VIDEO: Bremerhaven will schiefen Leuchtturm retten (4 Min)

Schiefer Turm von Bremerhaven provisorisch gesichert

Stand: 20.08.2022 19:41 Uhr

Der einsturzgefährdete Leuchtturm in Bremerhaven ist am Sonnabend provisorisch gesichert worden. Noch offen ist, ob die denkmalgeschützte Kuppel abgebaut werden kann, ohne dass der Turm kippt.

Durch die Arbeiten am Sonnabend sei nun sichergestellt, dass der Turm nicht mehr ins Wasser fällt, wie der Sprecher der Hafengesellschaft bremenports, Holger Bruns, sagte. Stattdessen fiele er auf ein Schwimmponton, das nun davor angebracht wurde und auf dem Stroh aufgeschichtet worden sei. "Der Turm fällt dann nicht mehr in die Fahrrinne." Der Leuchtturm steht auf der Nordmole an der Einfahrt zum Fischereihafen in Bremerhaven.

Abbau verzögert sich

Sollten keine neuen Probleme auftreten und der Leuchtturm weiterhin stehen, soll die Kuppel Ende kommender Woche abgebaut werden. Im Anschluss würde dann der Backstein-Turm abgetragen. Dabei scheint das ganze Unternehmen doch aufwendiger als gedacht. Am Donnerstag sprach Bremenports noch davon, den Turm bereits dieses Wochenende abtragen zu wollen.

VIDEO: Leuchtturm in Bremerhaven steht noch (5 Min)

Zudem sollte das Fundament des Turms mit einem autonomen Unterwasserfahrzeug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) untersucht werden. Darin sind Sonargeräte verbaut. Wie ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des DLR sagte, können die Sonare ein 3D-Abbild von der Mole erzeugen, auf der der Leuchtturm steht. Damit werde sichtbar, ob die Mauer noch intakt ist beziehungsweise wie groß die Schäden sind. Von der Polizei hieß es am Freitag, dass die Mole nicht weiter abgesackt sei.

Hafenbetreiber: Holzpfähle gaben wohl nach

Die Mole war in der Nacht zu Donnerstag abgesackt. Das Absacken habe man nicht vorhergesehen, sagte Robert Howe, der Geschäftsführer von Bremenports. "Gleichwohl wussten wir seit einigen Jahren schon, dass die Standsicherheit der Mole und damit natürlich auch die Standsicherheit des Turms gefährdet ist." Die Mole und der Molenkopf, auf dem der Turm steht, seien auf Holzpfählen gebaut. Untersuchungen zeigten, dass diese unter der Mole abgängig gewesen seien. Deswegen war die Mole für Besucherinnen und Besucher gesperrt. Da aber der Molenkopf einst zusätzlich mit Spuntwänden abgesichert wurde, ließen sich die Holzpfähle dort nicht untersuchen, erklärte Howe. Bei Niedrigwasser hätten die Pfähle dort nun offenbar versagt.

Oberbürgermeister sieht Verantwortung bei Senat und Bremenports

Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) übte indes scharfe Kritik. "Wenn man zynisch sein wollte, könnte man sagen: Das war ein Desaster mit Ansage. Ich habe seit Jahren die Verantwortlichen im Senat und bei Bremenports dringlich auf die Notwendigkeit der Sanierung der Nordmole hingewiesen, aber leider ist nichts Sichtbares passiert", sagte der Rathaus-Chef am Donnerstag. "Was nun geschehen ist, schadet der Stadt Bremerhaven."

Schiffe und Fähren fahren wieder

Am Donnerstagabend wurde der seit dem Morgen gesperrte Schiffsverkehr an der Einfahrt in den Fluss Geeste und in den Fischereihafen für die Berufsschifffahrt und die Weserfähre von Bremerhaven nach Nordenham (Blexen) wieder freigegeben. Die Geeste mündet an der Molenspitze in die Weser. Auf der Weser war der Fährverkehr nicht eingeschränkt.

Laut der Stadt steht der Leuchtturm, der 1914 in Betrieb genommen wurde, seit 2001 unter Denkmalschutz. Die Nordmole ist Eigentum des Landes Bremen, der Turm mit seinem aktiven Leuchtfeuer gehört der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.08.2022 | 18:00 Uhr

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