Stand: 04.10.2019 16:17 Uhr

Wenn ich OB werde ... Joachim Wundrak

Joachim Wundrak ist der Oberbürgermeister-Kandidat der AfD.

Die Wahl rückt näher und zehn Kandidatinnen und Kandidaten treten an: Am 27. Oktober wählt Hannover einen neuen Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin. NDR.de hat allen im Vorfeld der Wahl einen Fragebogen mit sechs Fragen zugeschickt. Lesen Sie hier die Antworten des Kandidaten Joachim Wundrak (AfD) zu den Themen Zukunft des Ihme-Zentrums, zur umstrittenen Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas und den hohen Feinstaubwerten in der Stadt.

Die Stadt ist mit den letzten Investoren für das marode Ihme-Zentrum regelmäßig auf die Nase gefallen. Was erwarten Sie von dem neuen Investor?

Die Entwicklung des Ihmezentrums über die Jahre ist mit Sicherheit kein Ruhmesblatt für Hannover und die Stadtverantwortlichen. Der neue Investor und seine Mannschaft haben sich vor einiger Zeit in einer Ausschusssitzung vorgestellt und nach unserer Meinung einen guten und seriösen Eindruck hinterlassen.

Es kommt nun darauf an, mit diesem Investor konstruktiv zu arbeiten und gemeinsam zukunftsfähige Lösungen für die bestehenden Probleme zu finden und dann auch zügig umzusetzen. Dazu werden alle Beteiligten zu tragbaren Kompromissen bereit sein müssen. Es kommt vor allem auch darauf an, langwierige Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. Dass der Investor ein langfristiges Engagement im Ihmezentrum plant, um dann auch Geld damit zu verdienen, ist der richtige Weg für Hannover und die betroffenen Bürger.

Hannover will Kulturhauptstadt werden und nimmt dafür Millionen Euro in die Hand, es gibt aber drängendere Notstände in dieser Stadt. Finden Sie, dass das die richtige Priorität ist?

Die Stadtratsfraktion der AfD hat bereits zu Beginn des Projektes kritisch gefragt, ob hier die richtigen Prioritäten gesetzt werden. Auch ich frage mich das. Aber da das Projekt mit der Bewerbung nun mal in Gang gesetzt worden ist, ist nun abzuwarten, ob die Bewerbung erfolgreich sein wird. Persönlich hätte ich die angesetzten Millionen lieber in Schulsanierung und KiTa- Ausbau gesteckt.

Hannover liegt bei den Feinstaubwerten über dem Limit, bisherige Maßnahmen bringen offenbar keinen Erfolg. Wie sieht Ihre Lösung aus?

In Hannover sind zwei Messstellen zur Überwachung der Luftqualität installiert, eine an der Sternwarte (DENI048), die andere an der B6, Göttinger Straße (DENI054). Sie messen unter anderem die Werte für Feinstaub (PM 10) und Stickstoffoxyd (NO2). Die definierten Grenzwerte für Überschreitung der Feinstaubwerte (PM 10) 50ygr/cbm sind 35-mal pro Kalenderjahr, für Stickstoffoxyd 200 ygr/cbm 18-mal pro Kalenderjahr.

Die aktuellen Zahlen der Überschreitungen bisher für das Jahr 2019 betrugen
für Feinstaub:

  • DENI048 : 6 von 35
  • DENI054 : 0  von 35
für Stickstoffoxyd:
  • DENI048 : 0 von 18
  • DENI054 : 0  von 18

