Stand: 01.07.2020 14:23 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

War Tjark Bartels Burn-out ein Dienstunfall?

Hameln-Pyrmonts Ex-Landrat Tjark Bartels (SPD) erhebt Anspruch auf ein höheres Ruhestandgeld. (Archivbild)

Hat der frühere Landrat von Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), Anspruch auf höhere Versorgungsbezüge? Darüber muss in der nächsten Woche der Kreistag des Landkreises befinden. Bartels war Ende Oktober 2019 als Landrat in den Ruhestand versetzt worden, weil er nach eigenen Angaben unter einem Burn-out-Syndrom leide. Nun will der SPD-Politiker die psychische Erkrankung als Dienstunfall geltend machen. Sollte der Kreistag dies anerkennen, würde Bartels ein höheres Ruhestandsgeld kassieren.

Ex-Landrat Bartels: Burn-out als Dienstunfall?

Hallo Niedersachsen -

Der frühere Landrat von Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels, hat beantragt, dass sein Burn-out als Dienstunfall gewertet werden soll. Dadurch dürfte sich auch sein Ruhegehalt erhöhen.

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Löste Todesdrohung Burn-out aus?

Auslöser dieses Burn-outs soll laut Bartels ein Dienstunfall Ende Mai des vergangenen Jahres gewesen sein. Um welche Art Dienstunfall es sich handelt, also was die Krankheit ausgelöst hat - dazu äußert sich Bartels nicht - nur so viel: Es handele sich um Vorfälle, die bereits strafrechtlich gewürdigt worden seien. Nach Recherchen des NDR in Niedersachsen dürfte es eine Todesdrohung im Internet gegen Bartels gewesen sein, die Bezug genommen hat auf den Mord an seinem Vorgänger Rüdiger Butte (SPD) in Hameln im Jahr 2013. Butte war in seinem Büro erschossen worden.

Bartels kritisiert Empörungsdebatten

Tjark Bartels wies in seiner schriftlichen Antwort auf eine Anfrage des NDR darauf hin, dass Personalfragen vertraulich sind. Wenn Mitglieder des Kreistages nicht-öffentliche Vorlagen weitergeben, sei das keine Ordnungswidrigkeit, sondern strafbar. Der ehemalige Landrat kritisiert in seinem Schreiben auch die öffentlichen Empörungs-Debatten. Er habe es selbst erlebt, dass aus "Verantwortung übernehmen" schnell ein "Schuld sein" werde. Das sei eine falsche Entwicklung. Am Ende blieben in der Politik vor allem Opportunisten übrig.

CDU lehnt Antrag ab

Die größte Oppositionspartei im Kreistag, die CDU, hält nichts von dem Antrag. Der Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Siegmund verweist darauf, dass Bartels für das Fehlverhalten des Jugendamtes im Missbrauchsskandal von Lügde politisch verantwortlich gewesen sei. Es würde keiner verstehen, wenn wir dem jetzt zustimmen würden, so Siegmund wörtlich. Anders die SPD, die die Mehrheit im Kreistag anführt. Sie wird zustimmen. Der Fraktionsvorsitzende Constantin Grosch sagt, wenn der Kreistag anders entscheiden würde, dann müsse er das mit einem eigenen Gutachten begründen. Und das halte er für undurchführbar.

Kreistag entscheidet kommende Woche

Die Versorgungskasse Hannover hat mit entsprechenden Gutachten bereits festgestellt, dass es ein Dienstunfall war. Das muss jetzt noch der oberste Dienstherr des früheren Landrates bestätigen - und das ist der Kreistag. Die Sitzung ist am nächsten Dienstag.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 01.07.2020 | 17:00 Uhr

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