Kleinstcampingplätze in SH vor dem Aus - Betreiber sauer

Stand: 18.01.2022 17:35 Uhr

Behördenwirrwar um sogenannte Kleinstcampingplätze: Betreiberin Daniela Krück aus dem Kreis Dithmarschen will nur Camper glücklich machen und von den Mieteinnahmen der fünf Plätze leben, aber das ist nicht so einfach.

Campen war vor der Pandemie schon Trend, Corona hat die Begeisterung für diese Art von Urlaub noch mal verstärkt. Auch Kleinstcampingplätze mit maximal fünf Stellplätzen waren gefragt. Doch diese Plätze stehen auf der Kippe. Das Landesnaturschutzgesetz verbietet das Campen auf derartigen Plätzen nämlich seit Jahren, um die Umwelt zu schützen. Die Betreiber müssen jetzt umplanen und viel Geld in die Hand nehmen. Eine von ihnen ist Daniela Krück. Sie bietet auf der Wiese neben ihrem Haus in Friedrichskoog (Kreis Dithmarschen) fünf Stellplätze für Wohnmobile - und kämpft sich jetzt durch ein Behörden-Chaos.

Alles war genehmigt, doch dann...

Kampingplatzinhaberin Daniela Krück steht am Empfang ihres Campngplatzen im Koog. © NDR
Campingplatz-Betreiberin Daniela Krück aus Dithmarschen will nur Camper glücklich machen.

Jahrelang ging alles gut. Sie und ihr Mann investierten 30.000 Euro für Toiletten und Duschen und lebten von der Vermietung. Bis jetzt: Nun darf Daniela Krück nur noch Freunde empfangen - keine Touristen mehr. Vier Jahre lange genehmigte das zuständige Amt Marne Nordsee ihren Kleinstcampingplatz - trotz einer Änderung im Landesnaturschutzgesetz. Nun gab es vom Umweltministerium jedoch einen blauen Brief, und darin steht: "Es war zu beobachten, dass verstärkt auch außerhalb von zugelassenen Plätzen gecampt wurde, mit teilweise erheblichen negativen Auswirkungen für Nachbarschaft und Umwelt. (...) Außerdem wurden offenbar seit Jahren sogenannte "Fünfer- Stellplätze" nach dem Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG) rechtswidrig genehmigt."

Amtsverwaltung: Wurden angehalten, die Genehmigungspraxis einzustellen

Warum sich die Amtsverwaltung Marne Nordsee nicht an das Gesetz hielt - dazu sagte das Amt auf Nachfrage von NDR Schleswig-Holstein. "2016 wurde die gesetzliche Grundlage zwar geändert, die Formulierung wurde hier, wie auch in anderen Ämtern Schleswig-Holsteins jedoch so interpretiert, dass Kleinstcämpingplätze nach wie vor genehmigungsfähig sind, weshalb die beantragten Genehmigungen auch weiterhin erteilt wurden", erklärte Andreas Rohwedder von der Amtsverwaltung Marne Nordsee und fügte an: "Nach Auffassung des Landwirtschaftsministeriums ist jedoch die Genehmigung von Kleinstcampingplätzen mit der Änderung des Landesnaturschutzgesetzes ausgeschlossen worden. Die Verwaltungen wurden laut Rohwedder angehalten, die Genehmigungspraxis einzustellen.

Neue Pläne werden teuer

Daniela Krück muss jetzt ihre Wiese als offiziellen Campingplatz anmelden. Das Verfahren ist aber aufwendig und teuer. Es schreibt einen Bebauungsplan und ein Planfeststellungsverfahren vor. Die Betreiberin befürchtet insgesamt Kosten von 20.000 Euro. "Wir werden auch vertröstet. Ich sage: 'Wie lang kann das dauern?' Sie wissen es nicht." Laut Krück hat die Verwaltung gesagt, Kiel müsse entscheiden.

Daniela Krück findet den Behördenwirrwar "unbegreiflich" und ist richtig sauer. Außerdem hängt die Zukunft ihres Platzes an einem Gutachten, das die Gemeinde in Auftrag gegeben hat. Die überprüft jetzt jeden Platz. Das Gutachten wird vermutlich erst Ende des Jahres vorliegen. Viel Papierkram für einen kleinen Platz mitten im Koog.

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