Stand: 27.01.2020 14:19 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Ammerland: Protest gegen Edeka reicht bis Berlin

Rund 200 Landwirte haben in der Nacht zu Montag mit ihren Traktoren alle Zufahrten zum Zentrallager von Edeka in Wiefelstede (Landkreis Ammerland) blockiert. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, protestierten die Landwirte mit der Aktion gegen eine Niedrigpreis-Kampagne des Lebensmittelhändlers. Bis 4 Uhr früh konnte kein Lastwagen vom beziehungsweise auf das Gelände fahren, sagte ein Polizeisprecher. Anlass für den Ärger der Bauern ist ein Werbeplakat, auf dem Komiker Otto Waalkes zum 100-jährigen Firmenbestehen mit dem Spruch "Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten" wirbt. Mit ihrer Spontan-Demonstration wollten sich die Bauern gegen das "Verramschen" von Lebensmitteln wehren, wie es heißt.

Edeka spricht von Missverständnis

Edeka hat inzwischen reagiert. "Es war nie unsere Absicht, mit unserer Kampagne Landwirte und Erzeuger zu verärgern. Bei dem Plakat handelt es sich um ein Missverständnis", heißt es in einer Mitteilung. Es sei die Stadt Essen in Landkreis Cloppenburg gemeint "und nicht Essen im Sinne von Lebensmitteln". Ziel der Marketingkampagne sei es, Ortschaften individuell anzusprechen. Zudem gingen die angekündigten Preisreduzierungen nicht zu Lasten der Landwirte, sondern würden vom Großhandel getragen, hieß es seitens des Unternehmens. Die Plakate wurden demnach "nach den ersten Hinweisen umgehend entfernt". Eine Managerin von Otto Waalkes sagte, dem Komiker sei nicht bewusst gewesen, wie heiß das Thema bei den Bauern sei, sonst hätte er auf die Kampagne verzichtet.

Trecker blockieren Edeka-Zentrallager

Hallo Niedersachsen -

Rund 200 Landwirte haben mit Traktoren das Zentrallager von Edeka im Ammerland blockiert. Sie protestieren gegen das Verramschen von Lebensmitteln. Auslöser war eine Werbekampagne.

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Klöckner macht Tiefpreispolitik zum Thema im Kanzleramt

Der Protest im Ammerland bekommt sogar Unterstützung aus Berlin. Die Billigangebote sind in der kommenden Woche Thema eines Spitzentreffens im Kanzleramt. "Es ist wie David gegen Goliath, wenn Bauern mit dem Handel verhandeln", teilte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mit. Der Handel beklage zwar, dass Verbraucher nicht mehr bezahlen wollten, setze aber selbst immer mehr Tiefstpreise. Am Ende bade das der Erzeuger aus, dem immer weniger bleibe. "Das ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit."

"Wertschätzung erzeugt man damit nicht"

Der Deutsche Bauernverband kritisierte die Werbekampagne von Edeka scharf. "Wir haben kein Verständnis dafür, dass Edeka zu seinem Jubiläum nichts anderes als 'der niedrigste Preis' einfällt", sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied am Montag in Berlin. "Hier sollen hochwertige Lebensmittel verramscht werden. Wertschätzung von Essen und Lebensmitteln erzeugt man damit nicht." Die Werbung stehe in krassem Widerspruch zu der Aussage, dass Lebensmittel eine höhere Wertschätzung verdient haben, sagte eine Sprecherin des Landvolks Niedersachsen. Die Kampagne passe "in keiner Weise zu der Aussage 'Wir lieben Lebensmittel'", mit der Edeka wirbt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.01.2020 | 08:00 Uhr

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