Ein Polizist sichert Hand eines Mannes mit Handschellen vor einem Streifenwagen. © NDR Foto: Pavel Stoyan
Ein Polizist sichert Hand eines Mannes mit Handschellen vor einem Streifenwagen. © NDR Foto: Pavel Stoyan
Ein Polizist sichert Hand eines Mannes mit Handschellen vor einem Streifenwagen. © NDR Foto: Pavel Stoyan
AUDIO: Oberstaatsanwalt: Schuldfähigkeit muss geprüft werden (1 Min)

Bösdorf: Vater soll sechsjährigen Sohn auf Campingplatz erstochen haben

Stand: 27.09.2022 07:17 Uhr

Auf einem Campingplatz in Bösdorf im Kreis Plön ist in der Nacht zu Sonntag ein sechsjähriger Junge erstochen worden. Sein Vater alarmierte die Polizei und gab an, sein Kind selbst getötet zu haben, berichten Ermittler.

Der Vater habe den Notruf selbst abgesetzt, so die Polizei. "In der Nacht von Samstag auf Sonntag meldete sich um 3.37 Uhr ein 39-jähriger Mann über den Polizeinotruf und teilte mit, dass er soeben seinen sechsjährigen Sohn erstochen habe", berichtete Polizeisprecher Björn Gustke. Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdienst fanden den toten Jungen mit mehreren Stichverletzungen auf dem Campingplatz in Bösdorf (Kreis Plön). Die Ermittler nahmen den aus Hamburg stammenden Vater fest. Er leistete nach Angaben von Staatswanwaltschaft und Polizei keinen Widerstand. Demnach hatte er sich zuvor selbst Schnittwunden zugefügt, die nicht lebensbedrohlich waren.

Staatsanwaltschaft: Zweifel an Schuldfähigkeit

An der Schuldfähigkeit des Mannes bestehen nach vorläufigen Untersuchungen aufgrund einer psychiatrischen Vorerkrankung erhebliche Zweifel, teilten die Ermittlungsbehörden mit. Laut Staatsanwaltschaft Kiel hat eine erste medizinische Diagnose ergeben, dass der Mann an einer psychischen Krankheit leidet, die zu Wahnvorstellungen führen kann. Daher habe ihn der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Kiel auf Antrag der Staatsanwaltschaft in eine psychiatrische Fachklinik eingewiesen.

Ein Sachverständiger soll nun ein psychiatrisches Gutachten anfertigen, erklärte Oberstaatsanwalt Michael Bimler. "Wir gehen nach den bisherigen Ermittlungen davon aus, dass tatsächlich eine psychiatrische Grunderkrankung vorliegt, aber das wird jetzt durch weitere sachverständige Untersuchungen noch verifiziert werden müssen", sagte er. Der Gutachter soll auch klären, ob die Krankheit tatsächlich zu einer Schuldunfähigkeit geführt haben kann.

Vater war allein mit Sohn auf dem Campingplatz

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln außerdem weiter zum Ablauf und zu den Hintergründen der Tat. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Bimler war der Vater allein mit seinem Sohn auf dem Campingplatz, um dort das Wochenende zu verbringen. Die Polizei will nun weitere Zeugen befragen und den genauen Tathergang rekonstruieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 27.09.2022 | 06:00 Uhr

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