Stand: 01.02.2019 18:38 Uhr

Problemwolf: Streit über die Abschuss-Freigabe

Die Entscheidung des niedersächsischen Umweltministeriums, einen Wolf im Landkreis Nienburg zum Abschuss freizugeben, hat eine Kontroverse ausgelöst. Naturschützer haben die Rechtmäßigkeit der Sondergenehmigung durch die Behörde von Minister Olaf Lies (SPD) bezweifelt. Für den NABU-Landesverband sind viele Fragen im Hinblick auf die Entscheidungsgrundlagen nicht geklärt. Zudem sei eine Identifizierung durch den Jäger nicht gewährleistet. "Äußerlich sind die Tiere aus der Entfernung nicht zu unterscheiden", sagte Landeschef Holger Buschmann. Ex-Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sagte, dass die Kriterien für eine derartige Entscheidung nicht erfüllt seien. Hartwig Fischer, Präsident des Deutschen Jagdverbandes, sagte gegenüber "Bild", dass den anpassungsfähigen Tieren beigebracht werden müsse, sich von Mensch und Nutztier fernzuhalten. "Dazu kann es auch notwendig sein, ganze Rudel zu töten."

Lies: Tötung des Wolfs ist notwendig

Umweltminister Lies bezeichnete den Abschuss des Rüden als notwendig. Das Verhalten des Tieres sei seit Wochen "intensiv beobachtet" worden. Um "Schäden in der Weidewirtschaft" abzuwenden, sei es nötig, den Rüden jetzt abzuschießen. Es müsse verhindert werden, dass problematische Tiere ihren Nachkommen beibringen, wie Rinder gerissen oder wolfsabweisende Zäune übersprungen werden. Er habe die Entscheidung "mit großer Sorgfalt abgewogen und getroffen", sagte Lies. Das Tier mit der Code-Nummer "GW 717m" gehört nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen zu einem Rudel, das in Rodewald im Landkreis Nienburg lebt. DNA-Proben hatten ergeben, dass die Wölfe mehrere Rinder gerissen hatten, die eigentlich durch Zäune geschützt waren. Der zum Abschuss freigegebene Rüde gilt als Leitwolf im Rudel. Mitte Januar hat das Tier in nachweislich zwei Fällen Zäune überwunden, die als wolfssicher galten.

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Genehmigung bereits vor einer Woche

Das Umweltministerium macht "GW 717m" für insgesamt etwa 40 getötete Nutztiere verantwortlich. Überwiegend handelt es sich nach Angaben einer Sprecherin um Schafe, Ponys sowie ein Alpaka. Zudem sei der Rüde für eine Reihe weiterer verletzter Weidetiere verantwortlich. Erste Auffälligkeiten gab es bereits im Frühjahr 2018. Im Herbst folgten weitere Risse, die laut DNA-Analyse auf das Konto des Rüden gehen. Im Januar erwischte es ein Shetland-Pony sowie zwei Rinder im Landkreis Nienburg. Weil der Riss dieser "ausreichend geschützten Rinder" nun per DNA-Analyse "GW717m" nachgewiesen werden konnte, hat Umweltminister Lies die Ausnahmegenehmigung zur Entnahme des Rüden zugestimmt, teilte das Ministerium mit. Dies sei bereits am 23. Januar erfolgt. Die Sachlage sei juristisch geprüft und bewertet worden, hieß es. Weitere Angaben zum laufenden Verfahren machte das Umweltministerium nicht.

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Bisher wurde nur ein Mal ein Problemwolf getötet

Zum Töten des Wolfes ist wegen des strengen Artenschutzes eine Sondergenehmigung nach dem Bundesartenschutzgesetz nötig. Diese ist in Niedersachsen erst ein einziges Mal erteilt worden, und zwar 2016 für den Wolf "MT6", der in sozialen Netzwerken unter dem Spitznamen "Kurti" bekannt war. Das Tier wurde im Heidekreis erschossen, nachdem es sich immer wieder auffällig verhalten und Menschen genähert hatte. Erst am Donnerstag wurde in Schleswig-Holstein ein Wolf zum Abschuss freigegeben. Das Tier mit der Bezeichnung "GW 924m" hält sich seit vergangenen Sommer in Südholstein auf und hat nachweislich Schafe hinter Schutzzäunen gerissen.

20 Rudel in Niedersachsen

Niedersachsen ist das Land mit dem aktuell größten Wolfs-Vorkommen im Norden: Bis November zählte das Wolfsbüro des niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) 20 Wolfsrudel und zwei Wolfspaare. Die exakte Anzahl von Tieren lässt sich laut NLWKN nicht ermitteln - die Rudelgröße schwanke im Jahresverlauf stark, etwa durch neu geborene oder abwandernde Tiere.

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Niedersachsen 18.00 | 31.01.2019 | 18:00 Uhr

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