Eine Bombe schlummert auf dem Meeresboden. © PIZ Marine

Bergung von Munition im Meer: Land fordert zügige Entscheidung

Stand: 26.08.2021 18:25 Uhr

Schleswig-Holstein verlangt einen baldigen Einstieg in die Bergung gefährlicher Kriegsmunition aus dem Meer und vom Bund eine rasche Entscheidung über eine faire Lastenteilung.

Noch immer liegen große Mengen an Kriegsmunition auf dem Grund von Nord- und Ostsee. Bund und Länder schätzen, dass es dabei in 71 belasteten Gebieten um etwa 1,6 Millionen Tonnen konventionelle und etwa 5.000 Tonnen chemische Munition handelt. Und die Gefahr, dass Giftstoffe austreten, wächst. Die Beseitigung ist auch eine Frage des Geldes. Angesichts dieser Dimension geht es bei der Bergung und der Entsorgung um eine hohe Milliardensumme.

Die Landesregierung hat im Landtag am Donnerstag erneut den Bund in die Pflicht genommen, mehr für die Beseitigung zu tun. Der Einstieg in die Bergung könne und müsse so bald wie möglich beginnen, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne).

Schleswig-Holstein sieht Bund in der Verantwortung

Da die Korrosion fortschreite, werde eine Entsorgung der Kriegsmunition immer dringlicher. Die Hüllen rosteten durch, Kampfmittel setzten mit zunehmender Korrosion der Metallhüllen toxische Stoffe frei und am Ende würden die krebserregenden Stoffe über die Nahrungskette möglicherweise auf dem Teller landen. Die höchsten Konzentrationen dieser krebserregenden Stoffe würden in Versenkungsgebieten der Ostsee gemessen, so Albrecht und ergänzte: "Nicht nur im Wasser, sondern auch in Tieren." Die Landesregierung sieht vor allem bei der Bergung und der Entsorgung der Kampfmittel und Sprengstoffe den Bund in der Verantwortung. Diese Mammutaufgabe könne Schleswig-Holstein nicht allein bewältigen, meinte Albrecht.

Es muss schnell etwas passieren

Die Technologie zur Bergung in großem Maßstab sei verfügbar. "Der Einstieg in die Bergung könnte und muss so bald wie möglich beginnen", sagte der Umweltminister im Landtag. Die Abgeordneten teilen die Einschätzung, dass schnell etwas passieren muss - und zwar unabhängig davon, wer Regierungsverantwortung trägt. Sie unterstrichen ebenfalls, es müsse eine faire Lastenverteilung der Milliardenkosten zwischen Bund und Ländern geben. Die vorhandenen Daten müssten auch endlich zu einem nationalen Munitionskataster See zusammengefasst werden, so Albrecht.

Konkrete Gefahren - außerdem Verdriftungsgefahr

Das Problem müsse endlich angegangen werden, sagte der CDU-Abgeordnete Heiner Rickers. Er verwies auf konkrete Gefahren: Grundnetze von Fischern könnten Bomben aufnehmen. Oder am Strand könne ähnlich wie Bernstein aussehender weißer Phosphor anlanden, der schwere Verbrennungen auslösen kann.

Zur Bergung würden umweltgerechte Lösungen im industriellen Maßstab benötigt, sagte Sandra Redmann von der SPD. Die Grüne Marlies Fritzen verwies auf Verdriftungsgefahren: Im Zweifel wisse man nicht, wohin Munition dann gelangt ist. Dennys Bornhöft von der FDP sprach Gefahren aus den Altlasten für Schifffahrt und Energiewende an.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.08.2021 | 17:00 Uhr

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