Junge Seehunde sind kurz vor der Fütterung in einem Becken in der Seehundstation Friedrichskoog zu sehen. © picture alliance/dpa/Christian Charisius Foto: Christian Charisius

Norddeich: Hohe Zahl an verwaisten Seehunden an der Nordsee

Stand: 14.07.2022 10:20 Uhr

In den vergangenen Wochen sind an der niedersächsischen Nordseeküste viele verwaiste Seehund-Jungtiere gefunden worden. Bis Anfang Juli kamen bereits 183 Heuler in die Norddeicher Seehundstation.

Damit ist Zahl der elternlosen Tiere so hoch wie lange nicht mehr. Die Geburtenphase der Tiere ist aktuell noch nicht beendet, sodass weitere Fundtiere erwartet werden. Grund für die hohe Zahl der Fundtiere seien Wassersportler, Sportbootfahrer und Wattwanderer, die die Ruhezonen und Sandbänke nicht beachteten, erklärte der Leiter der Norddeicher Seehundstation, Peter Lienau. Zudem gebe es einen stärkeren Tourismus im Wattenmeer.

Arbeitsreichste Zeit für Seehundretter

Für die ehrenamtlichen Seehundretter - auch Wattenjagdaufseher oder Seehundjäger genannt - steht nun die arbeitsreichste Zeit des Jahres an. Sie sind dafür verantwortlich, nach Fundmeldungen die Tiere in die Stationen zu bringen.

Zahl der Fundtiere zuletzt gesunken

Die Entwicklung der vergangenen Corona-Jahre, in denen der Tourismus teils wegen der Lockdowns eingeschränkt war, kehre sich um, sagte Lienau. In den vergangenen zwei Jahren war die Zahl der aufgenommenen Tiere deutlich auf 133 (2020) und 116 (2021) gesunken. Die meisten Gäste, die an die Nordsee kämen, seien für den Schutz der Seehunde sensibilisiert, sagte Lienau. "Aber bei vielen Besuchern an der Küste steigern sich auch die Ausnahmen."

171 Heuler in Seehundstation in Friedrichskoog

Die zweite norddeutsche Seehundstation in Friedrichskoog in Schleswig-Holstein meldete Mitte Juli eine Fundzahl von 171 Jungtieren. Diese Zahl ist bisher jedoch nicht ungewöhnlich. Die Tiere bleiben durchschnittlich zehn bis zwölf Wochen in der Station. Wenn sie genügend Gewicht zugelegt haben und stark und fit genug sind, werden sie wieder ausgewildert. Zu Beginn werden die Heuler mit einer speziellen Lachsemulsion gefüttert. Anschließend lernen sie in Schritten, selbständig Fisch zu fressen.

Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich einen Heuler finde?

Nach Angaben der Seehundstation Norddeich gelten die folgenden Verhaltensregeln:

Juni bis August

  • Abstand halten (mindestens 300 Meter)
  • Das Tier nicht anfassen
  • Den Fundort verlassen, damit die Mutter Kontakt zum Jungtier aufnehmen kann
  • Das Tier muss nicht bewacht werden
  • Im Notfall melden Sie den Fund der Seehundstation unter der Telefonnummer (04931) 97 33 30
  • Die Seehundstation prüft dann, ob es sich tatsächlich um einen Heuler handelt

September bis Mai

  • Abstand halten (mindestens 300 Meter)
  • Das Tier nicht anfassen
  • Den Fundort verlassen
  • Es handelt sich um selbstständige Tiere, die keine Mutter mehr brauchen, sondern nur Ruhe benötigen
  • Zu 99 Prozent sind die Tiere unter Kontrolle (die nicht dauerhafte Bewachung vor Ort bedeutet)
  • Melden Sie das Tier bei der Seehundstation nur, wenn es offensichtliche Verletzungen hat unter (04931) 97 33 30

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 14.07.2022 | 09:30 Uhr

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