Digitale HannoverMesse: Keine wirklich hohen Erwartungen

Stand: 12.04.2021 06:38 Uhr

Im vergangenen Jahr ist die weltgrößte Industrieschau wegen Corona ausgefallen. Diesmal präsentieren die Aussteller ihre Produkte online. Ist das mehr als eine Notlösung?

Der Elektrotechnik-Ingenieur Armin Frerichs sitzt im Homeoffice am PC-Bildschirm. © privat Foto: privat
Armin Frerichs hält den Kontakt zu seinen Kunden in diesem Jahr aus dem Home-Office heraus und nicht in Halle 9 auf der HannoverMesse.

HannoverMesse, Halle 9. Das ist - normalerweise - in jedem Frühjahr der Treffpunkt für Experten aus aller Welt, die sich mit Automatisierungstechnik beschäftigen. So war es in den vergangenen Jahren immer. Und so war es auch gut, sagt Armin Frerichs, Key Account Manager des baden-württembergischen Automatisierungstechnik-Spezialisten Euchner, für den Frerichs Kunden in der Autoindustrie betreut - unter anderem in Niedersachsen. Für diese Firmen, darunter auch Volkswagen, liefert Euchner Sicherheitstechnik für die Produktionsanlagen. Dass die Erwartungen an diese "Digitale HannoverMesse" nicht wirklich hoch sind, daraus macht Frerichs keinen Hehl.

Digitale Formate haben Erwartungen bisher nicht erfüllt

Euchner entwickelt High-Tech-Produkte, die in enger Absprache mit dem Kunden entstehen und zum Teil individuell angepasst werden. Das geht nur im direkten Kontakt - auch auf Messen. "Andere digital stattfindende Veranstaltungen haben unsere Erwartungen dabei überhaupt nicht erfüllt", berichtet Frerichs weiter. Kontakte und Gespräche blieben oft oberflächlich, schnell vertagt man sich in solchen Runden auf "nach Corona". Schon die Begrüßung! Ein Klick auf den "Video-Call vereinbaren"-Button der Messe-Plattform sei etwas anderes, als eine freundliche Nachfrage bei dem Stand-Personal, erzählt der Elektrotechnik-Ingenieur: "Sich beim Kaffee zu treffen oder beim gemeinsamen Maultaschen-Mittagessen zu fachsimplen und zu diskutieren - diese Sinnlichkeit geht digital einfach verloren."

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Von künstlicher Intelligenz bis E-Mobilität

Mehr als 1.800 Aussteller präsentieren bei der Messe vom 12. bis 16. April ihre Produkte. 600 der Firmen stammen aus Deutschland, etwa 500 sind zum ersten Mal dabei. Auf der Messe sollen in Livestreams und Videos rund 7.000 Produkte und knapp 400 Forschungs- und Entwicklungsprojekte vorgestellt werden. Zu den Schwerpunkten sollen die Themen Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, Robotik, Industrie 4.0, C02-neutrale Produktion und E-Mobilität gehören.

Hybrid-Messe im kommenden Jahr?

Gastland ist in diesem Jahr Indonesien. Präsident Joko Widodo, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sollen im Rahmen der Messe zu Wort kommen - per Video zugeschaltet, versteht sich. Als Branchenvertreter werden unter anderem VW-Chef Herbert Diess, der neue Siemens-Chef Roland Busch, BDI-Präsident Siegfried Russwurm und IT-Sicherheitsexperte Eugene Kaspersky sprechen. Für das kommende Jahr hofft Messe-Chef Jochen Köckler dann auf eine "hybride Messe", die ein volles Messegelände und digitale Formate vereine.

Home-Office statt Halle 9

Das wäre ein erster Schritt, meint auch Armin Frerichs. Natürlich ist er bis Freitag für seine Firma bei der HannoverMesse dabei. Aber eben nicht in Halle 9, sondern vor dem Computer im niedersächsischen Home-Office. Aber sein Fazit steht schon jetzt fest: „Auf Dauer macht das so keinen Sinn. Für unsere Produkte brauchen wir in Zukunft wieder echte Präsenzmessen.“

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.04.2021 | 08:00 Uhr

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