Stand: 18.02.2020 14:40 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Klöckner: Weniger düngen, mehr digitalisieren

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat an einem Treffen mit Jungbauern in Burgdorf bei Hannover teilgenommen.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat am Dienstag in Burgdorf bei Hannover die angestrebte Verschärfung der Düngeregeln verteidigt. Zu behaupten, die Landwirtschaft habe keine Auswirkungen auf die Nitratwerte im Grundwasser, sei "eine steile These", sagte die CDU-Politikerin am Dienstag vor rund 400 jungen Landwirten. Neben Klöckner nahm auch ihre niedersächsische Amtskollegin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Junglandwirte-Tag in Burgdorf teil. Thema waren auch die Veränderungen in der Landwirtschaft.

Klöckner für einheitliche Messbedingungen

Klöckner betonte, sie habe im Ringen mit der EU bereits erreicht, dass die Verrringerung der erlaubten Düngemenge nicht flächendeckend, sondern nur in belasteten Gebieten gelten werde. Die Messbedingungen müssten zudem bundesweit einheitlich sein. Deutschland stehe aber nicht am Anfang eines Dialogs mit der EU, sondern am Ende eines juristischen Prozesses. "Wir sind verklagt worden und waren in allen Punkten unterlegen", sagte Klöckner.

Landwirte wollen "kein Grab für Höfe schaufeln"

Aus Termingründen verabschiedete sich die Ministerin nach ihrem Vortrag aus Burgdorf. An einer anschließenden Diskussion mit den Landwirten nahm sie deshalb nicht teil. Bei den jungen Landwirten herrschte das Gefühl vor, sie müssten für das Handeln ihrer Vorgänger büßen. "Wir als junge Generation sind nicht gewillt, für das Handeln voriger Generationen, das jahrzehntelang geltendem Recht entsprach, jetzt kollektiv in großen Teilen des Landes bestraft zu werden", sagte Niklas Behrens, Vorsitzender der Junglandwirte Niedersachsen. "Wir werden nicht sehenden Auges unseren Höfen ein Grab schaufeln."

Unterschiedliche Ansichten über Digitalisierung

Klöckner hatte zuvor ein anderes Bild von der Zukunft der Landwirtschaft gezeichnet: Sie sieht eine große Chance in der Digitalisierung. Mit präziseren Maschinen und genaueren Daten könne die Branche künftig mit weniger Ressourcen mehr Menschen satt machen. Diejenigen, die die Modernisierung umsetzen sollen, sind weniger euphorisch. Die Digitalisierung könne ein Baustein für die Zukunft der Landwirtschaft sein, sagte Behrens. Für viele kleine und mittlere Betriebe seien die modernen Geräte aber schlicht zu teuer. Die Arbeit als Bauer werde so zunehmend unattraktiver, warnte Behrens. "Noch sind es viele, die das anpacken wollen", sagte er. "Aber leider werden es auch täglich weniger." Auch der Agrarwissenschaftler Alfons Balmann gab zu bedenken, der Wandel der Branche werde "nicht ohne schmerzhafte Anpassungsprozesse zu bewältigen sein".

Austausch mit Politikern eine Herausforderung

Louisa Backhaus, eine Landwirtin aus der Wedemark, zeigte sich zuversichtlicher. "Die nächste Generation steht in den Startlöchern. Wir sind alle hoch motiviert", sagte sie und forderte Offenheit für Veränderungen. Die größte Herausforderung sei es, wieder einen sachlichen und fachlichen Austausch mit der Politik hinzubekommen.

Landwirte nicht gut auf Ministerin zu sprechen

Die Bundesagrarministerin steht seit Monaten bei vielen Landwirten in der Kritik, weil sie sich für die Verschärfung der Düngeregeln einsetzt. Bei einer Veranstaltung mit rund 1.000 Landwirten Anfang Februar in Wilsum (Landkreis Grafschaft Bentheim) war Klöckner deswegen ausgebuht worden, seit Monaten gibt es zudem immer wieder Treckerdemos in größeren Städten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.02.2020 | 12:00 Uhr

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