Stand: 27.07.2018 14:12 Uhr

Kita-Platz-Mangel: Land will keine großen Gruppen

In Niedersachsen fehlen Tausende Krippen- und Kindergartenplätze. Das hat eine Umfrage des Niedersächsischen Städtetags ergeben. Der Städtetag nennt die aktuelle Lage in Krippen und Kindergärten erschreckend. Eine Abfrage in 60 niedersächsischen Städten und Gemeinden hat ergeben, dass allein dort mehr als 3.600 Krippenplätze für kleine Kinder fehlen. Umgerechnet sind das gut 240 Krippengruppen zu wenig - obwohl jedes Kind im Alter zwischen einem Jahr und drei Jahren eigentlich einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertageseinrichtung oder in der Kindertagespflege hat.

Kostenlose Kindergärten werden Lage noch verschärfen

Auch bei den über dreijährigen Kindern herrscht laut Städtetag Platzmangel. Hier hat die Umfrage ergeben, dass 2.300 Betreuungsplätze fehlen. Als Gründe nennt der Verband unter anderem, dass mit dem neuen Schulgesetz viele Kinder in Niedersachsen ein Jahr länger im Kindergarten bleiben können als bisher. Außerdem gehen mehr Flüchtlingskinder in die Kitas als noch vor einigen Jahren. Städtetag-Chef Ulrich Mädge fordert vom Land mehr Geld für Kindergärten und dass pro Gruppe mehr Kinder betreut werden könne: "Wir brauchen eine vorübergehende Flexibilisierung bei den Gruppenstärken und vor allem natürlich Investitionsprogramme insbesondere für die Kindergärten", so Mägde. Dass Eltern ab August keine Kita-Gebühren mehr zahlen, werde die Lage laut Städtetag noch verschärfen.

Größere Gruppen mindern Qualität

Das Kultusministerium steht der Forderung nach größeren Gruppen allerdings kritisch gegenüber: Dies würde zu Qualitätseinbußen führen. Eine Erhöhung der maximalen Gruppengröße führe nicht nur zu höheren Anforderungen an die Fachkräfte, sondern verschlechtere auch den Fachkraft-Kind-Schlüssel. Außerdem wirke es sich negativ in den Förderbereichen wie Inklusion und Sprachbildung aus, heißt es. Das Ministerium will die Engpässe aber prüfen und bittet den Städtetag daher um seine Daten. "Je konkreter, desto besser. Nur so lassen sich die tatsächlichen Ursachen für Versorgungsprobleme transparent nachvollziehen", teilte das Ministerium mit.

SPD kritisiert Vorschlag

Der Sprecher für frühkindliche Bildung der SPD-Landtagsfraktion, Uwe Santjer, lehnt den Vorschlag, Gruppen zu vergrößern, ebenfalls ab: "Wir haben gegenüber den Kindern in den Kindertagesstätten einen Bildungs- und Schutzauftrag, dem wir durch eine Erhöhung der Gruppengröße nicht gerecht werden."

Opposition hatte gewarnt

Ab August müssen Eltern in Niedersachsen keine Kindergarten-Gebühren mehr zahlen. Die Grünen wie auch die FDP hatten gewarnt, dass die schnelle Einführung der Beitragsfreiheit zulasten der Betreuungssituation gehen könnte.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.07.2018 | 12:00 Uhr

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