Unwirksame Corona-Impfung: Angeklagte pocht auf Missgeschick

Stand: 02.11.2022 16:36 Uhr

Eine Mitarbeiterin des Impfzentrums in Schortens muss sich seit Mittwoch in Oldenburg vor Gericht verantworten. Sie soll Spritzen statt mit dem Corona-Impfstoff mit Kochsalzlösung aufgezogen haben.

Zum Prozessauftakt hat die 39-Jährige bestritten, dass ihr Handeln politisch motiviert gewesen sei. Über ihren Anwalt ließ sie erklären, was sie auch in den Vernehmungen mit der Polizei schon gesagt hatte: Ihr sei aus Missgeschick eine Ampulle mit Corona-Impfstoff heruntergefallen. Um dies zu vertuschen und weil sie Angst um ihren Arbeitsplatz gehabt habe, habe sie dann sechs Spritzen mit geringen Impfstoffresten aus anderen Ampullen und mit Kochsalzlösung aufgezogen - und diese zum Verimpfen an die Kollegen weitergegeben. Die Angeklagte bereue ihre Handlung und sei bereit, die Konsequenzen zu tragen, sagte ihr Anwalt.

VIDEO: Oldenburg: Prozessauftakt nach Impfskandal in Schortens (02.11.2022) (1 Min)

Staatsanwaltschaft: Angeklagte wollte Impfkampagne sabotieren

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau Körperverletzung in 15 Fällen vor. Sie soll im April vergangenen Jahres in dem Impfzentrum des Landkreises Friesland 15 Spritzen entweder ausschließlich mit Kochsalzlösung aufgezogen oder den Impfstoff so stark mit Kochsalzlösung verdünnt haben, dass dieser nicht mehr wirkte.

Bei Schuldspruch drohen bis zu fünf Jahre Haft

Am ersten Verhandlungstag warf der Staatsanwalt der Angeklagten vor, dass sie die Pandemie als Verschwörung angesehen habe und die Impfkampagne sabotieren wollte. Dem Gerichtssprecher zufolge drohen der Frau im Falle eines Schuldspruchs eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Haft. Am 8. November wird der Prozess fortgesetzt.

10.000 potenziell Betroffene zu erneuter Impfung aufgerufen

Da die Behörden seinerzeit nicht mehr nachvollziehen konnten, wer im Impfzentrum Schortens möglicherweise eine unwirksame Impfung erhalten hatte, wurden mehr als 10.000 potenziell Betroffene zu einer weiteren Impfung aufgerufen. Land und Landkreis zahlten ihnen auf Antrag eine finanzielle Aufwandsentschädigung.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Hallo Niedersachsen | 02.11.2022 | 19:30 Uhr

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