Zwei Menschen laufen über einen überschwemmten Hof. © Hellwig TV-Elbnews Produktion

Defekt im Meldesystem: Lühesperrwerk trotz Hochwassers offen

Stand: 30.05.2022 18:36 Uhr

Die Tore des Lühesperrwerks waren offen, als am Wochenende Elb-Hochwasser in den Fluss drückte. Es folgten Überschwemmungen im Landkreis Stade. Grund ist wohl ein technischer Defekt im Meldesystem.

Wie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Montag mitteilte, waren am Wochenende keine Wasserstandsmeldungen an den Sperrwerkswärter übermittelt worden. Die Behörde versprach, den Umständen genau auf den Grund gehen zu wollen und dabei die Schutzvorrichtungen und Abläufe rund um den Betrieb des Lühesperrwerks intensiv zu durchleuchten. Ein solcher Ausfall dürfe sich nicht wiederholen, so das NLWKN. Der Schutz der Menschen und ihres Eigentums habe an der niedersächsischen Küste höchste Priorität.

VIDEO: Warum war das Lühesperrwerk trotz Hochwassers offen? (30.05.2022) (2 Min)

Sportbootbesitzer alarmiert Sperrwerksleiter

Erst vor einigen Jahren war das Lühesperrwerk aufwendig umgerüstet worden, wobei die gesamte Steuerungstechnik und das Meldesystem erneuert wurden. Um eine Gefährdung für den Schiffsverkehr auszuschließen, ist für die Schließung des Sperrwerks nach wie vor ein Wärter zuständig. Dieser war in der Nacht zu Sonnabend aber erst durch einen Sportbootbesitzer geweckt worden.

Keller unter Wasser, Steganlagen abgerissen

Die Überschwemmung an der Lühe, einem Nebenfluss der Elbe, hatte dazu geführt, dass am frühen Sonnabendmorgen Keller von Wohnhäusern voll Wasser liefen. In Jork wurden die Insassen etlicher Wohnmobile vom Wasser überrascht und mussten von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht werden. Am Hafen Steinkirchen und am Lühedeich wurden laut Polizei Steganlagen aus der Verankerung gerissen und Boote mussten gesichert werden. Die Höhe der Schäden ist bislang noch nicht bekannt. Betroffene können sich bei der Wasserschutzpolizeistation Stade unter der Telefonnummer (04141) 77 81 20 melden. Die Behörde ermittelt auch zur Unglücksursache.

Landrat Seefried fordert automatisierte Sperrwerkstechnik

"Ich bin entsetzt, dass offenbar eine technische Panne bei der Meldekette zu dieser Schadenslage geführt hat, die eindeutig hätte verhindert werden können", sagte Stades Landrat Kai Seefried (CDU). In den frühen Morgenstunden habe die Elbe einen Pegelstand von rund einem Meter über dem mittleren Tide-Hochwasser erreicht. Windböen hätten das Elbwasser in die Lühe-Mündung gedrückt. "Das Sperrwerk hätte umgehend geschlossen werden müssen", so Seefried weiter. Der Landrat fordert, die Technik des Lühesperrwerks zu erneuern. "Optimal wäre, wenn die Sperrwerkstore bei kritischen Pegelständen automatisch schließen würden."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 30.05.2022 | 15:00 Uhr

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