Stand: 15.11.2019 09:40 Uhr

Elbvertiefung ist im Zeitplan

Mit der neunten Elbvertiefung und der Verbreiterung der Fahrrinne soll der Fluss auch für große Container-Schiffen beidseitig befahrbar werden.

Nach 17 Jahren Planung und langwierigen juristischen Auseinandersetzungen ist im Sommer der Startschuss für die Baggerarbeiten in der Elbe gefallen. Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS) informierte am Freitag in Wedel (Kreis Pinneberg) über den Stand der Arbeiten zur Elbvertiefung.

Begegnungsbox zum Jahresende fertig

"Wir sind im Zeitplan", sagte der Präsident der GDWS, Prof. Hans-Heinrich Witte. Bis Jahresende werde ein fünf Kilometer langer Abschnitt der Begegnungsstrecke für Schiffe auf der Elbe - in Höhe Wedel nahe Hamburg - fertig sein. Anfang nächsten Jahres könne somit ein erster nautischer Nutzen aus der sogenannten Begegnungsbox gezogen werden. "Das gucken wir uns in Ruhe und in Abstimmung mit den Reedern und Lotsen an. Es wird eine Übergangsphase geben", so Witte.

Die gesamten Arbeiten zur Elbvertiefung auf einer Länge von 116 Kilometern sollen im Sommer 2021 abgeschlossen sein, bekräftigte Witte. Dabei fallen rund 32 Millionen Kubikmeter Baggergut an.

Gesamter Schifffahrtsweg soll beidseitig befahrbar werden

Damit der gesamte Schifffahrtsweg in beiden Richtungen von großen Schiffen befahren werden kann, ist die Fahrrinne der Unterelbe auch zwischen Wedel und der Störmündung (43 Kilometer) von 300 auf 320 Meter verbreitert worden.

An der Elbmündung bei Brunsbüttel sei ein Warteplatz für Schiffe ebenfalls bereits fertig und werde derzeit abgenommen. Noch im November soll er als Notliegeplatz zur Verfügung stehen - nach Zuweisung durch die Verkehrszentrale. Außerdem können tideabhängige Schiffe dort warten, bis die Niedrigwasserphase in der Elbe vorbei ist.

75 Millionen für ökologische Ausgleichsmaßnahmen

Zum Ausgleich für die Elbvertiefung investiert der Bund 75 Millionen Euro in ökologische Ausgleichsmaßnahmen. In vier von fünf Ablagerungsflächen unter Wasser seien Dämme fertiggestellt und würden nun mit Baggergut befüllt, berichtete Projektleiterin Katrin Graeser. Dadurch solle die Wirkung durch die Flussvertiefung, beispielsweise Strömungsänderungen, minimiert werden.

"Es wirkt genauso, wie es soll", sagte Graeser. Der Fluss suche sich keinen neuen Weg. Unter anderem werden auf der Elbinsel Schwarztonnensand Mulden sowie auf Poldern an der Stör Priele angelegt, was bis Jahresende abgeschlossen werden soll. An der Stör solle auch der Schierlingswasserfenchel angesiedelt werden.

Umweltschützer sind gegen Unterwasser-Ablagerung

Gegen die Ablagerung von Schlick im Mündungsgebiet der Elbe gibt es Protest von Naturschützern, die befürchten, dass die Gezeiten dafür sorgen, dass die belasteten Sedimente sich über die Seehundsbänke und das Wattenmeer verteilen.

Allerdings handelt es sich nach Angaben der GWDS bei dem abgelagerten Schlick in der Medemrinne nicht um Hafenschlick oder durch Schadstoffe belastetes Material. Demnach soll es sich bei dem Baggermaterial um gewachsenen Boden, also überwiegend sandiges Material handeln, das zielgerichtet und bodennah in der Unterwasser-Ablagerungsfläche Medemrinne eingespült wird.

Tideunabhängig bis 13,50 Meter tief

Durch die Vertiefung der Fahrrinne sollen künftig Schiffe mit einem Tiefgang von 13,50 Metern den Hamburger Hafen tideunabhängig anlaufen und verlassen können, bei Hochwasser sogar bis 14,50 Metern. Dazu wird die Fahrrinne um bis zu 2,42 Meter ausgebaggert werden.

Aktuell können Containerriesen mit einem Tiefgang von 12,50 Metern die Unterelbe unabhängig von den Gezeiten befahren. Künftig sollen sie ihre Kapazität um je 1.300 Standardcontainer (TEU) erhöhen können. Allein dadurch ergibt sich für den Hamburger Hafen ein zusätzliches Umschlagspotenzial von rund drei Millionen TEU jährlich.

Gesamtkosten von knapp 800 Millionen Euro

Am längsten dauern aber nicht die Baggerarbeiten, sondern das Fertigstellen der technischen Bauwerke, dazu zählt auch die Uferbefestigung am Köhlbrand und neue Leuchttürme. Sie haben bereits vor fast zwei Jahren begonnen und sollen erst in zwei Jahren fertiggestellt sein.

Die Gesamtkosten der Elbvertiefung sind noch nicht offiziell beziffert, weil die Ausschreibungen noch laufen. Im Bundeshaushalt sind 776 Millionen Euro vorgesehen, von denen Hamburg 286 Millionen übernehmen soll. Zu Beginn der Planungen vor mehr als einem Jahrzehnt war nur von Gesamtkosten von rund 350 Millionen Euro die Rede gewesen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.11.2019 | 18:00 Uhr

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