Ein Stempel mit der Aufschrift: "Corona-Hilfen" neben einem Stilisierten Virus und Geldscheinen. © picture alliance Foto: Bildagentur-online/Ohde

Zeit ist Geld: Die Corona-Hilfen und die Not der Betriebe

Stand: 14.02.2021 19:30 Uhr

Die Luft wird ganz dünn für viele Betriebe und Unternehmen in Niedersachsen, weil die Corona-Hilfen auf sich warten lassen. Wo liegt das Problem? NDR.de hat nachgefragt.

Corinna Zabel hat am 3. Dezember 2020 den Antrag auf die sogenannte Novemberhilfe gestellt. Die 41-Jährige betreibt in Cuxhaven ein Vermittlungsbüro für Ferienwohnungen sowie eine eigene Pension. Insgesamt hat sie eine Summe von etwa 18.000 Euro an Fördermitteln beantragt. Ausgezahlt wurde davon bislang - nichts. Nicht mal ein Abschlag. "Die Rücklagen sind weg", sagt sie NDR.de. Sie habe zwar den Vorteil, dass ihr Mann auch verdiene und die Miete bezahlt werden kann, so Zabel. Aber langsam werde es knapper.

Keine Hilfen trotz Umsatzeinbruch

Ulrike Kahle hat kaum noch Hoffnung auf staatliche Unterstützung. Seit dem 2. November darf sie in ihrem Kosmetiksalon in Hannover-Linden nur noch medizinische Fußpflege anbieten. Damit sind ihre Einnahmen um rund 70 Prozent eingebrochen. November- oder Dezemberhilfe hat die 60-Jährige trotzdem nicht bekommen. Denn sie ist als "Mischbetrieb" eingestuft und verboten waren zu diesem Zeitpunkt nur die Kosmetikbehandlungen. "Es ist ein Null-Geschäft, ich verdiene nichts", sagt Ulrike Kahle. Aufgeben will sie trotzdem nicht. Sie betreibt ihren Salon seit 20 Jahren und ihr Herz hängt daran. Darum wünscht sie sich einen Plan und eine Perspektive.

Ein Viertel aller Firmen strauchelt

Laut Guido Langemann, Experte für Fördermittel bei der IHK Hannover, gibt es in Bezug auf die Corona-Krise derzeit drei Gruppen: Zur ersten gehörten Unternehmen, die mit digitaler Ausstattung Geld verdienen, Lieferdienste und E-Business. "Diese Gruppe sagt: 'Welche Krise?'", so Langemann. Auch bei der zweiten Gruppe, bei Industrie und Handwerk, laufe es noch recht ordentlich. Doch etwa ein Viertel aller Unternehmen habe richtig zu kämpfen. Zu dieser dritten Gruppe zählten etwa Taxi-Unternehmen, die Veranstaltungsbranche, Messebau, Reiseunternehmen, Gastronomie und Hotels. Zu dieser Gruppe gehören auch Corinna Zabel und Ulrike Kahle.

Wann ist Überbrückungshilfe III zu beantragen?

Die aktuelle Überbrückungshilfe III hält Langemann nach den Überbrückungshilfen I und II sowie den sogenannten November- und Dezemberhilfen noch für das beste Programm: "Das sollte am Besten gar nicht mehr geändert werden", sagte er NDR.de. Doch es gab lange ein Problem: Die Überbrückungshilfe III kann von den Unternehmen erst seit dem 10. Februar beantragt werden. Laut Langemann war die Programmierung auf der entsprechenden Plattform vorher noch nicht abgeschlossen. Unternehmer können also jetzt erst Hilfen beantragen, die regulären Auszahlungen sollen dann im März beginnen.

ÜERBRÜCKUNGSHILFE III

Fördermonate: November 2020 bis Juni 2021
Bei Umsatzrückgang von mindestens 30 Prozent (zum Vergleichsmonat 2019)
 

  • Zuschuss: 40 bis 90 Prozent der Betriebskosten
  • Pro Fördermonat: Bis zu 1,5 Millionen Euro
  • Kann seit 10.02.2021 beantragt werden
  • Unternehmen müssen Anträge durch "prüfende Dritte" (z.B. Steuerberatende) stellen
  • Soloselbstständige können direkt Anträge stellen
  • Abschlagszahlungen seit 11. Februar 2021, reguläre Auszahlungen sollen im März starten.

Keine Kritik an NBank - im Gegenteil

Die NBank will Langemann ausdrücklich nicht kritisieren und bescheinigt dem Geldinstitut, in der Krise einen guten Job gemacht zu haben: Bewilligungen sowie Auszahlungen seien den Umständen entsprechend schnell auf den Weg gebracht worden. Das Problem sei dagegen das Nebeneinander der verschiedenen Hilfen, die sich dazu sogar noch zeitlich überlappt haben. Das scheint man mittlerweile auch in Berlin erkannt zu haben: Am 4. Februar hat der Bund einer vereinfachten Abwicklung der Überbrückungshilfe II zugestimmt - basierend auf einem Vorschlag des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums.

Der Antrag und der Prüfende Dritte

Bislang war ein weiterer Knackpunkt bei den Hilfen die recht komplizierte Beantragung, für die man einen sogenannten Prüfenden Dritten, etwa Steuerberatenden oder Wirtschaftsprüfenden, benötigt. Ausnahmen gelten hier für Solo-Selbstständige mit weniger als einem Mitarbeiter und bei Hilfen unter 7.500 Euro. Doch selbst für Profis wie Steuerberater sei der Aufwand bei den Anträgen hoch, so IHK-Experte Langemann, weil die vielen Änderungen oft nur schwer nachvollziehbar seien. Er kenne Fälle, bei denen eine Förderung von 1.000 Euro genehmigt wurde - und der Steuerberater habe ein Honorar von 750 Euro veranschlagt. "Und das ist sicher nicht dem Steuerberater vorzuwerfen", sagt Langemann. Die Frage für viele Unternehmer sei einfach: "Will ich mir das antun?".

Hoffen auf das Ende

In Cuxhaven hofft Pensionswirtin Zabel derweil auf ein schnelles Ende der Kontaktverbote und Reisebeschränkungen, damit wieder Gäste an die Küste kommen. "Es muss zu Ostern losgehen", sagt sie. Kein Mensch könne von vier Monaten Verdienst ein ganzes Jahr bestreiten - "sonst würde das ja jeder machen", sagt sie.

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