Die gemessenen Werte in Hannover sind nach den Kriterien des Umweltbundesamtes als unkritisch zu bewerten. Auffällig ist, dass die Feinstaubwerte (in ganz Deutschland) im Winterhalbjahr deutlich höher liegen als im Sommer. Dies legt nahe, dass die Verursacher eher bei den Feuerungs-/Heizungsanlagen zu suchen sind als im Straßenverkehr. Dies belegen auch Messungen des Fraunhofer-Institutes an zwei als kritisch bewerteten Messstellen in Stuttgart. Unbeschadet der eher unkritischen Situation gemäß den Zahlen des Umweltbundesamtes sollten jedoch weitere sinnvolle Maßnahmen untersucht und umgesetzt werden, um den Trend hin zur besseren Luftqualität fortzusetzen, ohne die Bürger einzuschränken und die wirtschaftliche Entwicklung Hannovers zu beeinträchtigen, zum Beispiel:

  • Strikte(re) Kontrolle der Einhaltung der Bundesimmissionsschutzverordnung für Feuerungs-/Heizungsanlagen.
  • Steigerung der Attraktivität des ÖPNV ( Streckenausbau, Ringverkehr, Sauberkeit, Sicherheit, Preisgestaltung, Park&Ride-Ausbau).
  • Verbesserung des Verkehrsflusses (Grüne Welle), um unnötige Standzeiten und Anfahrsituationen an Ampeln zu vermeiden.
  • Abbau von künstlichen Verkehrshindernissen, die unnötige Staus und Verzögerungen erzeugen.

Auf keinen Fall rechtfertigen die Messwerte auch nur Gedanken an irgendwelche Zwangsmaßnahmen wie Fahrverbote. Es ist ein Skandal, dass mit der künstlichen Feinstaub-Hysterie eine deutsche Schlüsselindustrie marginalisiert wird. Die moderne Dieseltechnologie ist nach wie vor der insgesamt leistungsfähigste und umweltfreundlichste Antrieb.

Viel zu wenig Wohnraum und ständig steigende Mietpreise. Wie wollen Sie diese Probleme ganz konkret lösen?

Es gilt vor allem, ein günstiges Investitionsklima zu schaffen und mit potentiellen Investoren, Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften konstruktiv zusammenzuarbeiten. Es gibt leider zu viele Vorschriften und Auflagen, die das Bauen komplizieren, verteuern oder gar verhindern. Hier muß durchforstet werden, besonders wenn dies in kommunaler Kompetenz liegt. Insbesondere gilt dies für Auflagen zum vorgeblichen "Klimaschutz". Da die Kapazitäten der Bauwirtschaft für den konventionellen Wohnungsbau durchaus beschränkt sind, sollten auch schnelle unkonventionelle Lösungen, zum Beispiel "Tiny Houses" oder Wohncontainer für Studenten auf geeigneten Grundstücken ins Auge gefasst werden. Insgesamt muß auf einen ausgewogenen Mix in den Quartieren geachtet werden, der Anteil von geförderten Wohnungen (Sozialwohnungen) sollte mindestens 20 Prozent betragen.

Die Rathausaffäre hat Hannover bundesweite Negativ-Schlagzeilen gebracht und Vertrauen bei Bürgerinnen und Bürgern sowie Mitarbeitenden beschädigt. Welche Strukturen wollen Sie im Rathaus ändern, um so etwas künftig zu verhindern?

Der Vorwurf des Filzes und der Vetternwirtschaft, den viele Hannoversche Bürger geäußert haben, ist sehr schädlich für eine Stadtverwaltung und ihre Funktion. Mein starkes Bemühen als Oberbürgermeister wird sein, mit den Mitarbeitern transparent und bürgerorientiert zu arbeiten, um verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen. Inwieweit auch eine Umorganisation von Bereichen der Verwaltung erforderlich wird, muß eine sorgfältige Bestandsaufnahme zusammen mit den Mitarbeitern ergeben. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass der Oberbürgermeister die Gesamtverantwortung für die Verwaltung trägt und sich nicht hinter den Dezernenten verstecken kann.

Lange Wartezeiten für Kita-Plätze, bei der Kfz-Anmeldung und bei Bauanträgen: Welche Ideen haben Sie, um hier künftig Abhilfe zu schaffen?

