Stand: 14.04.2018 11:26 Uhr

Kieler Busverkehr: Erst Hybrid, dann Elektro

von Christian Nagel

Keine andere Stadt in Schleswig-Holstein muss sich wegen schlechter Luft zurzeit mehr Sorgen machen als die Landeshauptstadt Kiel. Die hohen Stickstoffdioxid-Werte zwingen die Stadt zu Veränderungen. Und so setzt zum Beispiel die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) seit Anfang des Jahres auf Hybrid-Fahrzeuge. Zehn Gelenkbusse der Marke Volvo hat die KVG seit Ende Januar auf der Linie 11 im Einsatz. Mit Erfolg, wie KVG-Werkstattleiter Thomas Szymanek bestätigt. Im Vergleich zu den modernsten Euro-6-Diesel-Fahrzeugen der KVG-Flotte verbrauchen die neuen Hybrid-Busse nach seinen Angaben fast 24 Prozent weniger Kraftstoff. Und das bedeutet auch weniger Stickstoffdioxid-Ausstoß.

Busverkehr: Wie Kiel Diesel und Abgase sparen will

Die modernen Hybrid-Busse nutzen ein aufwendiges System zur Energierückgewinnung. So wird zum Beispiel beim Bremsen Strom erzeugt, der in Batterien gespeichert wird und beim Anfahren des Busses einen Elektromotor antreibt. Ist die Batterie leer, schaltet der Bus auf Dieselbetrieb um. Damit möglichst viel Energie beim Fahren zurück in die Batterien fließt, werden die Fahrer speziell geschult.

KVG will weitere Hybrid-Busse anschaffen

Das System funktioniert so gut, dass die KVG laut Werkstattleiter Szymanek weitere Hybrid-Busse anschaffen will. Bis zum Jahresende sollen 19 Fahrzeuge mit Hybrid-Technik alte Euro-4-Diesel-Busse ablösen. Die Hybrid-Technik sei aber letztlich nur eine Übergangslösung, erläutert Szymanek. Die Planungen der Kieler Verkehrsgesellschaft gehen schon heute deutlich weiter: 2020 sollen in Kiel die ersten Busse fahren, die komplett elektrisch betrieben werden und überhaupt keine Abgase mehr ausstoßen.

Laut Szymanek sollen Fahrzeuge mit der sogenannten "Opportunity"-Technik angeschafft werden. Sie funktionieren so: Die Batterien der Busse werden über Nacht auf dem KVG-Betriebshof zunächst ganz voll und später an mehreren Ladestationen immer wieder mal zwischengeladen - sie kommen quasi bei nächster Gelegenheit an die Steckdose. Zum Beispiel dann, wenn die Fahrer an einer Endstation ihre vorgeschriebene Pause machen.

Vier solcher externen Ladestationen, so genannte Panthographen, sollen in der Stadt gebaut werden. Andere Städte hätten mit der Technik bereits gute Erfahrungen gemacht und die Gespräche über die genauen Standorte für die Ladestationen in Kiel liefen bereits, erzählt Szymanek.

Mitarbeiter müssen für neue Technik geschult werden

Die KVG erlebt eine Zeitenwende. Und die macht sich nicht nur in der Bus-Flotte bemerkbar. Auch der Werkstattbetrieb für die fast 180 Busse der Kieler Verkehrsgesellschaft verändert sich. So mussten zum Beispiel zahlreiche KVG-Mitarbeiter für die Hochspannungstechnik der Hybrid-Busse geschult werden. Sonst dürften sie laut Szymanek nicht an den neuen Fahrzeugen arbeiten. Außerdem mussten neue Werkzeuge angeschafft und ein Teil der Arbeitsplätze umgebaut werden. Denn alle Fahrzeuge der KVG gehen nicht beim jeweiligen Hersteller in die Wartung oder zur Reparatur. Das erledige die Kieler Verkehrsgesellschaft vor allem aus Zeitgründen lieber selbst, so Szymanek.

KVG investiert Millionen in die Zukunft

Um für die Zukunftspläne gerüstet zu sein, nimmt die KVG viel Geld in die Hand: Der komplette Werkstattbereich auf dem KVG-Betriebshof Werfstraße soll in Kürze abgerissen und an selber Stelle neu gebaut werden. Dann könnten mehr Fahrzeuge gleichzeitig und schneller repariert und gewartet werden, erläutert Szymanek. Außerdem sollen auf dem Betriebshof Ladestationen gebaut werden: 60 Busse sollen dort in ein paar Jahren zeitgleich geladen werden. Insgesamt investieren die Stadt Kiel und die KVG im zweistelligen Millionenbereich. Für den Zeitraum der Bauarbeiten in der Werfstraße zieht der komplette Werkstattbetrieb auf den zweiten Betriebshof in der Dietrichstraße um.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.04.2018 | 12:00 Uhr

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