Stand: 26.09.2019 19:09 Uhr

Vorgesetzte von Ex-Krankenpfleger Högel angeklagt

Bild vergrößern
Ex-Krankenpfleger Niels Högel wurde im Juni wegen 85-fachen Mordes in Oldenburg und Delmenhorst zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat fünf ehemalige Vorgesetzte des Serienmörders Niels Högel angeklagt. Nach Angaben eines Sprechers sollen sie sich wegen Totschlags durch Unterlassen verantworten, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Trotz deutlicher Hinweise hätten sie Högel bei den Morden an Patienten nicht gestoppt, so der Vorwurf. Angeklagt sind demnach der damalige Geschäftsführer des Klinikums Oldenburg, die inzwischen verrentete Pflegedirektorin, zwei Chefärzte und ein Stationsleiter. Auf Totschlag durch Unterlassen stehen bis zu 15 Jahre Haft.

.

Ex-Krankenpfleger Högel: Vorgesetzte angeklagt

Hallo Niedersachsen -

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat fünf ehemalige Vorgesetzte des verurteilten Ex-Krankenpflegers Niels Högel angeklagt. Ihnen wird Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen.

1,36 bei 33 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Drei Beschuldigte sollen Högel "weggelobt" haben

Dem Ex-Geschäftsführer sowie der Pflegedirektorin werden 63 Taten zur Last gelegt, dem Chef der Anästhesie 60 und den anderen beiden Angeschuldigten jeweils drei Taten. Drei Beschuldigte sollen sich nicht nur für Högels Morde im Klinikum Oldenburg, sondern auch in Delmenhorst verantworten. Der Grund: Den drei Führungskräften wird vorgeworfen, dass sie Niels Högel "weglobten". Der auffällig gewordene Krankenpfleger soll demnach ein gutes Zeugnis erhalten haben, obwohl es bereits eindeutige Hinweise auf seine Taten gab. Durch das Zeugnis hätten die Angeschuldigten die von Högel ausgehende tödliche Gefahr für Patienten verschleiert. Auf diese Weise habe er eine neue Anstellung am Krankenhaus Delmenhorst bekommen können, wo er weiter mordete.

Untätigkeit aus Sorge um Reputation

Der Stationsleiter am Oldenburger Krankenhaus soll im Auftrag des Chefarztes eine Strichliste angefertigt haben. Dabei wurden die Reanimationen und Dienstzeiten der Pflegekräfte abgeglichen. In der Folge sei es zu mehreren Besprechungen gekommen, bei denen auch das Einschalten der Strafverfolgungsbehörden thematisiert worden sei, heißt es. Doch es sei entschieden worden, die Polizei nicht zu informieren. Laut Anklage blieben die Angeschuldigten "aus Sorge um ihre persönliche Reputation, die Reputation der kardiochirurgischen Intensivstation und des Klinikums Oldenburg insgesamt" untätig. Die Polizei hatte im Mai 2018 die Diensträume und die Privatwohnung des Stationsleiters durchsucht. Dabei waren elektronische Speichermedien und Unterlagen sichergestellt worden. Zwei der Angeklagten wurden nach Angaben des Klinikums mit sofortiger Wirkung freigestellt. Die drei weiteren Angeklagten arbeiten nicht mehr in der Klinik.

Vorgesetzte verweigerten Aussage

Die Vorwürfe gegen die fünf Oldenburger Högel-Vorgesetzten spielten schon im jüngsten Prozess gegen den Ex-Krankenpfleger eine Rolle. Darin hatten die nun Angeschuldigten die Aussage verweigert. Högel wurde im Juni wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. In 15 Fällen wurde er aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Gegen das Urteil will Högel Revision einlegen. Gegen welche Teile des Urteils sich diese genau richtet, teilte die Verteidigung nicht mit. Wie lange das Revisionsverfahren dauern wird, ist offen.

Weitere Anklagen gegen vier Klinik-Mitarbeiter

Bereits im Jahr 2016 hatte die Staatsanwaltschaft gegen vier Mitarbeiter des Klinikums Delmenhorst Anklage erhoben. Den Chefärzten und leitenden Pflegekräften wird ebenfalls Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen. Sie sollen weitere Morde und Mordversuche nicht verhindert haben, nachdem bereits der Verdacht bestanden haben soll, dass Högel an Patienten manipuliert hat. Dieser Prozess soll allerdings erst weitergeführt werden, sobald das Urteil gegen Högel rechtskräftig ist.

Weitere Informationen

Verurteilter Niels Högel hält an Revision fest

Der wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte Ex-Pfleger Niels Högel hält an einer Revision fest. Seine Anwältin bestätigte dem NDR, dass man dies kurzfristig begründen werde. (24.09.2019) mehr

Högel-Urteil: Zwischen Ohnmacht und Erleichterung

Mit gemischten Gefühlen haben die Nebenkläger das Urteil gegen Ex-Krankenpfleger Niels Högel aufgenommen. Die juristische Aufarbeitung des Falls ist noch längst nicht abgeschlossen. (06.06.2019) mehr

85 Morde: Lebenslang für Ex-Krankenpfleger Högel

Das Landgericht Oldenburg hat Niels Högel wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Vorsitzende Richter nannte die Taten des Ex-Krankenpflegers "unfassbar". (06.06.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.09.2019 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

08:08
Hallo Niedersachsen
03:54
Hallo Niedersachsen
05:52
Hallo Niedersachsen