Stand: 04.05.2018 15:53 Uhr

Notarzteinsatz nach geplatzter Abschiebung

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Bis zum Flieger sind sie nicht gekommen: Mitten in der Nacht sollte eine irakische Familie aus dem Landkreis Stade abgeschoben werden - doch die Aktion platzte.

Im Landkreis Stade sollen nächtliche Abschiebungen unterbleiben, so will es ein Kreistagsbeschluss. Eigentlich. In der Nacht zu Donnerstag rückten trotzdem Polizei und Behördenvertreter zu einer Flüchtlingsunterkunft in Hedendorf aus, um eine Familie mit fünf Kindern - irakische Jesiden - zum Flughafen nach Frankfurt zu bringen. Sie sollten nach Portugal ausgewiesen werden, berichtet NDR 1 Niedersachsen. Denn das Dublin-Abkommen sieht vor, dass Geflüchtete ihren Asylantrag in dem europäischen Land stellen, dass sie zuerst betreten haben - in diesem Fall Portugal. Am Ende scheiterte die Aktion und der Notarzt rückte an.

Aufnahmeland bestimmt Ankunftszeit

Die zuständige Dezernentin begründete die nächtliche Aktion ebenfalls mit dem Dublin-Abkommen. Demnach bestimme das Aufnahmeland, wann die Geflüchteten dort ankommen sollen. Um eine Ankunft im Lissabon am Vormittag zu ermöglichen, habe die Familie in der Nacht abgeholt werden müssen, heißt es.

Kind und Mutter hyperventilieren

Doch aus der geplanten Abschiebung wurde am Ende nichts. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, nahm die Kreisausländerbehörde nach einer Viertelstunde Rücksicht auf die weinenden Kinder und die völlig aus der Fassung geratene Mutter. Die Aktion wurde abgebrochen. Die Einsatzkräfte waren bereits auf dem Rückweg, als bei der Stader Leitstelle ein Notruf aus der Flüchtlingsunterkunft einging. Notarzt und Rettungssanitäter wurden gerufen, um eines der Kinder, die Mutter und eine weitere Verwandte zu versorgen. Sie hätten hyperventiliert, heißt es und mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 04.05.2018 | 17:00 Uhr

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