Kreuzfahrtschiffe nutzen Kieler Landstrom-Anlage kaum

Stand: 16.10.2021 12:21 Uhr

Die Fähren am Norwegenkai nutzen ihn schon seit zwei Jahren, die Fähren am Schwedenkai seit Jahresbeginn. Nur die Kreuzfahrtschiffe hängen beim Thema Landstrom im Kieler Hafen noch hinterher.

von Karen Münster

Immer sonnabends legt die "AIDA Prima" am Ostseekai an. Während seiner Zeit im Hafen bezieht das Kreuzfahrtschiff aus Wasserkraft erzeugten Landstrom. So können die Dieselmotoren ausgeschaltet und damit die Belastung der Luft gesenkt werden. Obwohl der Hafen den Nutzern der Landstromanlage ermäßigte Hafengebühren anbietet, kommt das Angebot bisher aber nicht wirklich an. Die "AIDA Prima" ist das eines von nur zwei Schiffen, das die neue Anlage im Kieler Hafen, die seit Juni in Betrieb ist, regelmäßig nutzt.

Verzögerter Umbau

Ein Grund dafür ist, laut Seehafen-Chef Dirk Claus, der notwendige Umbau der Schiffe. Um den Landstrom beziehen zu können, müssten die Kreuzfahrer mit speziellen Anlagen ausgerüstet sein. Aktuell haben den Angaben zufolge nur zwei Schiffe die Technik, um an die Anlage angeschlossen zu werden. Neben der "AIDA Prima" nutzt auch die "AIDA Sol" die Anlage. Bei 127 Anläufen in der Saison, kam die Anlage bislang 24 Mal zum Einsatz. "Es werden jetzt immer mehr Schiffe umgebaut. Auch durch die Corona-Krise hat sich das etwas verzögert." Vielen Reedereien habe es während der Pandemie an ausgebildeten Fachkräften gefehlt, so Claus.

Dennoch ist der Seehafen-Chef zuversichtlich: Im kommenden Jahr sollen bereits zehn Kreuzfahrer die Landstromanlage im Hafen nutzen. Das ist auch dringend notwendig, um das selbstgesetzte Ziel eines emissionsfreien Kieler Hafens bis 2030 zu erreichen. Die Nutzung der Landstromanlagen ist laut Claus dabei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Kritik vom NABU

Obwohl immer mehr Reedereien nachrüsten oder neue Schiffe von Beginn an mit der Möglichkeit ausstatten, Landstrom abzunehmen, werden die Landstromanlagen laut Naturschutzbund NABU nicht ausreichend genutzt. Das Problem besteht aber nicht nur in Kiel, sondern auch in Hamburg, so ein Sprecher. Dort gibt es seit 2015 eine Landstromanlage - genutzt wird diese aber bisher ebenfalls nur von einem Schiff.

Der NABU fordert deswegen eine Pflicht zur Abnahme des Landstroms. Auch Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) hat in der Vergangenheit eine solche Pflicht in Erwägung gezogen, sollte der Landstrom nicht freiwillig genutzt werden.

Leistungsstärkste Anlage in Europa

Nach Angaben des Seehafens Kiel ist die neue Landstromanlage mit 16 Megawatt die leistungstärkste Anlage ihrer Art in Europa. Je ein Kreuzfahrer am Ostseekai und eine Fähre der Stena Line am Schwedenkai können darüber gleichzeitig mit aus Wasserkraft erzeugtem Strom versorgt werden. Die Fähren der norwegischen Color Line beziehen bereits seit zwei Jahren Landstrom, was im Jahr 3.000 Tonnen Kohlendioxid einspart. Die Anlage am Kreuzfahrtterminal Ostseekai versorgt seit Jahresbeginn auch die Fähren der Stena Line, die täglich auf der Göteborg-Route unterwegs sind. Allein am Schwedenkai werden so jährlich 5.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart.

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Die Norwegenfähre "Colorline" lädt mit Landstrom vom Kieler Norwegenkai © NDR / SH Magazin

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.10.2021 | 08:00 Uhr

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