Das standhafte Windrad von Sörup - was nun?

Stand: 18.05.2021 19:09 Uhr

Zwei Versuche mit Sprengstoff und ein Versuch mit einem Stahlseil konnten die defekte Windmühle in Sörup-Barg nicht zu Fall bringen. Inzwischen lockt sie einige Schaulustige an.

Zweimal hat es heftig geknallt in den letzten Tagen - doch trotz Sprengungen sackte der Turm der Mühle lediglich ab und fiel nicht, wie geplant, seitlich weg. Dafür habe selbst der Sprengmeister mit 41 Jahren Berufserfahrung keine Erklärung, heißt es von der Betreiberfirma WKN in Husum (Kreis Nordfriesland). Und bei dem Versuch am Montagabend, die Mühle in Sörup-Barg (Kreis Schleswig-Flensburg) mit einem Stahlseil zu Fall zu bringen, riss das Seil. Die Betreiberfirma WKN in Husum bespricht jetzt mit Behörden und Gutachtern, wie man der standhaften Mühle doch noch ein Schnippchen schlagen könnte. WKN-Sprecherin Rabea Petersen sagt, es gebe zwei Optionen. Zur Debatte steht ein dritter Sprengversuch - oder ein Versuch mit dickeren Seilen. "Die Möglichkeit, die wir jetzt noch hätten, wäre ein 12 Millimeter-Stahlseil", sagt Petersen.

Beschädigtes Windrad als kleine Attraktion

Ulrike Schwiecker © NDR
Ulrike Schwiecker wohnt direkt neben dem defekten Windrad. "Ich habe mich irrsinnig erschrocken", erzählt sie über den ersten Sprengversuch.

Das Gefahrengebiet rund um den Turm wird von einem privaten Sicherheitsdienst bewacht. Denn die Windmühle war bei einem Sturm im März beschädigt worden. Seitdem hängt das 50 Tonnen schwere Maschinenhaus leicht schief in etwa 60 Metern Höhe, und die Gondel könnte abstürzen. Für das ungeübte Auge ist der "schiefe Turm" allerdings nicht auf Anhieb zu erkennen. Dennoch avancierte das Windrad zu einer kleinen Attraktion in Angeln. Andreas Nowc ist nach einem Spaziergang extra noch mit dem Auto vorbeigefahren. "Wollten mal schauen, was es Feines zu sehen gibt. Aber ist ein büschen unspektakluär, hängt immer noch die Nase", lacht Nowc und findet: "Passiert halt mal, gibt Schlimmeres. Sie hält zumindest stand. Sturm schmeißt sie ja auch nicht um." Aber bei der Sprengung müsse etwas falsch berechnet worden sein, glaubt Nowc, sonst wäre die Mühle doch umgefallen.

Eine Rauchwolke vor dem Fenster

Die Anwohner habe man auf Anraten der Arbeitsschutzbehörde aus Sicherheitsgründen nicht über die Sprengung informiert, sagt WKN-Sprecherin Petersen, man wolle Menschenansammlungen vermeiden. Nur genau das ärgert eine Nachbarin sehr. Ulrike Schwiecker wohnt direkt gegenüber und erzählt: "Am vergangenen Mittwoch gab es plötzlich einen wahnsinnigen Knall, ich hab mich irrsinnig erschrocken, dachte es sei irgendetwas ins Dach geflogen". Als sie nichts entdecken konnte und aus dem Fenster sah, erblickte sie eine Rauchwolke. Und am Tag nach Himmelfahrt las sie in ihrer Zeitung, was passiert war. Sie habe die Husumer Firma angerufen, erzählt Schwiecker, doch da sei wegen des Brückentags niemand zu erreichen gewesen.

Anwohnerin: Einfach vorher klingeln und Bescheid sagen

"Irgendwie fühlten wir uns hier doch etwas in die Enge getrieben, denn wir sind ja unmittelbar Anlieger an diesem Windrad. Da hätte man uns ja doch vorher Bescheid sagen können, wenn so etwas geplant ist", findet Schwieker. Der Knall bei der Sprengung am Montag sei nur halb so schlimm gewesen, meint sie, aber: "Es passierte wieder nichts, auch wieder keine Benachrichtigung". Einfach klingeln und Bescheid sagen, hätte sich Ulrike Schwiecker vor der Sprengung gewünscht. Aber so habe ihr der Schock den ganzen Tag über in den Knochen gesessen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.05.2021 | 19:30 Uhr

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