Stand: 29.10.2017 19:04 Uhr

Gedenkort in Stadthäger Synagoge eröffnet

Die alte Synagoge wurde aufwendig restauriert.

In der ehemaligen Synagoge in Stadthagen ist am Sonntag ein neues Lern- und Gedenkzentrum eröffnet worden. Es dient der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus aus dem Landkreis Schaumburg - an Juden, die verfolgt wurden, aber ebenso andere Menschen, die unter den Nationalsozialisten zu leiden hatten. Ein Thema der Bildungseinrichtung sollen aber auch Gefahren für Demokratie und Menschenrechte in der heutigen Zeit sein, heißt es in einer Broschüre zur Eröffnung.

Gedenkstätte ist modern ausgestattet

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Zur Eröffnung des Lern- und Gedenkorts kam Ministerpräsident Stephan Weil (re., SPD) nach Stadthagen.

Die Einrichtung soll nach Angaben des Fördervereins Ehemalige Synagoge für Schulklassen ebenso zur Verfügung stehen wie für die Erwachsenenbildung. Die frühere Synagoge ist Ausstellungsraum, Veranstaltungszentrum, Gedenkstätte und Workshop: Im Obergeschoss warten Internetanschluss sowie Tablets, Scanner, Drucker und mehr auf interessierte junge Besucher, die recherchieren und sich Erinnerungsprojekte erarbeiten wollen.

Nach dem Krieg in Vergessenheit geraten

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1858 wurde die Synagoge eingeweiht.

Die Synagoge steht seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Stadthagen. 1858 wurde der Bau eingeweiht. In der Nacht vom 11. auf den 12 November, zwei Nächte später als im übrigen Deutschen Reich, wurde die Synagoge in Brand gesteckt. Die Inneneinrichtung wurde zerstört oder verschwand, das Gebäude selbst blieb aber weitgehend verschont. Nach dem Krieg geriet das Gotteshaus in Vergessenheit, wie der Förderverein berichtet. An der Einrichtung des Lern- und Gedenkorts werde seit 2007 gearbeitet.

Holocaust-Überlebender unterstützte Projekt

Für die Sanierung des Hauses hat der Förderverein rund 500.000 Euro Spenden gesammelt. Möglich war die Umgestaltung aber nicht zuletzt dank einer Stiftung, die einen sechsstelligen Betrag beisteuerte. Gegründet wurde sie von Erwin Rautenberg, der als einziger in seiner Familie den Holocaust überlebte. 1994 gründete er die Rautenberg-Stiftung, die den Gedenkort auch weiter bei laufenden Kosten unterstützen will. Rautenberg selbst starb 2011 im Alter von 90 Jahren.

Weitere Informationen

Wo die Synagogen-Brandstifter später kamen

1938 haben Nazis auch die Synagoge von Stadthagen in Brand gesteckt - allerdings erst zwei Tage nach der Pogromnacht. Historiker rätseln, warum. Der Bau wird nun saniert. (08.11.2014) mehr

14 Bilder

Die ehemalige Synagoge in Stadthagen

Die Synagoge in Stadthagen wird 1858 eingeweiht, 1938 zerstören die Nationalsozialisten den Bau. Nach jahrzehntelanger Verwahrlosung wird sie nun saniert. (08.11.2014) Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.10.2017 | 15:00 Uhr

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