Ein Spritze und ein Impfpas liegen auf einer Warteliste. © picture alliance / Flashpic Foto: Jens Krick

Corona in Niedersachsen: Impftouristen verärgern Landkreise

Stand: 04.02.2021 16:31 Uhr

In Hildesheim kamen mehr als 50 Prozent der Impfberechtigten nicht aus dem Landkreis. Im Heidekreis suchte jüngst ein Mensch aus Nordrhein-Westfalen um eine Impfung nach.

Tatsächlich sei der Termin inzwischen storniert worden, sagte Kreissprecher Andreas Pütz. Ob der Mensch aus NRW den Termin selbst gestrichen hat, konnte das Impfzentrum nicht mehr rekonstruieren. Neben dem verhinderten Impftouristen aus Nordrhein-Westfalen haderte der Landkreis aber auch mit Anreisenden aus anderen Regionen Niedersachsens. Das gehe schon seit Wochen so, sagte Pütz. Die Menschen könnten sich Termine geben lassen, "wo sie wollen". Das habe viel Unmut hervorgerufen. Mehrere Kreise fordern deshalb vom Land, die Terminvergabe für Impfungen künftig an die Meldeadresse zu knüpfen, wie Pütz sagte. Inzwischen müsse man zumindest online die Postleitzahl eingeben.

Sozialministerium schiebt Impftourismus Riegel vor

Inzwischen hat das niedersächsische Sozialministerium auf die Kritik der Landkreise reagiert. Die Terminvergabe werde in diesen Tagen umgestellt. Künftig bekomme man einen Termin nur noch in dem Impfzentrum zugeteilt, das zur eigenen Wohnadresse gehöre, hieß es vonseiten des Ministeriums in Hannover. Einen Impftourismus innerhalb des Landes soll es dann nicht mehr geben, auch nicht aus anderen Bundesländern. Dass in der Startphase alte Menschen teils auch woanders als in der Wohnregion einen Termin angenommen haben, hängt nach Ministeriumsangaben auch damit zusammen, dass die Menschen etwa von ihren Kindern an deren Wohnort zur Impfung begleitet werden wollten.

Offenbar Impftourismus über Kreisgrenzen hinweg

Dem Landkreis Hildesheim war zuvor aufgefallen, dass mehr als 50 Prozent der Senioren, die in dieser Woche einen Termin im Impf-Zentrum ergattern konnten, nicht aus dem Landkreis kamen. Die Impfberechtigten kam unter anderem aus Wolfsburg, Aurich und Magdeburg. Im Landkreis Hildesheim hat am Donnerstag auch das Impfzentrum in Alfeld seinen Betrieb aufgenommen.

Unternehmer aus NRW lässt Eltern in Mannheim impfen

Im Nachbar-Bundesland Nordrhein-Westfalen öffnen die Impfzentren erst am Montag - in anderen Bundesländern sind sie bereits in Betrieb. So hatte die "Rheinische Post" bereits vergangene Woche von einem Unternehmer aus dem Ruhrgebiet berichtet, der für seine Eltern eine Impfung in Mannheim (Baden-Württemberg) organisiert hatte. Die zweite Dosis sollen sie am 18. Februar in NRW bekommen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.02.2021 | 15:00 Uhr

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