Stand: 09.05.2019 08:15 Uhr

Castoren kommen 2023 auch nach Brokdorf

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Brokdorf ist einer von vier Kernkraftwerksstandorten, an denen ab 2023 Castorbehälter ankommen sollen.

Sieben Castorbehälter mit stark radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufbereitungsanlage in Sellafield (England) kommen später nach Brokdorf (Kreis Steinburg) als bisher gedacht - nach neuestem Stand erst 2023 oder 2024. Der Grund sei, dass zunächst zwei Castortransporte nach Süddeutschland geplant sind, sagte der Geschäftsführer der Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), Dr. Ewold Seeba, am Mittwochabend bei einer Info-Veranstaltung in Brokdorf. In Brokdorf war man bislang davon ausgegangen, dass die ersten Castoren womöglich schon 2021 ankommen könnten.

Der Atommüll stammt aus deutschen Kernkraftwerken, auch aus dem in Brokdorf. Er wird laut Seeba nach dem Verursacherprinzip auf die Bundesländer verteilt. In den Wiederaufbereitungsanlagen werde der Atommüll aber nicht nach Kraftwerken getrennt verpackt, sagte ein Sprecher der Gesellschaft für Nuklear-Service GNS, die den Transport organisiert.

Atommüll wird auf vier Standorte verteilt

Brokdorf ist einer von vier Kernkraftwerksstandorten, an denen in dem Zeitraum Castorbehälter ankommen sollen. Rund zwölf Prozent der radioaktiven Abfälle, die in Sellafield und dem französischen Le Hague aufbereitet wurden, stammen aus Schleswig-Holstein. Die Castorbehälter sollen in den Standortzwischenlagern auf den Kraftwerksgeländen von Brokdorf, Biblis (Hessen), Isar (Bayern) und Philippsburg (Baden-Württemberg) untergebracht werden, bis ein Endlager zur Verfügung steht. Die Suche danach läuft derzeit noch. Deswegen steht bislang nicht fest, wie lange die Castoren in den Standortzwischenlagern bleiben werden.

Bürgermeisterin: "Es sind viele Fragen offen"

Brokdorfs Bürgermeisterin Elke Göttsche (CDU) fasste die Fragen der rund 60 Besucher zusammen: "Hier sollte einmal nur der Müll eingelagert werden, der auch in Brokdorf angefallen ist. Das hat sich nun geändert und darüber müssen wir sprechen." BGZ-Chef Seeba verwies auf eine Änderung am Atomgesetz. Niedersachsen habe in Gorleben mit 108 Castoren weit mehr Müll aufgenommen, als es selbst erzeugt habe. Deswegen habe der Gesetzgeber 2015 entschieden, dass künftig angelieferte Castoren nur noch in den Standortzwischenlagern der Kraftwerke untergebracht werden. Weil Gorleben kein Kraftwerksstandort ist, wurde das dortige Zwischenlager faktisch von weiteren Castor-Transporten ausgenommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 08.05.2019 | 22:00 Uhr

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