Stand: 22.09.2020 11:48 Uhr

Oberndorf kämpft erfolgreich gegen die Landflucht

Blick auf die Kirche und mehrere Wohnhäuser hinter dem Ostedeich in Oberndorf an der Oste. © Wikimedia Commons Foto: Oxfordian Kissuth
Oberndorf an der Oste: idyllisch - aber mit einem lebendigen Dorfleben.

Verlassene Dörfer - das ist längst nicht nur ein ostdeutsches Phänomen. Auch in Niedersachsen hat insbesondere in den kleinen Dörfern auf dem Lande längst eine Landflucht eingesetzt. Erst macht der Bäcker dicht, dann der letzte Laden, und schon bald wird es still. Und die Dörfer werden zu reinen Schlafgemeinden. Oberndorf an der Oste hat sich diesem Trend widersetzt: Das 1.366-Seelen-Dorf an der Grenze zwischen den Landkreisen Stade und Cuxhaven verzeichnet sogar wieder mehr Einwohner. Denn die Bürger hier haben selbst die Initiative ergriffen.

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Pläne schmieden in der Dorfkneipe

Bürgermeister Detlef Horeis im Portrait. © NDR Foto: Jörn Pietschke
Bürgermeister Horeis freut sich über die aktiven Menschen in seiner Gemeinde.

"Eine Bürgerinitiative braucht einen Tisch", sagt Bert Frisch. "Und der steht hier in der Kneipe." Er ist einer jener aktiven Oberndorfer Bürgern. An diesem Tisch, von dem er spricht, wurden im Dorf in den vergangenen Jahren schon viele Pläne geschmiedet. In der Dorfkneipe mit dem Namen "Kombüse 53 Grad Nord" haben die Oberndorfer sich auch versammelt, als 2014 die Dorfschule geschlossen wurde, für die das ganze Dorf zuvor jahrelang gekämpft hatte. Inzwischen wurde in Oberndorf eine Freie Schule gegründet in der 40 Kinder von der 1. bis zu 10. Klasse unterrichtet werden.

Nachfrage nach Baugrund ist groß

Ein ganzes Stück ehrenamtliche Arbeit steckt dahinter, wenn eine Dorfgemeinschaft quicklebendig bleiben soll. Oberndorfs Bürgermeister Detlef Horeis (SPD) freut sich über das lebendige Dorfleben, für das nicht zuletzt mehr als 20 Vereine sorgen. Oberndorf ist gefragt - und so werden die Oberndorfer inzwischen sogar wieder mehr. Das liegt auch daran, dass die Gemeinde günstige Baugrundstücke bereitgehalten hat. Im Moment herrsche eine große Nachfrage nach diesen Grundstücken, erzählt Horeis. Die Leute hätten inzwischen gemerkt, dass Oberndorf "nicht weit weg" sei. Nur drei Kilometer bis zur Bahnanbindung, da sei auch Arbeiten in Hamburg und Wohnen in Oberndorf möglich. "Wir haben fast alle Bauplätze verkauft beziehungsweise vorgemerkt", sagt Horeis zufrieden.

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Neue Projekte mit Solarenergie finanzieren

Das kleine Dorf an der Oste hat große Visionen. So wurde eine Energiegenossenschaft gegründet, die nicht nur Photovoltaikanlagen auf Hausdächern in Oberndorf installiert, sondern zum Beispiel auch auf dem größten Supermarktdach in der Region. Die Genossenschaft, der Hans-Heinrich Katt vorsteht, verdient so Geld für die nächsten Oberndorf-Projekte "Wir haben das Ziel, dass wir soviel Energie ökologisch erzeugen, wie Oberndorf konsumiert", erzählt er. Davon sei man zwar noch weit entfernt. Aber man wolle mit Photovoltaik Geld verdienen, um dieses Geld im Ort wieder investieren zu können. Eine soziale Rendite also, die sich für die Dorfgemeinschaft in Oberndorf langfristig auszahlen soll.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 22.09.2020 | 17:00 Uhr

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