Stand: 25.04.2019 17:59 Uhr

Gutachter attestiert Högel Persönlichkeitsstörungen

Im Mordprozess gegen Ex-Pfleger Niels Högel waren am Donnerstag unter anderem die Gutachter Henning Saß und Wolfgang Koppert (Mitte) geladen.

Im Prozess wegen hundertfachen Mordes gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel vor dem Landgericht Oldenburg soll voraussichtlich am 6. Juni das Urteil fallen. Diesen Zeitplan hat Richter Sebastian Bührmann am Donnerstag vorgestellt. Fortgesetzt wird die Verhandlung am 16. Mai mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Am Donnerstag stellte auch der Psychiatrie-Professor Henning Saß sein Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten vor. Seiner Ansicht nach liegen bei Högel auffällige Persönlichkeitsstörungen vor, die unter den juristischen Begriff der "schweren anderen seelischen Abartigkeit" fallen würden. Diese Störungen sprächen allerdings nicht dagegen, dass Högel schuldfähig sei, so Saß.

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Gutachter: Sicherungsverwahrung ist möglich

Der Gutachter betonte, dass für Högel seiner Meinung nach auch eine Sicherungsverwahrung durchaus in Betracht komme. Es sei nicht auszuschließen, dass auf Basis von Högels Persönlichkeit in Zukunft auch andere Delikte passieren könnten. Richter Bührmann wies darauf hin, dass nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) bei vor 2011 begangenen Taten Sicherungsverwahrung nur angeordnet werden könne, wenn sie unerlässlich erscheint. Die Möglichkeit sei aber natürlich Teil der Beratungen der Kammer.

Gutachter werden erneut vernommen

Außerdem wurde an diesem 20. Verhandlungstag die Beweisaufnahme mit einer erneuten Aussage von zwei Sachverständigen abgeschlossen. Der medizinische Gutachter der Staatsanwaltschaft, Wolfgang Koppert, und der forensische Toxikologe Jörg Teske sollten einschätzen, ob Högel auch mit dem Betäubungsmittel Lidocain Patienten zu Tode gespritzt hat. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass das in vielen Fällen wahrscheinlich ist, aber nicht hundertprozentig nachgewiesen werden kann.

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Hohe Konzentration lässt auf Spritze schließen

Laut Koppert war das Mittel bei bis zu 40 Patienten in einer Konzentration nachgewiesen worden, die auf eine Verabreichung per Spritze schließen lasse. Dies sei als Todesursache möglich bis sehr wahrscheinlich. Die Gutachter waren sich in dieser Einschätzung einig. Das Problem dabei: Wie kam das Mittel in den Körper? Denn Lidocain kann auch in Form von Gel oder Spray als Betäubungsmittel verabreicht werden, zum Beispiel wenn eine Magensonde gelegt wird.

Högel bereits wegen sechs Taten verurteilt

Es war die zweite Befragung der beiden Experten von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Lidocain ist nach Angaben des Gerichts eines von fünf Medikamenten, das der wegen hundertfachen Mordes angeklagte ehemalige Intensivpfleger Högel verwendet haben könnte. Wegen sechs früherer Taten ist er bereits zu lebenslanger Haft verurteilt.

Voraussichtlich noch vier Verhandlungstage

Nach dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft am 16. Mai sollen am darauffolgenden Tag die Vertreter der Nebenkläger Stellung zum Prozessverlauf beziehen. Läuft alles nach Plan, hält am 5. Juni die Verteidigung ihr Plädoyer, ehe das Gericht einen Tag später das Urteil fällt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 25.04.2019 | 17:00 Uhr

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