Stand: 19.11.2017 08:27 Uhr

Der 18-jährige Häuschenbauer aus dem Wendland

von Kirsten Ranf

Am Anfang war es nur ein Schulprojekt. Ein Thema nach Wahl von A bis Z bearbeiten, so lautete die Aufgabenstellung. Nichts sprach dagegen, ein Haus zu bauen. Und wo etwas machbar erscheint, entwickelt der 18-jährige Leopold Tomaschek grundsätzlich einen großen Willen. "Er ist ein Kind mit vielen Gaben", sagt seine Mutter. So legte er los und baute ein Haus.

Von der Idee zum gemütlichen Tiny House

Ziel: Aus eigener Kraft das Haus bauen

Aber Talente nützen nicht viel, wenn es um Statik geht, um elektrische Leitungen und den Bau einer Kompost-Toilette. Also las der Schüler sich alles an, was er wissen musste, fragte sich schlau und probierte Gelerntes aus. 15 Quadratmeter hat das fast fertige Winzighaus. Mit Wohnzimmer, Küche, Bad und einem Schlafzimmer, zu erreichen über eine Treppe, quasi im Obergeschoss. Die Herausforderung, sagt der Häuslebauer, war dabei vor allem, den großen Plan nicht aus dem Blick zu verlieren, während er sich im Kleinen mühte, Kabelsalate zu entwirren oder Schleifmaschinen zu testen. Aber das entspricht auch seiner Idee für dieses Projekt: Ehrgeizig will er das Haus mit eigener Kraft allein zu Ende bringen, aber übergeordnet sieht er sich auch als Teil einer Bewegung, die der "Tiny-Häusler".

Der Trend kommt wie so oft aus den USA

"Tiny-Häusler" sind Menschen, die reduziert leben wollen. Die gegen Verschwendung von Platz und Ressourcen sind, für Nachhaltigkeit und Ökologie. Der Trend kommt aus Amerika. Schon vor fast 100 Jahren entstanden dort kleine Häuser auf Rädern, bei denen anfangs die Mobilität im Vordergrund stand. Inzwischen gibt es weltweit Tiny-House-Projekte, darunter ganze Dörfer mit Minihäusern, die das Platzproblem in großen Städten lösen wollen. Das, was die Anhänger dieser Bewegung sich erhoffen, hat Leopold Tomaschek schon während der Bauphase erlebt: "Das Loslassen von äußeren Dingen führt zu innerem Reichtum und Freiheit."

Den minimalen Raum optimal ausnutzen

Beim Bauen hat der junge Mann nichts dem Zufall überlassen; einen Hang zum Perfektionismus habe er, gibt er zu. Das sei aber auch wichtig, denn nur mit ganz konkreten Vorstellungen könne man den minimalen Raum optimal nutzen: "Man muss sich selbst vorher genau beobachten und herausfinden, wo und wie man seine Zeit am liebsten verbringt. Wer gerne kocht, braucht mehr Platz in der Küche, wer gern stundenlang auf der Couch liegt, sollte seinen Schlafbereich optimieren."

Das selbst gebaute Mini-Haus von Leopold Tomaschek.

Do it yourself: Die Tiny-House-Bewegung

Hallo Niedersachsen -

Das Haus von Leopold Tomaschek ist brandneu, gerade fertig geworden und nur 15 Quadratmeter groß. Der 18-Jährige hat das Tiny House mit eigenen Händen gebaut.

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Kosten: 11.000 Euro

Ein Jahr lang hat der Waldorfschüler fast seine gesamte Freizeit in das Hausprojekt investiert, Schritt für Schritt, nach dem "Learnig-by-doing-Prinzip" sei er vorgegangen. 11.000 Euro habe das gesamte Haus gekostet, Leopold ist schuldenfrei: Er habe gut gerechnet, Ersparnisse investiert, und das, was er "Verwandschafts-Crowdfunding" nennt, hat auch geholfen. Was er in der Bauphase gelernt hat, soll nicht brachliegen, das Projekt geht weiter: Leopold schreibt ein Blog, arbeitet an einem Buch über kleine Häuser und lässt sich als Berater anheuern. Oft sind es Paare, die sich nach dem Auszug der Kinder für kleine Wohnmodelle interessieren, die ihn um Rat bitten. In der Regel sind sie so alt wie seine Eltern, aber das stört niemanden. Leopold weiß, was er kann - den Beweis kann jeder sehen.

Häuschen wird nun vermietet

Im nächsten Jahr macht er sein Abitur. Dann will er seiner zweiten großen Leidenschaft nachgehen und die Welt bereisen. Das Häuschen in Hitzacker soll dann nicht leer stehen, er will es an Urlauber vermieten. So finanziert ein Hobby das andere, aber er möchte auch den Trend unterstützen: Wer erlebt, wieviel Raum in einer kleinen Hütte steckt und wie gemütlich es sich dort leben lässt, der wird sich auch mit dem Lebensmodell dahinter beschäftigen, da ist sich Leopold Tomaschek sicher. Die Jahresarbeit für die Schule ist auch längst abgegeben. Welche Note es dafür gegeben hat? Die Frage beantwortet der bescheidene junge Mann mit einem selbstbewussten Lächeln: "Natürlich eine Eins!".

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 16.11.2017 | 19:30 Uhr

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