Stand: 01.10.2019 15:56 Uhr

Gefährdet? Polizei schützt "Norwegian Encore"

Auf den ersten Blick ist die Ems-Überführung der "Norwegian Encore" relativ unspektakulär verlaufen: Das Kreuzfahrtschiff passierte am Dienstagnachmittag das Emssperrwerk in Gandersum und lag somit voll im angekündigten Zeitplan. Auf dem Weg dorthin habe alles reibungslos geklappt, sagte ein Sprecher der Papenburger Meyer Werft. Eine Besonderheit gab es bei der Überführung allerdings doch: Das Schiff wurde erstmals von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. Wie ein Sprecher der Polizeiinspektion Leer gegenüber NDR.de bestätigte, waren deutlich mehr Beamte im Einsatz als bei früheren Überführungen. Eine genaue Zahl nannte er aus ermittlungstaktischen Gründen aber nicht.

Kreuzfahrtschiff "Norwegian Encore", fährt in den Hafen ein.

Erstmals Polizeischutz bei Schiffsüberführung

Hallo Niedersachsen -

Die Überführung eines neuen Kreuzfahrtschiffes aus Papenburg wurde erstmals von einem Großaufgebot der Polizei begleitet. Doch die befürchteten Proteste von Klimaschützern blieben aus.

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Polizei im Wasser, in der Luft und an Land

Die Polizisten sollten mögliche Proteste von Klimaschützern verhindern. In der vergangenen Woche hatten Aktivisten im finnischen Helsinki zwei Kreuzfahrtschiffe beim Auslaufen behindert, im Juni hatten Demonstranten in Kiel ein Schiff blockiert. Aufgrund dieser Ereignisse und der aktuellen klimapolitischen Diskussion habe man sich entschlossen, die Zahl der Einsatzkräfte deutlich aufzustocken, so der Polizeisprecher. Zur Frage, ob konkrete Erkenntnisse für eine Bedrohung vorgelegen hätten, wollte er sich nicht äußern. Ein Sprecher der Meyer Werft dagegen sagte NDR 1 Niedersachsen, es hätte keine Hinweise gegeben, dass auch an der Ems Proteste geplant gewesen seien. Aber man habe auf Nummer sicher gehen wollen. Die Beamten standen entlang der Ems an neuralgischen Punkten wie Brücken, Schleusen und engen Kurven. Außerdem begleiteten ein Hubschrauber und zwei Boote der Wasserschutzpolizei den Kreuzfahrtriesen. "Unser Ziel ist ein störungsfreier Ablauf der Überführung", betonte der Polizeisprecher. Erst als das Schiff mit dem Hochwasser das Emssperrwerk passiert hat, zogen sich die Beamten zurück.

Testlauf für weitere Polizeieinsätze

Ein Einzelfall wird die erhöhte Polizeipräsenz offenbar nicht bleiben. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, werten sowohl die Werft als auch die Polizei den Einsatz als Testlauf für künftige Überführungen. Die Klimadebatte werde das wohl nötig machen, heißt es von der Werft. Bis Ende 2023 baut Meyer in Papenburg insgesamt neun Kreuzfahrtschiffe. Obwohl acht davon mit Flüssigerdgas betrieben werden, sehen die Verantwortlichen eine Gefahr durch protestierende Klimaschützer. Hajo Rutenberg von der Bürgerinitiative "Rettet die Ems", die diesmal nicht vor Ort demonstriert hat, kann das nicht nachvollziehen. Er sei über das große Polizeiaufgebot sehr erstaunt gewesen, sagte er. "Da freut sich der Steuerzahler, denn der darf es zahlen."

Keine Kostenbeteiligung der Meyer Werft

Der Polizeisprecher bestätigte, dass sich die Meyer Werft an den Kosten für den Einsatz nicht beteiligen muss. "Die Beamten sind im Rahmen der ihnen per Gesetz zugewiesenen Aufgaben tätig geworden", sagte er. "Die Polizei hat per Gesetz Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung abzuwehren und Straftaten zu verhüten."

Rückwärts über die Ems

Am Montagabend  hatte im Werfthafen in Papenburg die Reise der "Norwegian Encore" in Richtung Nordsee begonnen. Gegen 22 Uhr passierte das Schiff die Dockschleuse. Aufgrund des durchwachsenen Wetters und der späten Abfahrtszeit wurde das Manöver von deutlich weniger Schaulustigen verfolgt als sonst. Verantwortlich für die Überführung ist erneut die Lotsenbrüderschaft Emden. Nach Angaben der Meyer Werft hat sich das Team in einem computergesteuerten Simulator in Wageningen (Niederlande) auf das Manöver vorbereitet. Aufgrund der besseren Manövrierfähigkeit legt die "Norwegian Encore" die Fahrt in Richtung Nordsee rückwärts zurück. Bei planmäßigem Verlauf soll das Schiff am Mittwochmorgen im niederländischen Eemshaven ankommen, wo es weiter ausgerüstet wird. Später wird die "Encore" noch einige Testfahrten auf der Nordsee absolvieren, ehe sie Ende Oktober in Bremerhaven an die Reederei Norwegian Cruise Line (NCL) abgeliefert wird.

Schiff fährt mit herkömmlichen Brennstoffen

Das Schiff ist gut 330 Meter lang, 41 Meter breit und bietet Platz für mehr als 4.000 Passagiere. Im Gegensatz zur im vergangenen Herbst fertiggestellten "AIDAnova" kann die "Encore" nicht mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben werden, sondern nur mit herkömmlichen Brennstoffen wie Marinediesel und Schweröl. Allerdings ist sie nach Angaben der Werft mit Abgasreinigungsanlagen und umweltfreundlicheren Motoren zur Stromerzeugung ausgestattet. Außerdem werde mit LED-Beleuchtung und Wärmerückgewinnung viel Wert auf Energieeffizienz gelegt, heißt es. Wie Sönke Diesener vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) auf Nachfrage von NDR.de mitteilte, hält das Schiff "lediglich gesetzliche Standards ein". Der Einsatz von Schweröl sei ab 2020 weltweit verboten. Die meisten Schiffe stellten den Betrieb auf vergleichsweise sauberen Marinediesel um, so Diesener. Dass Kreuzfahrtunternehmen ihre Schiffe immer noch mit "giftigem und gefährlichem, aber billigem Schweröl" antreiben, zeige, "dass Profit leider vor Umwelt und Gesundheit geht."

Erste Kreuzfahrt ab dem 2. November

Die "Encore" ist das 14. Schiff, das die Meyer Werft für die Reederei Norwegian Cruise Line gebaut hat. Die erste Fahrt mit Passagieren an Bord soll am 2. November starten, wenn es vom britischen Southampton nach New York City geht. Ende 2019 bricht das Schiff dann von Miami aus zur ersten Karibik-Kreuzfahrt auf.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 01.10.2019 | 09:30 Uhr

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