Stand: 04.09.2018 16:04 Uhr

Englische Siedlung: Kritik der Anwohner bleibt

Folgen den Versprechen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) auch Taten? In der sogenannten Englischen Siedlung in Oldenburg haben Gutachter im April in Holzlacken auf zunächst neun Dachböden das krebserregende Insektengift Lindan entdeckt. Später wurden in zwei weiteren Siedlungen mögliche Schadstoffe festgestellt. Die Häuser gehören der BImA. Die kündigte am Montagabend bei einem Treffen weitgehende Untersuchungen an: Auf Dachböden und in Obergeschossen von 300 Wohnhäusern in drei Oldenburger Siedlungen sollen Proben genommen werden - vor allem vom Staub. Das werde deutlich vor Weihnachten geschehen, hieß es bei dem Termin mit rund 230 Teilnehmern in der Oldenburger Weser-Ems-Halle.

Dachetage eines Hauses.

Insektengift: BImA will Dachböden untersuchen

Hallo Niedersachsen -

Nach dem Fund des Insektengiftes Dichlornaphthalin auf Dachböden in einer Oldenburger Siedlung kündigte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben nun umfassende Untersuchungen an.

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BImA entschuldigt sich

Die Räume unter den Dachstühlen sollen ebenfalls untersucht werden, teilte die BImA mit. Wenn es Auffälligkeiten geben sollte, werde auch die Luft analysiert. Eventuell könnten gar kontaminierte Gegenstände von den Dachstühlen ersetzt und ärztliche Behandlungen bezahlt werden. Außerdem entschuldigte sich die BImA für die schlechte Kommunikationspolitik.

Anwohner haben Vertrauen verloren

Auch wenn das zunächst einmal nach einem Bemühen seitens der BImA klingt, die betroffenen Menschen in der Siedlung - ob Mieter oder Handwerker - kritisieren das Vorgehen der Bundesanstalt heftig: "Wir haben da monatelang im Ungewissen gearbeitet, mit der Nase im Staub, mit der Hand am Holz", sagte Dachdeckermeister André Mahnke. Doch damit nicht genug: Christian Göken konnte mit der Antwort der Experten, Lindan sei nur maximal 17 Tage im Blut nachweisbar, überhaupt nichts anfangen. Seine Frau sei schwer krank und keiner wisse, was es sei. Die Symptome würden zu einer Lindan-Vergiftung passen.

Situation seit April bekannt

Der BImA ist nach NDR Informationen seit April die Situation bekannt, doch die etwa 100 Mieter in der Englischen Siedlung waren nicht offiziell informiert worden. Die Bundesanstalt räumte im August zwar ein, dass das Gift stichprobenartig in Holzbalken gefunden worden sei. Sie beharrte aber darauf, dass die Raumluft nicht belastet sei. Deshalb habe man die Mieter nicht informiert, um sie nicht zu beunruhigen, hieß es damals.

Rohde: "Hoffe, dass Taten folgen"

Die Mieter hatten sich nach dem Bekanntwerden der Schadstoffbelastungen entsetzt gezeigt und eine Interessensgemeinschaft gegründet. "Wir fordern, dass die BImA das Problem beseitigt und uns über die Gesundheitsschäden aufklärt, die uns erwarten könnten", sagte Dirk Jahn von der Interessengemeinschaft im Vorfeld der Veranstaltung. Bei dem Treffen erneuerten Teilnehmer ihre Kritik an der BImA. Schon in der Vergangenheit seien Mängel nicht beseitigt worden. Der Oldenburger Bundestagsabgeordnete Dennis Rohde (SPD) lobte das Engagement der Bewohner. Sie hätten viel Druck ausgeübt. "Die BImA hat eingesehen, dass sie Fehler gemacht hat. Ich hoffe, dass jetzt den Worten zeitnah Taten folgen", so Rohde.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 04.09.2018 | 06:30 Uhr

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