Stand: 18.01.2019 21:49 Uhr

"Gorch Fock": Untreue-Vorwürfe gegen Werft-Vorstand

von Christoph Prössl, ARD-Hauptstadtstudio
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Die Nachrichten um die "Gorch Fock" reißen nicht ab. Nun steht ein Vorstand der Elsflether Werft im Fokus.

Die "Gorch Fock" liegt im Trockendock in Bremerhaven. Mit der Reparatur ist die Elsflether Werft AG beauftragt, Volumen 135 Millionen Euro. Doch die Bundeswehr hat die Zahlungen gestoppt. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt gegen einen Mitarbeiter der Marine und weitere Personen wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit. Außerdem verfassten Mitarbeiter des Bundesrechnungshofes eine Prüfungsmitteilung, die Versäumnisse von Marine und Ministerium auflistet. Jetzt belasten zusätzlich Streitigkeiten um den Werft-Vorstand die Reparaturarbeiten. Das belegen Unterlagen, die dem NDR und dem ARD-Hauptstadtstudio exklusiv vorliegen. Die neuen Vorwürfe könnten das Aus für das Segelschulschiff einleiten.

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"Gorch Fock"-Sanierung: Ministerium unter Druck

Mittlerweile sind die Sanierungskosten der "Gorch Fock" auf 135 Millionen Euro angestiegen. Der Bundesrechnungshof wirft Marine und Verteidigungsministerium Missmanagement vor. Video (03:35 min)

Vorstand soll Geld über Firmennetz abgezogen haben

Die Elsflether Werft im Landkreis Wesermarsch ist eine Aktiengesellschaft, die Anteile gehören einer Hamburger Stiftung. Die Stiftung hatte die Eigentümerin Brigitte Rohden einrichten lassen, sie starb im Januar 2018. Die Generalhandlungsvollmacht erhielt ein Hamburger Anwalt, der auch einer von zwei Vorständen der Werft AG ist. Gegen ihn richten sich nun die Vorwürfe. Die Kinder von Brigitte Rohden haben eine Rechtsanwaltskanzlei beauftragt, um den Bevollmächtigten der Stiftung abzuberufen. Die Töchter werfen ihm Untreue vor. Er soll über ein Firmengeflecht Geld abgezogen haben, lautet der Vorwurf. Ein Aktenvermerk führt zahlreiche Beispiele auf. In dem Schreiben, das dem NDR vorliegt, heißt es: "Angesichts der aktuellen Entwicklungen ist eine Aushöhlung dieser Vermögenswerte nicht mehr nur durch etwaige Untreuetaten des Alleinvorstandes Herrn R., sondern insbesondere durch einen kurzfristigen Verlust von Aufträgen der Bundesmarine zu befürchten."

Werft könnte Auftrag für "Gorch Fock" verlieren

Will heißen: Das Verteidigungsministerium könnte die Reparatur der "Gorch Fock" wegen der Ermittlungen und fehlendem Vertrauen endgültig stoppen. Für die Werft wäre das existenzgefährdend. "Das sind schwerwiegende Vorwürfe", sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller, die auch Mitglied im Verteidigungsausschuss ist. "Aus unserer Sicht hieße das, dass die Geschäftsführung sich erklären muss" und die Vorwürfe gegebenenfalls straf- und zivilrechtlich geahndet werden müssten, so Möller. Die SPD will, dass die "Gorch Fock" in Bremerhaven fertig gebaut wird, zur Not auch unter einer neuen Geschäftsführung.

"Gorch Fock": Traditionsschiff in der Werft

Betroffener wirft enterbten Töchtern "Schlammschlacht" vor

Der betroffene Vorstand und Vorsitzende der Stiftung wehrt sich: Die Vorwürfe seien haltlos und entbehrten jeder Grundlage. Die Töchter der Eigentümerin seien "aus verständlichen Gründen" enterbt worden. Deswegen sei nun eine Schlammschlacht initiiert worden. Der Stiftung sei kein Schaden entstanden. Das Prüfverfahren, ob R. Stiftungsvorstand bleiben darf, dauert an.

Werft soll Grundstücke für 23.500 Euro monatlich gemietet haben

In den Papieren, die dem NDR vorliegen, tragen die Anwälte der beiden Töchter Fälle zusammen, wie Geld aus der Elsflether Werft AG abgezogen worden sein soll. Mitarbeiter einer GmbH kauften demnach im nahe gelegenen Brake Grundstücke für 1,4 Millionen Euro und vermieteten diese für viel Geld an die Elsflether Werft. Die Kanzlei gibt an, einen unterzeichneten Mietvertrag für eines der Grundstücke vorliegen zu haben - Mietzins pro Monat demnach 23.500 Euro. Die Gesellschaft, die die Miete einnimmt, gehört über ein Geflecht - so geht aus den Unterlagen hervor - dem betroffenen Vorstand R.

Weitere Informationen

"Gorch Fock" Thema im Verteidigungsausschuss

Der Verteidigungsausschuss hat sich am Mittwoch mit der "Gorch Fock" beschäftigt. Wegen der extrem gestiegenen Sanierungskosten und Korruptionsvorwürfen ist die Zukunft des Schiffs ungewiss. (16.01.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.01.2019 | 18:00 Uhr

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