Stand: 31.01.2019 15:50 Uhr

Dithmarschen: Dritter Tatverdächtiger in U-Haft

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Vermummte Beamte nahmen in Meldorf am Mittwochmorgen drei Iraker fest, die einen Terroranschlag in Deutschland geplant haben sollen.

Gegen zwei der drei Terrorverdächtigen von Meldorf und Elpersbüttel (Kreis Dithmarschen) ist am Donnerstagmorgen Haftbefehl erlassen worden. Sie befinden sich nun in Untersuchungshaft. Das hat ein Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden, wie NDR 1 Welle Nord berichtet. Der Generalbundesanwalt ermittelt gegen sie wegen der Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Straftat sowie Verstößen gegen das Waffen- und das Sprengstoffgesetz. Inzwischen ist auch gegen den dritten Mann Haftbefehl erlassen worden. Auch er muss in Untersuchungshaft. Der Generalbundesanwalt wirft dem 36-Jährigen Beihilfe vor.

Anschlag mit Schwarzpulver aus Silvesterraketen?

Gestern nahmen Einsatzkräfte des BKA sowie Spezialkräfte des Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein und der GSG 9 in Meldorf und Elpersbüttel drei Männer aus dem Irak fest. Sie sollen einen Bombenanschlag in Deutschland geplant haben. Dabei wollten die Iraker 250 Gramm Schwarzpulver aus Silvesterraketen verwenden.

Laut dem Präsidenten des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, hatten die Verdächtigen den Plan, "möglichst viele Menschen zu töten". Die Beschuldigten seien seit Wochen teilweise rund um die Uhr überwacht worden - von bis zu 200 Beamten. Ein konkretes Ziel hatten die Männer nach bisherigen Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft bislang noch nicht ins Visier genommen.

Anschlag in Großstadt oder auf Züge geplant?

Nach NDR Informationen sollen die Beschuldigten nicht versucht haben, in Schleswig-Holstein einen Anschlag zu verüben - sondern eher in einer Großstadt oder auf die Bahn. Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) hatten die drei Männer bereits seit Ende vergangenen Jahres im Visier. Damals sollen die zwei 23-Jährigen und ein 36 Jahre alter Mann entschieden haben, einen Anschlag zu verüben. Anfang Dezember sollen die Männer bereits mit ersten Vorbereitungen begonnen haben.

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Bauanleitung für Bombe aus dem Internet besorgt

Die drei Männer haben sich laut Bundesanwaltschaft aus dem Internet eine Bauanleitung besorgt und damit begonnen, einen Sprengsatz zu bauen. Die Auslieferung einer in Großbritannien bestellten Zündvorrichtung wurde laut Bundesanwaltschaft vereitelt. Erste Sprengversuche mit Schwarzpulver sollen die Männer Ende Dezember 2018 gemacht haben.

Waffe soll zu teuer gewesen sein

Nach NDR Informationen soll einer der drei Iraker mit einem Mann aus Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) über den Kauf einer Waffe gesprochen haben, die dann für ein Attentat genutzt werden sollte. Die Waffe soll den beiden Hauptbeschuldigten aber zu teuer gewesen sein. Deshalb habe man auch überlegt, ein Attentat mit einem Auto zu begehen. Einer der Männer soll Fahrstunden genommen haben, um das Fahrzeug zu fahren.

Drei Iraker unter Terrorverdacht festgenommen

Bundesanwaltschaft: Es gibt Bezüge zum IS

Laut Bundesanwaltschaft gibt es Bezüge der Männer zum sogenannten Islamischen Staat (IS). Es gebe aber keine Belege dafür, dass sie im Auftrag des IS handelten oder gar Mitglieder der Terrorvereinigung sind, so eine Sprecherin. Von daher werde auch nicht wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung ermittelt. BKA-Chef Münch sagte, man gehe momentan nicht von einer Schläferzelle aus. Es gebe keine Hinweise auf eine Steuerung aus dem Ausland.

Männer genossen subsidiären Flüchtlingsschutz

Meldorfs Bürgermeisterin Anke Cornelius-Heide und das BKA bestätigten, dass zwei der drei Männer im Herbst 2015 als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen waren. Alle drei Beschuldigten sind als Flüchtlinge anerkannt. Laut BKA-Chef Münch genossen die festgenommenen Männer in Deutschland sogenannten subsidiären Flüchtlingsschutz. Dieser Schutz greift, wenn die Asylbehörden weder den offiziellen Flüchtlingsschutz noch die Asylberechtigung gewähren können und im Herkunftsland ernsthafter Schaden droht - etwa Folter oder Todesstrafe.

Karte: Hier liegt Meldorf im Kreis Dithmarschen
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Terrorverdächtige in Dithmarschen festgenommen

30.01.2019 17:00 Uhr

In Meldorf und Elpersbüttel sind drei Iraker festgenommen worden, die einen Anschlag in Deutschland geplant haben sollen. Die Bundesanwaltschaft bestätigte "Bezüge" zum IS - aber keinen Auftrag. mehr

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Meldorf: Drei Terrorverdächtige festgenommen

In Schleswig-Holstein sind drei Männer unter dem Verdacht festgenommen worden, einen Anschlag mit einer selbstgebauten Bombe geplant zu haben. Weitere Informationen bei tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 31.01.2019 | 09:00 Uhr

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