Stand: 16.09.2019 06:43 Uhr

Begeisterung nach Testphase mit Wasserstoff-Zügen

Braucht nur Wasserstoff: Der Brennstoffzellenzug "Coradia iLint". Zwei der Züge verkehren seit einem Jahr zwischen Bremervörde, Cuxhaven und Bremen.

Sie sind die weltweit ersten ihrer Art: Die beiden mit Wasserstoff betrieben Züge, die seit genau einem Jahr im Regionalverkehr zwischen Bremervörde, Cuxhaven und Bremerhaven verkehren. Seit Beginn der Testphase ruhen auf ihnen große Hoffnungen, denn die emissionsfreien Fahrzeuge sollen künftig die auf nicht elektrifizierten Bahnstrecken eingesetzten Dieselzüge ersetzen. Und tatsächlich fällt die Bilanz der Brennstoffzellenzüge nach einem Jahr Pilotprojekt offenbar durch die Bank überzeugend aus.

Wasserstoff-Züge extrem zuverlässig

"Die Züge sind super gelaufen", sagt die Sprecherin der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (evb), Andrea Stein: "Wir haben eine sehr hohe Verfügbarkeit und das, obwohl es sich erst um Vorserien-Modelle handelt". Konkret heißt das: Die beiden Prototypen mit der Bezeichnung "Coradia iLint", die von der Firma Alstom in Salzgitter gebaut wurden, liefen in 95 Prozent der Fälle zuverlässig. Dabei haben die Züge in dem Jahr jeweils mehr als 130.000 Kilometer zurückgelegt. "Eine sehr positive Bilanz", wie auch Dirk Altwig von der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) betont. Die LVNG ist unter anderem für die Planung des Eisenbahnverkehrs in Niedersachsen verantwortlich.

Wenn die Welt in Bremervörde anklopft

Doch wie funktionieren die neuartigen Züge eigentlich? Die Brennstoffzellen in den Zügen wandeln Wasserstoff und Sauerstoff in Wasser um, wobei Strom entsteht. Dieser lädt die Lithium-Ionen-Akkus an Bord auf und treibt so den Elektromotor an. Emissionsfrei sind die Züge deshalb, weil sie nur Wasserdampf und Kondenswasser an die Umwelt abgeben. Eine Technik, die es bei Eisenbahnen bislang nirgends auf der Welt gibt. Auch Hersteller Alstom preist den Nutzen seiner Wasserstoffzüge für die Energiewende an: Sie seien damit auch ein Vorbild für andere Länder, wie Geschäftsführer Jörg Nikutta betont. Und tatsächlich waren bereits Delegationen, unter anderem aus Kanada, Russland oder Südamerika in Bremervörde, um sich vor Ort über die Technologie zu informieren.

"Wie ein Surren"

Völlig CO2-neutral sind die "Coradia iLint", die aktuell zwecks genauer Datenauswertung nicht fahren, trotzdem nicht: Emissionen entstehen durchaus bei der energieaufwendigen Herstellung von Wasserstoff. Immerhin: Obwohl die 54 Meter langen Züge 13 Meter länger sind als die bisher eingesetzten Dieselloks, sind sie deutlich geräuschärmer. "Das ist eher wie ein Surren bei einer S-Bahn", sagt evb-Sprecherin Andrea Stein. Eine Tankfüllung Wasserstoff reicht etwa für 800 bis 1.000 Kilometer. Diese bekommen sie derzeit noch an einer provisorischen Einrichtung in Bremervörde.

Dieseltriebzüge sollen verschwinden

Doch die Pläne des Landes gehen längst weiter: So sollen nach LVNG-Angaben die aktuell 15 Dieseltriebwagen der evb ab Dezember 2022 durch iLint-Züge zu ersetzen. Und auch aus Hessen gibt es bereits Bestellungen für 27 Fahrzeuge, zudem steht Hersteller Alstom nach eigenen Angaben in Verhandlungen mit weiteren Bundesländern. In Bremervörde soll rechtzeitig vor dem Einsatz eine feste Wasserstofftankstelle stehen - sie wäre ebenfalls weltweit die erste ihrer Art. Geht es nach der LNVG, sollen die Wasserstoffzüge irgendwann landesweit ihre dieselbetrieben Pendants auf nicht elektrifizierten Strecken ablösen. Derzeit sind in Niedersachsen insgesamt 126 Dieseltriebzüge auf solchen Trassen unterwegs.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.09.2019 | 08:00 Uhr

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