Stand: 05.02.2019 16:03 Uhr

Offener Brief: Wolfsberater beklagen Intransparenz

Das niedersächsische Umweltministerium hat zum zweiten Mal einen Wolf zum Abschuss freigegeben - doch dagegen regt sich Kritik. (Symbolfoto)

Seit knapp zwei Wochen ist der Problemwolf aus einem Rudel in Rodewald (Landkreis Nienburg/Weser) durch das Umweltministerium in Hannover zum Abschuss freigegeben. Nachdem bereits Naturschützer Kritik an der Entscheidung der Behörde von Minister Olaf Lies (SPD) äußerten, machen nun auch mehr als ein Dutzend Wolfsberater Zweifel öffentlich. In einem offenen Brief beklagen sie Intransparenz bei der Entscheidungsfindung. Zudem äußern sie Zweifel an der Faktenlage als Voraussetzung für die Abschussfreigabe. Unterzeichnet wurde der Brief von 16 ehrenamtlichen Wolfsberatern aus verschiedenen Landkreisen. Landesweit gibt es mehr als 100 Wolfsberater.

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Problemwolf zum Abschuss freigegeben

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Viele Fragen an Lies

Ein Abschuss sei immer das letzte Mittel der Wahl, heißt es in dem an Minister Lies gerichteten Brief. Die Wolfsberater stellen darin eine Fülle von Fragen: Die 16 Unterzeichner wollen etwa wissen, ob wirklich alle möglichen Mittel ausgeschöpft wurden, um die Nutztiere vor dem Wolf zu schützen. Auch wird gefragt, welche Risse zweifelsfrei dem Wolfsrüden mit der Code-Nummer "GW717M" zugeordnet werden können und anhand welcher optischen Merkmale dieser "zweifelsfrei" erkannt werden kann. Darüber hinaus haben die Unterzeichner auch Fragen zum Verlauf der Entscheidungsfindung: Von Minister Lies wollen die Wolfsberater eine Erklärung, warum er vor dem Erteilen der Ausnahmegenehmigung "weder den Arbeitskreis Wolf noch die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) " hinzugezogen hat?

Rodewalder Problemwolf

  • Am 31. Januar wurde bekannt, dass das Umweltministerium den Wolf mit dem genetischen Code "GW717M" zum Abschuss freigegeben hat. Die Ausnahmegenehmigung gelte bereits seit dem 23. Januar, hieß es. Die Sachlage sei juristisch geprüft und bewertet worden.
  • Umweltminister Olaf Lies (SPD) bezeichnete den Abschuss des Rüden, der einem Rudel bei Rodewald im Landkreis Nienburg angehört, als notwendig. Das Tier soll laut Ministerium für etwa 40 getötete Nutztiere, darunter Schafe, Ponys und ein Alpaka, verantwortlich sein.
  • Mit "GW717M" hat Niedersachsen zum zweiten Mal einen Wolf zum Abschuss freigegeben. Im April 2016 wurde der Wolf mit dem Spitznamen "Kurti" mit behördlicher Genehmigung abgeschossen Er hatte einen Hund angegriffen und zeigte zu wenig Scheu vor Menschen.

Ministerium: Andere Möglichkeiten nicht sinnvoll

Das Ministerium betonte in einer ersten Reaktion, man habe den Brief zunächst zur Kenntnis genommen. Eine Sprecherin verwies auf einen sehr langen Diskussionsprozess vor der erteilten Ausnahmegenehmigung, an dem auch der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) beteiligt gewesen sei. Auch seien andere Möglichkeiten geprüft worden. Da keine als sinnvoll erachtet wurde sei der Abschuss die letzte Alternative.

NABU erhebt Vorwürfe gegen Lies

Auch der NABU-Landesverband äußerte Kritik: Aus den bisherigen Informationen gehe nicht hervor, dass Minister Lies Alternativen zum Abschuss des Wolfes ausreichend geprüft habe, hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme. Der NABU bezweifelt, ob die erteilte Sondergenehmigung rechtmäßig sei und verlangt mehr Informationen vom Ministerium. NABU-Landesschef Holger Buschmann kritisiert in dem Zusammenhang die Informationspolitik des Ministeriums als "skandalös". Diese nehme in Kauf, dass sowohl bei Wolfsbefürwortern als auch bei -gegnern die Emotionen auf die Spitze getrieben werden, so Buschmann. Bereits kurz nach Bekanntwerden der Freigabe hatte Buschmann die Rechtmäßigkeit der Sondergenehmigung bezweifelt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.02.2019 | 14:00 Uhr

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