Baerbock: "Jedes Land in Europa muss Menschen aufnehmen"

Stand: 20.03.2022 20:02 Uhr

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat am Sonntag Notunterkünfte für Geflüchtete aus der Ukraine auf dem Messegelände in Hannover besucht. Sie appellierte an die Solidarität unter den Ländern.

"Der brutale Krieg Putins in der Ukraine schafft unermessliches Leid", sagte Baerbock im Anschluss. Schon jetzt seien über drei Millionen Menschen auf der Flucht, vor allem Frauen und Kinder. Baerbock: "Es werden viele, viele weitere Menschen kommen. Wir werden von der europäischen Außengrenze verteilen müssen." Baerbock kündigte an, diesen Appell beim Treffen der EU-Außenminister am Montag in Brüssel zu betonen. Länder wie Polen würden derzeit mehr Flüchtlinge aufnehmen, als es ihre Wirtschaftskraft erlaube. "Jedes Land in Europa muss Menschen aufnehmen", forderte sie deshalb. "Diese Herausforderung werden wir nur schaffen, wenn wir jetzt alle Kräfte mobilisieren, in Europa und darüber hinaus." In Deutschland lasse sich diese Krise nur im Schulterschluss von Bund, Ländern und Kommunen bewältigen, so Baerbock.

Baerbock: "Engagement und Solidarität sind überwältigend"

Bei einem etwa einstündigen Rundgang auf dem Messegelände in der niedersächsischen Landeshauptstadt verschaffte sich die Grünen-Politikerin einen Eindruck von der Unterbringung der Geflüchteten. Durch die Halle 27 wurde Baerbock von Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) und der Vorständin der DRK-Region Hannover, Marlis-Spieker-Kuhmann, begleitet. "Das anpackende Engagement und die Solidarität, die ich heute auch hier in Hannover sehen konnte, sind überwältigend.", sagte Baerbock anschließend.

Eine Halle fast komplett belegt

Hannover hat auf dem Messegelände zwei Hallen mit Zeltdörfern eingerichtet. Eine der Hallen ist den Angaben zufolge mit rund 1.000 Menschen derzeit fast komplett belegt. Die Geflüchteten werden dort vom Deutschen Roten Kreuz betreut. Für die langfristige Unterbringung der Geflüchteten will die Stadt Hunderte von Wohnungen anmieten. Zudem würden rund 350 Hotelzimmer freigehalten, kündigte ein Sprecher an. Bereits 2015 diente die Messehalle 27 als Behelfsunterkunft für Flüchtlinge.

Große ukrainische Gemeinschaft in Hannover

Hannover dient wegen seiner zentralen Lage als bundesweites Drehkreuz für die Verteilung der Flüchtenden aus der Ukraine. Am Messebahnhof Hannover-Laatzen kommen täglich Züge mit Geflüchteten an. Aufgrund einer großen ukrainischen Gemeinschaft ist die Stadt zudem ein Anlaufpunkt für Geflüchtete, die länger in Deutschland bleiben wollen.

Rund 220.000 Geflüchtete haben Deutschland erreicht

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine sind Tausende auf der Flucht. Laut Bundespolizei sind bis Sonntag seit Beginn der Kämpfe am 24. Februar rund 220.000 Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland registriert worden - überwiegend Frauen, Kinder und alte Menschen, wie das Bundesinnenministerium mitteilt.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 20.03.2022 | 19:30 Uhr

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