Stand: 18.02.2020 09:01 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Rechte Terrorzelle: Sprengstoffe bei Tony E.?

von Angelika Henkel und Stefan Schölermann
Bild vergrößern
Im Haus des Terrorverdächtigen Tony E. im Wriedeler Ortsteil Brockhöfe (Landkreis Uelzen) haben Ermittler offenbar Material zur Herstellung von Sprengstoffen gefunden.

Bis Freitag war Tony E. aus Wriedel bei den Behörden im Landkreis Uelzen und der Region ein unbeschriebenes Blatt: Weder lokale Polizei noch Verfassungsschutz in Niedersachsen hatten den 39-Jährigen als Extremisten oder möglichen Gewalttäter auf dem Schirm, wie der NDR aus Sicherheitskreisen erfuhr. Seit der Hausdurchsuchung am Freitagmorgen im Ortsteil Brockhöfe aber wissen die Behörden, dass der Mann nicht nur rechtsextrem denkt, sondern wohl auch gefährliche Pläne hatte. Denn gefunden wurden nach NDR Informationen nicht nur diverse Handys - offenbar zur Vorbereitung konspirativer Treffen und Aktionen - sondern auch eine nicht unerhebliche Menge eines Stoffes, der zur Herstellung von Sprengstoffen verwendet werden kann.

Razzia gegen rechtsterroristische Gruppe

Hallo Niedersachsen -

Bei einer Razzia gegen eine rechtsterroristische Gruppe am Freitag ist auch ein Mann aus dem kleinen Brockhöfe festgenommen worden. Die Gruppe steht im Verdacht Anschläge zu planen.

2,2 bei 10 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Bereit, für "die Sache" zu sterben

Tony E. - so hat es die ARD erfahren - soll zu den vier Kernmitgliedern einer 13 Köpfe zählenden rechtsextremistischen Gruppierung gezählt haben. Zwölf von ihnen sitzen seit dem Wochenende in Untersuchungshaft, einer ist auf freiem Fuß. Tony E. soll Treffen organisiert und sich den anderen Gesinnungsgenossen als "rechte Hand" des Drahtziehers der Gruppierung ausgegeben haben. Bei der Auswahl ihrer Mitstreiter sei die Gruppierung ausgesprochen wählerisch gewesen, erfuhr der NDR aus Sicherheitskreisen. Dickleibige oder unsportliche Männer hätten keine Chance auf Mitgliedschaft gehabt. Schließlich, so der Vorwurf der Bundesanwaltschaft, sei es der Truppe um die Vorbereitung so genannter "bewaffneter Kommandounternehmen" gegangen. Elitäre Kleingruppen hätten Anschläge auf Moscheen oder missliebige Politiker verüben sollen. Tony E. soll gesagt haben, er sei bereit, für "die Sache" zu sterben.

Links
Link

Spitzel in mutmaßlicher Terrorzelle

Bei den Razzien gegen eine mutmaßliche rechtsextreme Terrorzelle ist ein Verdächtiger auf freiem Fuß. Nach Recherchen von SWR und ARD handelte es sich um einen Informanten der Polizei. extern

Radikale Gesinnung blieb nicht verborgen

Vor Ort in Wriedel war die Überraschung groß, als am Freitagmorgen um 6 Uhr die Polizei mit einem Großaufgebot in der Bahnhofstraße anrückte. Niemandem seien rechtsextreme Aktivitäten aufgefallen, berichtet das Lüneburger Bündnis gegen Rechts, das die Szene in der Region beobachtet und das von der Hausdurchsuchung erfahren hatte. Nachbarn hätten allerdings berichtet, dass Tony E. gelegentlich auf dem Grundstück seines Einfamilienhauses mit T-Shirts herumgelaufen sei, die manchen nachdenklich gestimmte hätten. So habe er unter anderem ein Hemd mit dem Schriftzug "Heimatschutz Niedersachsen" getragen - offenbar eine Analogie zum "Heimatschutz Thüringen", der rechtsextremen Keimzelle des NSU. Was Tony E. all den Vorwürfen entgegnet, ist bisher nicht bekannt.


17.02.2020 22:04 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags haben wir geschrieben, dass es sich im ersten Absatz bei dem Stoff zur Herstellung von Sprengstoffen um Wasserstoffhydroxid handelt. Das ist falsch. Wir bitten darum, diesen Fehler zu entschuldigen.

 

Weitere Informationen
Link

Terrorpläne am Grillfeuer

Nach den Razzien gegen eine mutmaßlich rechte Terrorzelle stoßen die Ermittler auf immer neue Details der "Gruppe S." Mehr bei tagesschau.de. extern

Rechte Terrorzelle: Alle Verdächtigen in U-Haft

16.02.2020 15:00 Uhr

Zwölf Verdächtige einer mutmaßlichen rechten Terrorzelle sitzen seit Sonnabend in U-Haft - darunter Tony E. aus dem Landkreis Uelzen. Der 39-Jährige soll Mitglied der Gruppe gewesen sein. mehr

Pistorius: 2.000 Menschen auf rechten Drohlisten

25.10.2019 15:00 Uhr

Im Niedersächsischen Landtag hat Innenminister Pistorius erklärt, dass rund 2.000 Niedersachsen auf rechten Drohlisten stehen. Er kündigte einen verstärkten Kampf gegen rechts an. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.02.2020 | 14:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:29
Hallo Niedersachsen
01:30
Hallo Niedersachsen
02:18
Hallo Niedersachsen