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Niels Högel:
Die unfassbaren Morde eines Krankenpflegers

Es ist die bundesweit größte Mordserie der Nachkriegsgeschichte: Ab dem 30. Oktober muss sich der ehemalige Krankenpfleger Niels Högel vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Högel soll an den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst mit überdosierten Medikamenten weit mehr als 100 Patienten getötet haben. Der Fall ist nicht bloß die Geschichte eines psychisch gestörten Mörders, sondern auch die eines beispiellosen Versagens auf allen Ebenen. Trotz zahlreicher Verdachtsmomente wird in beiden Krankenhäusern lange Zeit über die Taten hinweggesehen. Und auch die Staatsanwaltschaft versagt auf ganzer Linie. Diese Multimedia-Doku zeichnet die wichtigsten Punkte des einzigartigen Kriminalfalls nach.

(Die Multimedia-Doku ist für Desktop-Nutzung und Vollbild-Modus optimiert.)

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Das Ausmaß der Taten

Das Ausmaß der Taten

Wie viele Menschen Niels Högel auf dem Gewissen hat, wird erst ein Jahrzehnt nach dem letzten Mord greifbar. Die im November 2014 gegründete Soko "Kardio" wertet in Oldenburg und Delmenhorst mehr als 500 Akten von Patienten aus, die während der Dienstzeiten von Högel zwischen 2000 und 2005 gestorben sind. In der Folge werden mehr als Hundert Verstorbene exhumiert. In 99 Fällen finden die Ermittler deutliche Beweise, dass Högel im Klinikum Oldenburg mindestens 35 und im Klinikum Delmenhorst mindestens 64 Menschen umgebracht hat. Wegen sechs weiterer Taten war Högel bereits verurteilt worden. Die tatsächliche Zahl der Morde liegt aber vermutlich noch deutlich höher, denn bei den feuerbestatteten Patienten ist kein Nachweis mehr möglich.

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Das Ausmaß der Taten

Die Exhumierungen

Es ist der schaurige Höhepunkt der Ermittlungen. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit und den Angehörigen lässt die Soko Kardio ab März 2015 auf insgesamt 67 Friedhöfen die Gräber von 134 verstorbenen Patienten öffnen. Die meisten betroffenen Toten waren im Nordwesten Niedersachsens begraben, es gibt aber auch mehrere Exhumierungen in der Türkei. Die Leichen werden auf Spuren von verdächtigen Medikamenten untersucht.

So erfahren Familienmitglieder und Freunde zum Teil erst Jahre später, dass ihre Angehörigen keines natürlichen Todes gestorben sind, sondern Opfer des Krankenpflegers Niels Högel wurden.

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Die Angehörigen

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Der Täter

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Der Täter

Der Täter:
Eine gestörte Persönlichkeit mit Geltungssucht

Högel wird von Ärzten an den Kliniken als fachlich äußerst kompetenter Krankenpfleger beschrieben. Der Mensch, der sich dahinter verbirgt, bleibt jedoch ein Mysterium. Auch der Lebenslauf liefert keine Anhaltspunkte für die massiven psychischen Störungen, die Gutachter später attestieren.

  • Geboren am 30. Dezember 1976 in Wilhelmshaven
  • Katholisches Elternhaus
  • Vater Krankenpfleger, Mutter Putzfrau
  • Eine ältere Schwester
  • Durchschnittlicher Schüler auf der Gesamtschule
  • Als Jugendlicher spielt Högel gerne Fußball
  • Ab 1994 Ausbildung zum Krankenpfleger
  • 2004 Hochzeit und Geburt einer Tochter

Högel geht es nicht in erster Linie darum, die Patienten umzubringen. Er will den Nervenkitzel von Reanimationen erleben. Außerdem will er vor Kollegen und Vorgesetzten mit seinen "handwerklichen Fähigkeiten" glänzen und sich als Retter inszenieren.

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Der Täter

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Das Versagen

Das Versagen:
Die Rolle der Kliniken

Im Nachhinein ist klar: Ein Großteil der Morde von Niels Högel hätte verhindert werden können. Bereits im August 2001 wird im Klinikum Oldenburg auf einer Mitarbeiterversammlung die auffällige Häufung von Reanimationen und Todesfällen thematisiert. Högel meldet sich danach drei Wochen lang krank, weil er denkt, man sei ihm auf die Schliche gekommen. Doch Konsequenzen bleiben aus. Als die Verdachtsmomente gegen Högel später zunehmen, wird dieser Ende 2002 mit einem ausgesprochen guten Zeugnis nach Delmenhorst weggelobt.

