Stand: 04.01.2020 19:57 Uhr  - Hallo Niedersachsen

Bergen-Belsen: Besucher zweifeln NS-Verbrechen an

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Im Konzentrationslager starben nach Angaben der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten rund 52.000 Menschen, auch Anne Frank und ihre Schwester.

Waren US-amerikanische Kriegsgefangenen-Lager nicht viel schlimmer als Bergen-Belsen? Hat es in Bergen-Belsen wirklich so viele Opfer gegeben? Fragen wie diese bekommen Mitarbeiter zu hören, die Besuchergruppen durch die Gedenkstätte im Landkreis Celle führen. Das berichtete Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, am Sonnabend im NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen. "Es werden sogenannte Signalfragen gestellt", sagte Wagner, "die nicht den Erwerb von Wissen als Hintergrund haben, sondern das Ziel haben, Betreuer von Besuchergruppen aufs Glatteis zu führen mit Fragen, die provozieren sollen."

Umgang mit provokanten Fragen in Gedenkstätte

Hallo Niedersachsen -

In der Gedenkstätte Bergen-Belsen zweifeln manche Besucher die NS-Verbrechen an. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, im Studiogespräch.

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"NS-Verbrechen werden in Zweifel gezogen"

Bereits seit Jahren erlebe man in den Gedenkstätten, "dass die NS-Verbrechen aus bestimmter politischer Richtung immer stärker in Zweifel gezogen werden", so Wagner. Er nannte Aussagen mehrerer AfD-Politiker als Beispiele - etwa Björn Höckes Forderung einer erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad oder Alexander Gaulands Bezeichnung der NS-Zeit als "Vogelschiss" in der deutschen Geschichte. Es gebe zahlreiche Beispiele, sagte Wagner: "Das geht an der Gesellschaft nicht spurlos vorüber und das sehen wir auch an den Besuchern der Gedenkstätten."

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Wagner: Lehrer hatte Schüler offenbar angestachelt

Wagner geht davon aus, dass Jugendliche, die entsprechende Fragen stellen, "von Lehrern oder anderen gewissermaßen angespitzt worden sind". Das sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Wagner berichtete von einer Schulklasse, die jüngst beim Besuch der Gedenkstätte provokante Fragen gestellt habe. Davon sei auch die Lehrerin irritiert gewesen. Es habe sich herausgestellt, dass sie für einen Kollegen eingesprungen war, der AfD-Mitglied sei, so Wagner. "Der hat die Jugendlichen offenbar angestachelt, mit bestimmten Fragen zu provozieren."

"Nicht Bekenntnis, sondern Erkenntnis"

Wagners Ansicht nach muss der Verschiebung nach rechts "eine sehr viel stärkere Auseinandersetzung mit der Täterschaft" und mit der Funktionsweise der NS-Gesellschaft gegenübergestellt werden. "Wir müssen uns mit der Motivationsstruktur auseinandersetzen - von Tätern, Mittätern, Zuschauern und Profiteuren der NS-Verbrechen", sagte Wagner bei Hallo Niedersachsen. Einige Faktoren, etwa die Kriminalisierung von Ausgegrenzten, entfalteten auch heute ihre Wirkung. Mithilfe dieser Auseinandersetzung könnten Bezüge zur heutigen Gesellschaft hergestellt werden. Besucher der Gedenkstätten sollten kein Bekenntnis zur Demokratie abgeben - das Ziel sei ein anderes: "Nicht Bekenntnis, sondern Erkenntnis."

Im Konzentrationslager Bergen-Belsen waren von 1943 bis 1945 mehr als 100.000 Männer, Frauen und Kinder inhaftiert. Mehr als 52.000 von ihnen starben nach Angaben der Gedenkstätte, unter ihnen Anne Frank, deren Tagebücher später weltbekannt wurden.

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Hallo Niedersachsen | 04.01.2020 | 19:30 Uhr

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