Stand: 12.03.2013 16:14 Uhr

Pfeiffer und die Bischöfe schließen Vergleich

Christian Pfeiffer © dpa Foto: Holger Hollemann
Kriminologe Christian Pfeiffer hat seine Ziele vor Gericht erreicht. (Archivbild)

Das Verhältnis zwischen dem hannoverschen Kriminologen Christian Pfeiffer und der katholischen Kirche ist durch den Streit über ein Forschungsprojekt wohl endgültig zerrüttet. Eine Studie sollte Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufarbeiten. Zumindest vor Gericht haben sich beide Seiten nun aber geeinigt. Nach Angaben des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) ändert die Deutsche Bischofskonferenz auf ihrer Homepage die Darstellung der Auseinandersetzung. Und das KFN bleibt weiterhin bei seinem Vorwurf, die Kirche habe Zensur ausüben wollen.

Trotz Vergleich kein Frieden

Die Reaktion des Forschungsinstituts auf den Vergleich führte direkt wieder zu Auseinandersetzungen: Pfeiffer stelle sich fälschlicherweise als Gewinner dar, kritisierte die Bischofskonferenz in einer Pressemitteilung. Sie habe lediglich kleine Änderungen auf ihrer Website vorgenommen. Die Bischöfe könnten derweil weiterhin behaupten, dass der Wissenschaftler sich bei seinen Zensurvorwürfen auf einen veralteten Vertragsentwurf berufe, der längst vom Tisch sei. Pfeiffer betonte hingegen, auf der Internetseite der Kirche befänden sich noch immer diskriminierende Aussagen.

Kirche hatte von Einigung mit Pfeiffer geschrieben

Die Bischofskonferenz hatte auf ihrer Internetseite behauptet, sie habe einvernehmlich mit Pfeiffer für die Vereinbarung zur Missbrauchsstudie "Formulierungen gefunden, die Wissenschafts- und Publikationsfreiheit zweifelsfrei garantierten". Pfeiffer bestreitet dagegen, dass es eine Einigung gegeben hat - genauer: Er bezeichnet dies als "krasse Unwahrheit". Nach dem Vergleich vor Gericht muss die Kirche ihre Formulierung nun ändern: Der kritisierte Satz wird gestrichen und durch die Aussage ersetzt, die Kirche habe "Formulierungen vorgeschlagen, die sie für geeignet hielt, die Wissenschafts- und Publikationsfreiheit zu garantieren".

KFN verleiht Wut auf Bischöfe Ausdruck

Seine Erklärung, in der es den Vergleich bekanntgibt, nutzte das KFN am Dienstag, um seiner Kritik an der Bischofskonferenz noch einmal Ausdruck zu verleihen. Die Kirche habe verfügt, dass die Ergebnisse aus der Missbrauchsstudie nur nach ausdrücklicher Genehmigung veröffentlicht werden dürften; sie habe ein bindendes Vetorecht für Presseerklärungen und ein Mitspracherecht bei der Anstellung wissenschaftlicher KFN-Mitarbeiter verlangt - diese und weitere Vorwürfe zählen die Forscher nochmals auf. Auch nach der Beilegung des Streits vor Gericht ist in der Pressemitteilung des Instituts der Ärger auf die katholische Kirche sehr deutlich spürbar.

Beide Seiten führen Aufarbeitung fort

Das KFN hat seine Studie im Übrigen nicht aufgegeben. Die Kriminologen wollen die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche nach wie vor wissenschaftlich aufarbeiten. Die Deutsche Bischofskonferenz will das Projekt ihrerseits mit einem neuen Partner weiterführen.

Die Missbrauchsstudie

Nach dem Missbrauchsskandal, der im Jahr 2010 die katholische Kirche erschüttert hatte, kündigte diese eine umfassende Aufarbeitung der Fälle an. Ein Baustein sollte das Forschungsprojekt mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) sein. Dies setzte sich damals das Ziel, das Geschehene aus Sicht der Opfer und das Verhalten der Kirche gegenüber Tätern und Opfern zu untersuchen. Dafür wollten Juristen unter der Leitung von Institutsleiter Christian Pfeiffer Personalakten von Geistlichen in den 27 Bistümern sichten. Zudem sollten Missbrauchsopfer befragt werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.03.2013 | 16:00 Uhr

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