Stand: 26.03.2018 08:11 Uhr

Hoopter Kult-Stintfischer will aufgeben

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Wilhelm Grube sieht keine Zukunft mehr für die Stint-Fischerei.

Mehr als 30 Jahre lang hat Wilhelm Grube aus Hoopte (Landkreis Harburg) nach dem Stint gefischt. Grube wusste genau, wann und wo er den kleinen Fisch in der Elbe findet. Bis zu 30 Tonnen Stint hat Elbfischer Grube mitunter pro Saison aus dem Fluss geholt. Doch diese Zeiten sind offenbar vorbei. In dieser Saison, die Ende März ihren Höhepunkt hat, sind die Fänge so deutlich eingebrochen, dass Grube Konsequenzen zieht. Der 62-Jährige, der seit 1978 das Stintfischen zum Beruf gemacht hat und neben einem eigenen Lokal auch bis zu 100 andere Restaurants mit dem einst als Arme-Leute-Essen geschmähten Stint beliefert hat, will aufhören.

Der Stintfischer Wilhelm Grube

Einer der letzten Stintfischer schmeißt hin

Hallo Niedersachsen -

Wilhelm Grube ist einer von gerade mal drei Fischern, die überhaupt noch Stint aus der Elbe holen. Doch damit ist bald Schluss: Wegen gesunkener Fangzahlen will Grube aufhören.

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Fischer: Elbvertiefung ist Grund für massiven Fangeinbruch

"Die Fischerei lohnt sich nicht mehr", sagt Grube dem NDR. Der bis zu 20 Zentimeter lange Stint sei der letzte Fisch gewesen, den man noch in der Masse fangen konnte. Doch damit sei es nun vorbei, sagt Grube. Verantwortlich für den massiven Einbruch an den Stint-Laichplätzen an der Unterelbe macht er unter anderem die bisherige Elbvertiefung. Durch das Ausbaggern mangele es dem Fluss an Sauerstoff, was dem aus der Nordsee in großen Schwärmen zwischen Februar und April zum Laichen flussaufwärts schwimmenden Stint zusetzt. "Die Sauerstofflöcher sind viermal so groß wie noch zu DDR-Zeiten", sagt Grube. "Milliarden Fische" würden in den 15 Kilometern unterhalb Hamburgs, wo es an Sauerstoff mangele, sterben.

Regionaler Kult

Grube plant den Rückzug konsequent. Neben der Fischerei will er auch sein Restaurant verkaufen. Das läuft nach seinen Angaben zwar noch sehr gut, aber Grube will keinen Fisch von irgendwo dazu kaufen. Dass es für sein Geschäft keine Hoffnung mehr gibt, macht ihn traurig. Für Grube war der Stint nicht bloß ein Fisch, mit dem er sein Geld verdiente: "Er hat mein ganzes Leben beeinflusst", erzählte der aus einer Fischerfamilie stammende Grube einmal. Im Alter von acht Jahren hat er sein erstes Exemplar gefangen, er hat den Stint durch geschicktes Marketing zum regionalen Kult gemacht. Mit Grube wird auch der letzte Stintfischer östlich von Hamburg aufhören, an der Elbe gab es mit ihm insgesamt drei.

Restaurant-Betreiber in Sorge

Bisherige Stint-Abnehmer machen sich nun Sorgen. "Wir leben vom Tourismus und Spezialitäten wie dem Stint. Wenn wir von Grube nichts mehr bekommen, wird es schwer", sagte Gisbert Ludwig, der am Lüneburger Stintmarkt ein Lokal betreibt. Als Alternative bleibe zwar der Großmarkt - doch Stint aus der Elbe könnte bald der Geschichte angehören.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 25.03.2018 | 19:30 Uhr

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