Stand: 04.07.2018 15:41 Uhr

Mindestlohn reicht nicht: Erntehelfer gesucht

Viele Jahre haben Saisonkräfte aus Osteuropa bei Niedersachsens Obst- und Gemüsebauern die harte Erntearbeit übernommen. Doch diese Zeiten sind offenbar vorbei: Viele Betriebe finden keine Erntehelfer aus diesen Ländern mehr. Der Kreisbauernverband Stade bestätigt, dass immer weniger Arbeitskräfte etwa aus Polen und Rumänien kommen, weil sich die Wirtschaftslage dort gebessert habe. Außerdem mache das Wetter einen Strich durch die Rechnung: Die Erdbeerernte hat deutlich früher begonnen und auch die Apfelernte wird gut zwei Wochen früher als erwartet starten. Das mache es den Betrieben noch schwerer, rechtzeitig Personal zu bekommen.

Spargelbesteck: Ein Messer für die Stangen und eine Kelle zum glattbügeln. © © NDR, honorarfrei

7 Tage... unter Erntehelfern

7 Tage -

Viele Erntehelfer in Deutschland kommen aus Polen. Die Autoren tauchen ein in eine Gemeinschaft, die geprägt ist von harter Arbeit, wenig Freizeit und ganz viel Herzlichkeit.

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Kaum deutsche Bewerber für Erntejobs

Deutsche Arbeitskräfte fänden sich kaum für die körperlich anstrengenden Jobs auf den Feldern, sagte Sonja Kazma, Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit Niedersachsen/Bremen. Die Arbeitslosigkeit sei sehr niedrig und das Stellenangebot entsprechend groß. Die ausländischen Helfer dagegen sind in vielen Fällen jedes Jahr im selben Betrieb fest eingeplant, sagte Bernd Eckhoff vom Kreisbauernverband Stade. Das habe sowohl aus Sicht des Arbeitgebers und auch des Arbeitnehmers Vorteile. Denn beide wüssten, was sie aneinander haben: Der Betrieb bekommt eingearbeitete Mitarbeiter, die die Abläufe kennen. Die Mitarbeiter wissen, dass ihr Arbeitgeber für sie sorgt.

Erntehelfer bekommen seit 2018 Mindestlohn

Seit dem 1. Januar 2018 erhalten Erntehelfer den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro. Zuvor galt ein Branchenlohn, der zwischen den landwirtschaftlichen Arbeitgebern und der Agrargewerkschaft IG BAU ausgehandelt worden war und 9,10 Euro pro Stunde betrug. Um ihre Mitarbeiter an sich zu binden, müssten Landwirte mehr zahlen - und darüber hinaus weitere Angebote machen, sagte Eckhoff: etwa was die Qualität der Unterkünfte oder Freizeitangebote angeht. "Es ist auch ein Unterschied, ob die Mitarbeiter selber die Anfahrt zum Spargelstechen in Niedersachsen oder zur Apfelernte im Alten Land organisieren müssen, oder ob sie mit einem Bus geholt werden."

Zwölf Betriebe suchen Helfer über Website

Um nach Arbeitskräften in Osteuropa zu suchen, haben die Landwirtschaftsverbände eine Webseite namens SinD geschaffen: Dort können die Landwirte ihre Betriebe einstellen und ihren Hof und die Arbeitsbedingungen vorstellen, sagte Eckhoff. Die Angebote werden automatisch in die einzelnen Zielsprachen übersetzt. Auf der Website suchen aktuell zwölf niedersächsische Betriebe nach Saisonkräften - vor allem Baumschulen, Gemüsebauern und Gärtnereien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 04.07.2018 | 08:30 Uhr

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