen Dezember "zum Abschuss" freigegeben. Dabei sei sie nicht rechtsextrem, sondern halte nur - anders als andere - an dem alten AfD-Kurs fest. Die neue Vorsitzende sprach selber von einer Richtungswahl. Nach ihrer Wiederwahl sagte Sayn-Wittgenstein, dass sie einem Ausschluss aus der Partei durch das Bundesschiedsgericht nicht hinnehmen werde. Sie würde dann staatliche Gerichte anrufen.

Hollnagel warnt vor Selbstzerfleischung

Der stellvertretende Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Bruno Hollnagel warnte vor Selbstzerfleischung: "Bitte denken Sie daran, wir sind umgeben von Feinden - wir schaffen es nur gemeinsam." Er rief dazu auf, gemeinsam an einen Strick zu ziehen und rief: "Wir schaffen das."

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Die Nord-AfD ringt in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) über ihre künftige personelle Aufstellung.

Über den teilweisen oder kompletten Ausschluss der Medien vom Parteitag wurde in mehreren Anträgen abgestimmt. Am Ende erlaubten die Mitglieder Fotos und Filmaufnahmen nur von hinten in den Saal - also ohne Gesichter - und vorne vom Präsidium und Rednerpult. Zum Landesparteitag waren bis Mittag 235 Mitglieder der mehr als 1.000 Parteimitglieder gekommen. Die Nord-AfD hat keine Delegierten, jedes Parteimitglied kann zu Parteitagen kommen.

AfD-Vorstand hatte zu wenig Mitglieder

Der neunköpfige Landesvorstand wurde am Sonnabend in überwiegend neuer Besetzung gewählt. Erster stellvertretender Landesvorsitzender ist Joachim Schneider (Kreisverband Pinneberg), zweiter Stellvertreter Roland Kaden (Dithmarschen). Die Wahl eines neuen Vorstands war für die Partei wichtig, weil nach diversen Rücktritten der Vorstand derzeit aus weniger als sechs Personen besteht. Dies ist laut AfD-Satzung als Dauerlösung nicht möglich. Der Parteitag dauert bis Sonntag. Eigentlich sollte die Wahl eines neues Vorstandes schon im April dieses Jahres passieren, der Parteitag musste damals aber ausfallen,weil der Wirt des Austragungsortes nach öffentlichem Druck kurzfristig den Mietvertrag gekündigt hatte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.06.2019 | 17:00 Uhr

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