Stand: 30.11.2018 18:20 Uhr

Obergrenze oder nicht? Debatte um Wolfspopulation

Nach einem mutmaßlichen Angriff eines Wolfes auf einen Menschen am Mittwoch im Landkreis Rotenburg ist die Debatte um die Bejagung des Wolfes wieder aufgeflammt. Im NDR Fernsehmagazin Hallo Niedersachsen sprach sich Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) für ein langsameres Anwachsen der Wolfspopulation und eine Obergrenze von etwa 1.000 Tieren aus - bezogen auf die deutsch-polnische Population. Auch die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag will den Schutzstatus von Wölfen senken. Damit wäre eine Jagd bei Überschreitung bestimmter Bestandsgrenzen erlaubt. Der Vorsitzende der Bundes-Grünen, Robert Habeck, warnt hingegen vor einer Bejagung. Ob es sich bei dem Vorfall in Steinfeld um einen Wolf handelte, ist allerdings noch unklar. Die Ergebnisse der DNA-Analyse würden erst gegen Mitte nächster Woche vorliegen, sagte eine Ministeriumssprecherin am Freitag.

Olaf Lies im Interview.

Wölfe: Wird das Jagdrecht geändert?

Hallo Niedersachsen -

Sollte der Friedhofsmitarbeiter tatsächlich von einem Wolf gebissen worden sein, wie wird dann der Artenschutz gegen den Schutz von Menschen abgewogen? Umweltminister Lies im Interview.

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Habeck: Deutschland ist wichtiger Lebensraum für Wölfe

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Robert Habeck, Vorsitzender der Grünen, warnt vor einer Bejagung. (Archivbild)

"Die Zahl der Wölfe ist noch weit davon entfernt, dass man in die Bestände eingreifen müsste", sagte Habeck der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitagausgabe). Wölfe, die sich an Menschen gewöhnen, seien ein Problem. Verhaltensauffällige Tiere könnten aber bereits nach heutigen Regeln in Einzelfällen erlegt werden. Deutschland sei ein wichtiger Lebensraum für den Wolf. "Würden wir alle Tiere, die Probleme bereiten, ausrotten wollen, dann hätten wir keine Biber, keine Fischotter und keine Kormorane mehr", sagte Habeck.

Wolf oder Hund? DNA-Analyse soll Aufschluss bringen

Während die Diskussion um die Bejagung läuft, wird im Senckenberg-Institut bei Frankfurt DNA-Material des mutmaßlichen Wolfs aus dem Landkreis Rotenburg ausgewertet. Die Proben sollen "bevorzugt behandelt werden", versicherte eine Sprecherin des Umweltministeriums auf Anfrage von NDR.de. In der Regel dauere eine DNA-Analyse zehn Werktage. "Wir hoffen, dass es gelingt, verwertbares Material aus den sichergestellten Gegenständen zu isolieren und dann auszuwerten."

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Friedhofsmitarbeiter von Wolf gebissen?

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Nach einem möglichen Angriff eines Wolfes auf einen Friedhofsmitarbeiter in Steinfeld soll eine DNA-Analyse Gewissheit bringen. Oder war es ein aggressiver Hund? Video (02:19 min)

Schnelles Eingreifen, sollte "Gefahr im Verzug" sein

Sollte ein Wolfsangriff genetisch nachgewiesen werden, so werde das Tier innerhalb kürzester Zeit unschädlich gemacht, hieß es aus dem Umweltministerium. Für diesen Fall habe das Ministerium auf Leitungsebene Kontakt mit dem Innenministerium aufgenommen, hieß es am Donnerstag. Die für eine Tötung des Wolfs nötige Ausnahmegenehmigung bei "Gefahr im Verzug" sei parallel zur DNA-Untersuchung in Vorbereitung. Umweltminister Lies kündigte am Donnerstag gegenüber dem NDR ein entschlossenes Handeln an, sollte sich der Verdacht auf einen Wolfsangriff bestätigen.

Identifizierung würde über eine Datenbank erfolgen

Das Senckenberg-Institut betreut eine landesweit einmalige DNA-Datenbank, in der sämtliche in Deutschland lebenden Wölfe registriert sind. "Selbst Jungtiere könnten über ihre Eltern genetisch identifiziert werden", sagte Justina Lethen vom niedersächsischen Umweltministerium. Das Ministerium kündigte an, unabhängig vom Ausgang des DNA-Tests das Wolfsmonitoring in der betreffenden Region zu intensivieren. "Alle Informationen über die Tiere sollen zusammentragen werden." So sollen Kameras installiert und sämtliche Sichtungen erfasst und in einer Rudelchronik zusammengetragen werden.

Es wäre die erste Attacke auf einen Menschen

Wenn die Labor-Untersuchungen einen Wolfsangriff bestätigen sollten, dann wäre das die erste Attacke eines Wolfes auf einen Menschen in Deutschland. Im Umweltministerium habe man am Mittwochnachmittag von dem Vorfall erfahren, hieß es. Umgehend seien zwei Mitarbeiterinnen vom Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zu dem Friedhof in Steinfeld gefahren und hatten dort Proben gesammelt, wie Bettina Dörr vom Wolfsbüro des NLWKN sagte.

Arbeiter: Vier Tiere vertrieben

Der Vorfall ereignete sich am Dienstag in Steinfeld in der Samtgemeinde Tarmstedt. Attackiert wurde der 55-Jährige nach eigenen Angaben während der Arbeit an einem Zaun. Laut Polizei gab der Mann an, dass er mit seiner Hand hinter sich gefasst habe. Dabei habe er bemerkt, dass diese festgehalten wurde. Als er sich umblickte, sah er den Wolf, der nach seiner Hand schnappte, wie die Polizei mitteilte. Zudem hätten drei weitere Wölfe die Szene beobachtet. Der Mann habe die vier Tiere vertreiben können.

Viele neugierige Jungtiere unterwegs

Laut Wolfsbüro-Sprecherin Dörr werden derzeit viele Sichtungen gemeldet. Außerdem seien im Moment viele Jungtiere unterwegs. Viele seien um den Monat Mai geboren worden und emanzipierten sich derzeit von ihren Eltern. "Sie sind nicht so vorsichtig und neugieriger als der Rest im Rudel", erklärte Dörr weiter. Durch das dicke Winterfell würden sie den älteren Tieren sehr ähnlich sehen. Durch Niedersachsen streifen derzeit um die 200 Wölfe.

Wolfsberater hat Zweifel

Wolfsberater Hermann Fehnker äußerte im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen Zweifel am Wolfsangriff. "Es wird davon gesprochen, dass diese Tiere teilweise schwarz und weiß gewesen sind - das ist natürlich sehr verdächtig", findet Fehnker. Er rät dringend dazu, Ruhe zu bewahren und die Ergebnisse der DNA-Tests abzuwarten.

Weitere Informationen

Lies: Bei 1.000 Wölfen sollte Schluss sein

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies fordert ein langsameres Anwachsen des Wolfsbestandes. Gezielte Tötung könnte eine Obergrenze von 1.000 Tieren sichern. (29.11.2018) mehr

Dossier: Wölfe in Niedersachsen

Lange waren sie hier ausgestorben, inzwischen sind sie zurück in Niedersachsen: die Wölfe. Viele Umweltschützer sind begeistert, Landwirte und Weidetierhalter besorgt. Ein Dossier über die Raubtiere. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.11.2018 | 08:00 Uhr

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