Stand: 07.02.2019 11:39 Uhr

Neustadt: Wolf reißt 200-Kilo-Fohlen auf Weide

Von dem Fohlen sind nach dem Wolfsriss lediglich ein paar Knochen übrig geblieben.

Im Gebiet des Rodewalder Wolfs-Rudels im Landkreis Nienburg ist ein junges Pferd von einem Wolf gerissen worden. Das hat das niedersächsische Umweltministerium am Mittwoch bestätigt. Demnach wurde das Tier am Tag zuvor tot auf einer Weide in Neustadt am Rübenberge im Ortsteil Nöpke gefunden. Es war eines von zehn Tieren auf der Weide. Ob der Rodewalder Leitrüde das rund 200 Kilogramm schwere Fohlen gerissen hat, ist nach Angaben des Ministeriums unklar. Der Leitwolf mit der Code-Nummer "GW717M" ist offiziell zum Abschuss freigegeben, weil er im Umkreis von Nienburg wolfsabweisende Zäune übersprungen und dann Nutztiere gerissen hat.

Lies: Es besteht Handlungsbedarf

Umweltminister Olaf Lies (SPD) warb in Zusammenhang mit dem gerissenen Fohlen für die Abschussgenehmigung. Der Vorfall in Nöpke zeige eindeutig, dass "Handlungsbedarf" bestehe. Die größte Herausforderung beim Artenschutz für den Wolf bestehe darin, die Akzeptanz in der Bevölkerung auch auf dem Lande auf Dauer zu sichern. "Das bedeutet unter Umständen auch, einzelne Tiere mit problematischem Verhalten zu entnehmen", sagte Lies.

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Problemwolf zum Abschuss freigegeben

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Ein Wolf aus Rodenwald darf getötet werden. Der Rüde hat nachweislich mehrere Nutztiere und ein Shetland-Pony gerissen. Umweltschützer bezweifeln die Rechtmäßigkeit der Entscheidung. Video (03:36 min)

Fohlen bei morgendlicher Weidenkontrolle entdeckt

Im jüngsten Fall ist ein Islandpferde-Betrieb von dem Wolfsriss betroffen. Arnar Halldorsson, Sohn des Besitzers, hat die Überreste des etwa neun Monate alten Fohlens am Dienstag bei einer Weidenkontrolle entdeckt. Das sagte er im Gespräch mit NDR.de. "Seitdem wir wissen, dass der Wolf da ist, machen wir solche Kontrollen zwei bis dreimal am Tag." Der Schock sitzt ihm noch immer in den Gliedern, wie er selbst sagte. "Man hat ja einen Bezug zu den Lebewesen." Dass es sich um einen Wolfsriss handelt, sei ihm sofort klar gewesen, als er gesehen habe, dass kaum noch etwas von dem Fohlen übrig geblieben sei.

DNA-Proben entnommen

Ein Wolfsberater kam daraufhin zur Weide, um sich den Riss anzusehen. Ihm zufolge hätten sich mehrere Wölfe über das Pferd hergemacht, sagte Halldorsson. Auch ein Jäger und ein Tierarzt begutachteten den Schaden. Es seien Fotos gemacht und DNA-Proben entnommen worden, so Halldorsson. Die übrigen neun Pferde, die noch auf der Weide waren, brachte er daraufhin in der Nähe des Hauses unter, wo sich auch viele Menschen aufhielten. Zu dem Betrieb gehören noch rund 50 Pferde, die auf anderen Weiden stehen. Die Angst, dass noch mal ein Tier gerissen wird, "ist allgegenwärtig", sagte Halldorsson. Ihm wäre es recht, wenn der Leitwolf des Rodewalder Rudels abgeschossen wird. Schließlich sei nicht nur das Fohlen gerissen worden, sondern in der Vergangenheit seien schon zahlreiche Nutztiere in der Gegend getötet worden.

Vier Angriffe auf Pferde seit Dezember

Die DNA-Proben sollen nach Angaben des Umweltministeriums im Eilverfahren ausgewertet werden. Dies soll Klarheit darüber bringen, ob ein oder mehrere Wölfe des Rodewalder Rudels für den Riss verantwortlich sind. Laut Ministerium kam es inklusive des aktuellen Falls in Nöpke in dem Revier des Rudels seit Dezember 2018 zu vier Angriffen auf Pferde oder Ponys. In zwei Fällen sei ein Wolfsangriff nachgewiesen worden. An einer der Attacken war laut Ministerium der Problemwolf "GW717M" beteiligt. Der Rüden soll für insgesamt etwa 40 getötete Nutztiere verantwortlich sein.

  • 11. Dezember 2018: totes Mini-Shetland-Pony in Rethem (Heidekreis). Als Verursacher wurden laut Ministerium zwei Wölfe mit den Code-Nummern "GW717m" und "GW745f" nachgewiesen.
  • 20. Januar 2019: totes Shetland-Pony in Nienhagen (Heidekreis). Als Verursacher wurde ein Wolf nachgewiesen, welches Individuum, ist unbekannt.
  • 24. Januar 2019: verletzte Islandstute in Dudensen (Region Hannover). Die Ursache ist laut Ministerium bislang nicht eindeutig geklärt.

Kritik an Abschuss-Freigabe

Zur Abschuss-Freigabe des Leitwolfes gab es jüngst aber auch kritische Stimmen. So bezweifeln etwa Naturschützer die Rechtmäßigkeit der Sondergenehmigung durch die Behörde von Lies. Zudem sei eine Identifizierung des Leitwolfes durch den Jäger nicht gewährleistet, da sich die Tiere äußerlich kaum unterscheiden, gab der NABU-Landesverband zu bedenken. Ex-Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sieht indes die Kriterien für einen Abschuss nicht erfüllt. Auch 16 Wolfsberater aus verschiedenen Landkreisen forderten in einem offenen Brief Beweise dafür, dass der Abschuss notwendig ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 06.02.2019 | 14:30 Uhr

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