Stand: 13.09.2016 15:47 Uhr

Erste Geburt auf dem Autozug Sylt Shuttle

von Simone Steinhardt
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Christin aus Sylt hat auf dem Autozug in Richtung Festland ein Kind bekommen.

Die kleine Hanna ist auf der Insel Sylt in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Baby. Sie ist das Erste, das in einem Rettungswagen zur Welt kam. Und dass dieser Rettungswagen außerdem noch auf dem Autozug stand, gab es so zuvor ebenfalls noch nie. Eigentlich hätte Hanna im Husumer Kreissaal geboren werden sollen. "Sie hatte es zu eilig. Kurz vor Niebüll war schon das Köpfchen da. Als wir im Bahnhof einrollten, war Hanna geboren", erzählt ihre Mutter Christin. Ihren Nachnamen möchte sie nicht nennen - es gab bereits zu viel Rummel um die Geburt, sagt die 26-Jährige.

Keine Geburtshilfe auf der Nordseeinsel

Seit Januar 2014 gibt es die Geburtenstation auf Sylt nicht mehr. Unter 100 Geburten jährlich, dass sei zu wenig, um die Station weiter zu betreiben, so die offizielle Begründung der Asklepios Nordseeklinik seinerzeit. Die Geburtenstation in Niebüll ist inzwischen ebenfalls dicht. Sylterinnen müssen ihre Kinder entweder im Kreiskrankenhaus Husum oder in der Diako Flensburg zur Welt bringen. Ein Umstand, der für die Mütter sehr belastend ist, weiß die Sylter Hebamme Heidrun Hepper. "Die Situation auf Sylt ist wie im Busch", kritisiert die erfahrene Hebamme. Zwar gibt es auf Sylt seit knapp einem Jahr eine 24-stündige Hebammen-Rufbereitschaft. Finanziert wird sie von der Gemeinde Sylt, dem Kreis Nordfriesland sowie dem Land Schleswig-Holstein. Sobald eine Schwangere den Notruf 112 wählt, wird eine Hebamme informiert. "Das müssen wir zu zweit stemmen", sagt Heidrun Hepper, die allein in den vergangenen zehn Tagen fünf Mal mit dem DRK ausrückte.

Boarding-House-Konzept nicht praxistauglich

Eigentlich sollen Schwangere bereits bis zu 14 Tage vor dem voraussichtlichen Geburtstermin die Insel verlassen und entweder in Husum oder in Flensburg auf die Geburt warten. Praxistauglich ist das nicht. "Ich habe bereits einen vierjährigen Sohn und mein Mann kann nicht einfach vier Wochen Urlaub nehmen. Meine Familie lebt auch nicht auf Sylt. Wie soll das mit der Betreuung gehen?", fragt die frisch gebackene Sylter Mutter. Hinzu kämen die Sorgen während der Schwangerschaft, es auch rechtzeitig von der Insel zu schaffen. "Mich hat das jeden Tag belastet", sagt Christin. Auch andere Sylter Mütter empfinden die Situation als sehr belastend, weiß Hebamme Heidrun Hepper. "Ausgeflogen zu werden, dass ist für die Mütter auch kein Vergnügen. Vor allem, wenn der Partner nicht dabei sein kann."

Alles gutgegangen - dieses Mal

Christin und ihrem Baby geht es gut. Auf dem Rückweg nach Sylt habe die Hebamme noch auf dem Autozug die erste Untersuchung vorgenommen: Baby Hanna ist 50 Zentimeter groß, 3.350 Gramm schwer und gesund. "Mir geht es auch gut. Ich bin Zuhause aus dem Rettungswagen ausgestiegen und die Stufen zu unserer Wohnung hochgelaufen", schmunzelt Christin. Dieses Mal ist alles gutgegangen. Doch nicht nur die Sylter Hebammen befürchten, dass das irgendwann auch mal anders laufen könnte.

Trotz Festland-Geburt: Im Pass wird Sylt stehen

Die Autozug-Geburt als Anlass, die Diskussion um die fehlende Geburtshilfe auf Sylt wieder aufzunehmen? Der Bürgermeister der Gemeinde Sylt, Nikolas Häckel, verneint. "Das sehe ich nicht." Allerdings hat sich der Verwaltungschef dafür eingesetzt, dass im Pass der kleinen Hanna Sylt als Geburtsort stehen wird. "Sie ist in einem Sylter Rettungswagen geboren. Mutter und Kind haben diesen nicht verlassen und sind sofort auf die Insel zurückgekehrt", meinte Häckel zur Begründung. Die Mutter sieht es mit Humor. "Wir haben eine Rundfahrt gemacht und dabei ein Baby bekommen."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.09.2016 | 08:00 Uhr

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