Stand: 17.07.2019 12:20 Uhr

Wasserstoffzüge: Erfolgsmodell aus Niedersachsen

Seit Herbst 2018 rollen die weltweit ersten Wasserstoffzüge in Niedersachsen über die Schienen - bislang offenbar ohne größere Probleme.

Seit September sind auf den Regionalzugstrecken in Nordniedersachsen zwischen Bremervörde, Cuxhaven, Bremerhaven und Buxtehude die beiden weltweit einzigen Wasserstoffzüge unterwegs. Ein Pionierprojekt, das laut Hersteller Alstom bislang gut funktioniert. "Bei mittlerweile über 100.000 gefahrenen Fahrzeugkilometern sind wir absolut zufrieden mit der Leistung", sagte der Geschäftsführer des Unternehmens aus Salzgitter, Jörg Nikutta.

14 weitere Züge bestellt

Dass die Entwicklung in Niedersachsen ausgebaut wird, ist schon länger klar: Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) hat bei Alstom bereits 14 weitere Wasserstoffzüge bestellt, die allesamt am Alstom-Standort Salzgitter gebaut werden. Ab 2021 sollen die Züge des Typs "Coradia iLint" die Dieselzüge auf den Strecken Bremervörde, Cuxhaven, Bremerhaven und Buxtehude ersetzen. Das niedersächsische Verkehrsministerium fördert die Anschaffung mit 81,3 Millionen Euro.

Großauftrag aus Hessen

Das Interesse an den weltweit einzigen Wasserstoffzügen ist offenbar groß: Eine Tochtergesellschaft des Rhein-Main-Verkehrsverbundes in Hessen hat im Mai 27 Brennstoffzellenzüge mit einem Gesamtvolumen von rund 500 Millionen Euro bei Alstom bestellt. Man sei zudem in aktiven Verhandlungen mit anderen Bundesländern, sagte Alstom-Geschäftsführer Nikutta.

Schnell wie ein Dieselzug - aber leiser

Die Züge werden mit Wasserstoff-Brennstoffzellen betrieben. Die auf dem Dach befindliche Brennstoffzelle wandelt Wasserstoff und Sauerstoff in Wasser um. Der dabei entstehende Strom lädt die Lithium-Ionen-Akkus an Bord auf und treibt den Elektromotor an. Emissionsfrei sind die Züge deshalb, weil sie nur Wasserdampf und Kondenswasser an die Umwelt abgeben. Emissionen entstehen allerdings bei der energieaufwendigen Herstellung von Wasserstoff. Die Züge kommen nach Angaben des Herstellers auf eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern - damit sind sie so schnell wie ein Dieselzug. Gegenüber diesen sollen sie aber deutlich leiser sein. Die Geräusche seien "eher wie ein Surren bei einer S-Bahn", sagte Andrea Stein, Sprecherin der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 17.07.2019 | 08:30 Uhr