Von 2003 bis 2005 steigt im dortigen Klinikum während der Schichten von Högel die Zahl der Todesfälle deutlich. Auch der Verbrauch des Herzmittels Gilurytmal nimmt drastisch zu. Viele Kollegen haben ein komisches Gefühl, Högel bekommt den Spitznamen "Rettungs-Rambo". Doch wieder passiert nichts. Sogar als Högel im Juni 2005 schließlich auf frischer Tat ertappt wird, darf er zunächst noch weiterarbeiten - mit tödlichen Folgen.

Dabei hätte er schon am Klinikum Oldenburg gestoppt werden können.

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Das Versagen

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Das Versagen

Die Rolle der Staatsanwaltschaft:
Unfähigkeit oder Schlamperei?

Bereits 2005 - kurz nach dem Auffliegen von Högel - bekommt die Staatsanwaltschaft Oldenburg von der Polizei Statistiken über die ungewöhnlich vielen Todesfälle während der Dienstzeiten des Krankenpflegers auf den Tisch. Auch über den ungewöhnlich hohen Gilurytmal-Verbrauch wird sie informiert. Dennoch leitet die Behörde keine weiteren Ermittlungen ein.

Högel wird deshalb in einem ersten Prozess 2008 nur wegen versuchten Mordes in einem einzigen Fall zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Alle anderen Fälle bleiben unaufgeklärt, obwohl im Laufe des Verfahrens von starken Verdachtsmomenten in etlichen Fällen die Rede ist.

2014 erhebt die Staatsanwaltschaft Osnabrück gegen einen der ehemaligen Oldenburger Oberstaatsanwälte Anklage wegen Strafvereitelung im Amt und Rechtsbeugung. Das Landgericht Oldenburg, wo der betroffene Jurist mittlerweile arbeitet, lässt die Anklage mangels eines hinreichenden Tatverdachts jedoch nicht zu.

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Das Versagen

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Die Aufklärerin

Die Aufklärerin:
Kathrin Lohmann

Ohne sie wäre Högel heute wahrscheinlich schon wieder auf freiem Fuß. Ausschließlich der Hartnäckigkeit von Kathrin Lohmann ist es zu verdanken, dass die vielen mutmaßlichen Morde des Krankenpflegers doch noch ans Tageslicht kommen. Nachdem sie 2008 aus der Zeitung von Högels erster Verurteilung erfährt, kämpft sie mit aller Kraft um die Exhumierung der Leiche ihrer Mutter, die 2003 im Klinikum Delmenhorst gestorben war. Es ist der entscheidende Anstoß für die weiteren Ermittlungen und die folgenden Prozesse.

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Die Aufarbeitung

Die juristische Aufarbeitung

Kathrin Lohmanns Kampf wird belohnt: Am 26. Februar 2015 verurteilt das Landgericht Oldenburg Högel in einem zweiten Prozess wegen zweifachen Mordes, zweifachen Mordversuchs sowie gefährlicher Körperverletzung in einem Fall zu lebenslanger Haft. Wegen der Schwere der Taten darf er nicht nach 15 Jahren entlassen werden.

Im Laufe des Prozesses wird deutlich, dass der Ex-Krankenpfleger für deutlich mehr Taten verantwortlich sein dürfte. Drei Mithäftlinge sagen aus, Högel habe im Gefängnis damit geprahlt, dass er wohl der größte Serienmörder der Nachkriegsgeschichte sei. Bei 50 Morden habe er aufgehört zu zählen. Högel räumt schließlich rund 30 vollendete Taten und 60 Mordversuche ein.

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Die Aufarbeitung

Der Mammut-Prozess

Vom 30. Oktober 2018 an muss sich Niels Högel im größten Mordprozess der Nachkriegszeit für 100 weitere Taten verantworten. Weil zu dem Verfahren insgesamt 126 Nebenkläger zugelassen sind, hat das Landgericht den Prozess in die Oldenburger Weser-Ems-Halle verlegt. Ziel sei es, den Angehörigen Klarheit über das Schicksal der Opfer zu verschaffen, sagt der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann. Bis zu seiner Verurteilung habe Högel in den zu verhandelnden neuen Fällen jedoch als unschuldig zu gelten.

Als Nebenklägerinnen werden auch Johann Wehrenbergs Frau Gisela und seine beiden Töchter an dem Mammut-Prozess teilnehmen.

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Credits

Niels Högel

Eine Multimedia-Dokumentation über die Morde eines Krankenpflegers

 

 

Credits

Autor: Oliver Gressieker

Videos und Bildbearbeitung: Manuel Gehrke

Redaktion: Steffen Gurr

(mit Material von Panorama 3 und Hallo Niedersachsen)

 

Fotonachweise: Picture Alliance

 

Weitere Informationen

Der mordende Krankenpfleger - alles zum Prozess

Es ist einer der größten Mordprozesse der Nachkriegszeit: Ex-Krankenpfleger Niels Högel steht in Oldenburg wegen hundertfachen Mordes vor Gericht. Die wichtigsten Infos gibt es hier. mehr

 

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