Sofern unbesetzte Stellen für die eingeschränkte Funktionsfähigkeit der Verwaltung und damit für Wartezeiten in den Kernaufgabenbereichen verantwortlich sind, muß geprüft werden, ob interne (zeitlich befristete) Umsetzungen Abhilfe schaffen können. Darüber hinaus ist zu prüfen, ob die Verwaltungsabläufe gestrafft werden können. Weiter kann mittelfristig der zielgerichtete Einsatz von bürgerfreundlicher IT Verbesserungen erbringen.

Antworten der anderen Kandidaten

Wenn ich OB werde ... Marc Hansmann

Zehn Bewerber, sechs Fragen: NDR.de nimmt die Kandidatinnen und Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover unter die Lupe. Hier die Antworten von Marc Hansmann (SPD). mehr

Wenn ich OB werde ... Eckhard Scholz

Zehn Bewerber, sechs Fragen: NDR.de nimmt die Kandidatinnen und Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover unter die Lupe. Hier die Antworten von Eckhard Scholz (parteilos; CDU-Kandidat). mehr

Wenn ich OB werde ... Belit Onay

Zehn Bewerber, sechs Fragen: NDR.de nimmt die Kandidatinnen und Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover unter die Lupe. Hier die Antworten von Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen). mehr

Wenn ich OB werde ... Jessica Kaußen

Zehn Bewerber, sechs Fragen: NDR.de nimmt die Kandidatinnen und Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover unter die Lupe. Hier die Antworten von Jessica Kaußen (Die Linke). mehr

Wenn ich OB werde ... Bruno Adam Wolf

Zehn Bewerber, sechs Fragen: NDR.de nimmt die Kandidatinnen und Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover unter die Lupe. Hier die Antworten von Bruno Adam Wolf (Piraten). mehr

Wenn ich OB werde ... Catharina Gutwerk

Zehn Bewerber, sechs Fragen: NDR.de nimmt die Kandidatinnen und Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover unter die Lupe. Hier die Antworten von Catharina Gutwerk (Die PARTEI). mehr

Wenn ich OB werde ... Ruth Esther Gilmore

Zehn Bewerber, sechs Fragen: NDR.de nimmt die Kandidatinnen und Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover unter die Lupe. Hier die Antworten von Ruth Esther Gilmore (parteilos). mehr

Wenn ich OB werde ... Julian Klippert

Zehn Bewerber, sechs Fragen: NDR.de nimmt die Kandidatinnen und Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover unter die Lupe. Hier die Antworten von Julian Klippert (unabhängiger Bewerber). mehr

Wenn ich OB werde ... Iyabo Kaczmarek

Zehn Bewerber, sechs Fragen: NDR.de nimmt die Kandidatinnen und Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover unter die Lupe. Hier die Antworten von Iyabo Kaczmarek (parteilos). mehr

Weitere Informationen

OB-Kandidat Wundrak: Ex-General für die AfD

Die AfD schickt Joachim Wundrak ins Rennen um die Nachfolge von OB Stefan Schostok (SPD). Die Kandidatur des ehemaligen Drei-Sterne-Generals sorgte bundesweit für Aussehen und Kritik. mehr

OB-Wahl in Hannover: Das sind die Kandidaten

Wahlplakate, Gespräche auf Bänken und Podiumsdiskussionen: Hannover ist im Wahlkampf. Wer wird neuer Oberbürgermeister? Hier finden Sie die Kandidaten, die ins Rathaus wollen. (25.09.2019) mehr

OB-Wahl in Hannover: Wer wählt wie und wann?

Hannovers Bürger wählen am 27. Oktober einen neuen Rathaus-Chef. Wie wird gewählt - und wer darf überhaupt das eine Kreuz setzen? NDR.de beantwortet die wichtigsten Fragen. (02.09.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.10.2019 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

05:34
Hallo Niedersachsen
04:04
Hallo Niedersachsen
02:11
Hallo Niedersachsen