Stand: 05.09.2018 11:49 Uhr

Bund sagt mehr Personal für Havariekommando zu

Der havarierte Frachter "Glory Amsterdam", begleitet vom Schlepper "Nordic", dessen Einsatz vom Havariekommando in Cuxhaven koordiniert wurde.

Zehn Monate nach der Havarie des Schüttgutfrachters "Glory Amsterdam" in der Deutschen Bucht soll das Havariekommando mehr Personal bekommen. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der FDP hervor. Mehr Details nannte das Ministerium nicht. Die Bundesregierung will zunächst den Bericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen (BSU) abwarten, bevor über konkrete Maßnahmen entschieden wird. Der Abschlussbericht zum Unfallhergang soll voraussichtlich fristgerecht bis Ende Oktober vorliegen, hieß es bei der BSU.

Rettung erst nach Tagen

Am 29. Oktober 2017 hatte sich die "Glory Amsterdam" während eines Sturms von ihrem Ankerplatz vor Helgoland losgerissen und war rund zwölf Stunden über das Meer getrieben. Mehrere Abschleppversuche scheiterten. Ein Gutachten ergab später, dass die Wurfleine zwischen Schlepper und Frachter durchschnitten war. Zwei Kilometer vor Langeoog schließlich strandete das Schiff auf einer Sandbank. Geladen hatte der Frachter zwar nichts, hatte aber fast 2.000 Tonnen Treibstoff, überwiegend Schweröl, an Bord. Vor allem auf den Ostfriesischen Inseln gab es tagelang die Sorge vor einer Ölpest. Der Frachter konnte erst Tage später nach Wilhelmshaven geschleppt werden.

Sabotage der Rettung?

In der Folge gab es viel Kritik am Umgang der Behörden mit der Havarie. SPekuliert wurde, ob die Besatzung die Rettungsbemühungen sabotiert haben könnte. Denn: Eine Rettung ist für eine Reederei wesentlich teurer, als wenn das Schiff strandet. Strafrechtliche Ermittlungen konnten jedoch keine relevanten Verfehlungen nachweisen, das Verfahren gegen den Kapitän des Frachters wurde eingestellt.

Klüse nicht für Seil ausgelegt?

Eine andere Möglichkeit: Das Seil scheuerte am scharfkantigen Stahl einer gebrochenen Klüse, einer Öffnung in der Bordwand. Die war möglicherweise gar nicht für das Abschleppseil ausgelegt, wurde aber vom Havariekommando genutzt. Der Abschlussbericht könnte nun Aufklärung bringen. "Es geht letztlich darum, solche Unfälle auszuschließen oder zumindest das Risiko zu minimieren", sagt auch BSU-Direktor Ulf Kaspera. Die BSU ist eine Bundesbehörde, bei den Untersuchungen aber weisungsfrei.

Das Havariekommando (HK) zählt derzeit etwa 40 Mitarbeiter, stellte bereits im Januar einen Elf-Punkte-Plan mit Verbesserungsvorschlägen vor. Das HK forderte unter anderem erneut, dass auch Containerschiffe mit einem Festpunkt - also einem besonders starken Poller an Bord - oder einem Notschleppgeschirr ausgestattet sind, wie das bereits bei Tankern der Fall sei.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 05.09.2018 | 08:30 Uhr

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