Drohnenaufnahme der Deponie Lübeck-Niemark. © Johannes Kahts Foto: Johannes Kahts

Entscheidung: AKW-Bauschutt soll nach Lübeck und Ostholstein

Stand: 13.01.2021 14:36 Uhr

Nicht-radioaktiver Abfall, der beim Abriss des AKW Brunsbüttel entsteht, soll auf die Deponien in Lübeck-Niemark und Johannistal in Gremersdorf (Kreis Ostholstein) gebracht werden. Das hat die Landesregierung entschieden.

Beim Abriss der Atomkraftwerke in Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) und Krümmel (Herzogtum Lauenburg) entsteht viel Müll: bis zu 18.000 Tonnen Bauschutt, überwiegend Isolierwolle und asbesthaltige Abfälle. Nach einer langen Diskussion darüber, wo dieser freigemessene - also nicht-radioaktive - Müll entsorgt wird, hat Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Mittwochvormittag eine Entscheidung verkündet: Der AKW-Bauschutt soll zu den Deponien Niemark und Johannistal gebracht werden. "Ich bedauere, dass es bislang nicht überall gelungen ist, eine freiwillige Lösung für die Deponierung freigemessener Abfälle aus Kernkraftwerken im Land zu finden", sagte Albrecht. Deshalb müsse das Land das rechtliche Instrument der Zuweisung nutzen.

Wiershop nimmt Abfall aus Krümmel auf

Ein Entwurf ist den Deponiebetreibern laut Albrecht bereits zur Anhörung vorgelegt worden. Lübeck hatte zuvor eine Aufnahme des Mülls abgelehnt, und auch in anderen Orten gab es Widerstand. "Ausschlaggebend für die beabsichtigte Zuweisung an die Deponien Niemark und Johannistal war vornehmlich der breite Katalog der zugelassenen Abfallarten, die geeigneten technischen Umsetzungsmöglichkeiten, aber auch deren verfügbares Restvolumen", teilte das Ministerium mit. Den Angaben zufolge kamen für die Lagerung auch die Deponien in Wiershop (Herzogtum Lauenburg), Großenaspe (Kreis Segeberg) und Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg) infrage. In Wiershop wird Abfall aus dem nahen AKW Krümmel gelagert, dazu hatte sich die Gemeinde bereit erklärt.

Für den Bauschutt aus späteren Phasen des Rückbaus in Brunsbüttel ab 2023 sollen erneut alle fünf Deponien als Standort geprüft werden. Dann wird es laut Ministerium möglicherweise auch um den Müll aus dem Rückbau des AKW Brokdorf gehen.

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Der nicht wiederverwertbare Müll wird laut Ministerium bis zu vier Mal gemessen. Die Reststrahlung soll maximal zehn Mikrosievert betragen und deutlich unterhalb der Dosen durch natürliche radioaktive Strahlung pro Jahr liegen. Umweltminister Albrecht betonte, dass keine Gesundheitsgefährdung für Anwohner bestehe.

Lübeck will rechtliche Schritte prüfen

Das sehen viele Politiker in Lübeck aber anders und befürchten, dass der Schutt doch stärker strahlt. Deshalb prüft die Hansestadt laut Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU), ob rechtliche Schritte eingeleitet werden können. Gleiches gilt für Johannistal. Die Sorge der Bürgerschaft liege darin, dass neben dem freigemessenen Material - "sei es absichtlich oder unabsichtlich" - doch auch stärker belastetes Material darunter lande, so Hinsen. "Es geht offensichtlich um deutlich mehr Material, als vorher diskutiert wurde. Wir hatten vorher immer von 250 Tonnen gesprochen - Dämmmaterial und asbesthaltiges Material -, jetzt sind es plötzlich bis zu 12.000 Tonnen", erklärte Hinsen weiter. Gremersdorfs Bürgermeister Henning Pries (CDU) befürchtet durch den AKW-Schutt zudem einen Imageschaden für Tourismus und Landwirtschaft in der Region.

SPD sieht keine Alternative - SSW findet Zuweisung falsch

Leider habe es der Umweltminister nicht geschafft, die Debatte um die Deponierung der freigemessenen Abfälle aus Kernkraftwerken zu befrieden, hieß es aus der SPD-Fraktion im Landtag. Mit der Zuweisung werde der Minister auf harte Widerstände stoßen. Gleichwohl sieht die SPD keine Alternative. Der Rückbau der Atomkraftwerke sei gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der SSW-Abgeordnete Christian Dirschauer hält die Zuweisung für falsch. Die Energiewende könne nur mit den Menschen gelingen, nicht gegen sie.

Der energiepolitische Sprecher der Grünen, Bernd Voß, versprach, mit den nun gefundenen Standorten werde der Dialog fortgesetzt. Es sei notwendig, den Menschen verständlich zu machen, dass von diesen Abfallstoffen keine Gefahr ausgehe, meinte auch der CDU-Abgeordnete Heiner Rickers.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.01.2021 | 12:00 Uhr

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