Ein Schild weißt auf die 2G-Regel hin. © picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer Foto: Michael Bihlmayer

Armutskonferenz warnt: 2G-Regel trifft arme Menschen härter

Stand: 26.09.2021 13:04 Uhr

Menschen mit wenig Geld können weniger am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Die in Niedersachsen und andernorts ausgeweiteten 2G-Regelungen verschärfen das nach Ansicht der Landesarmutskonferenz.

Die Situation armer Menschen könne sich jetzt noch verschlimmern, warnte Klaus-Dieter Gleitze, Geschäftsführer der Landesarmutskonferenz, in Hannover. Sie ließen sich weniger testen und die Impfquote sei Schätzungen zufolge deutlich geringer als in anderen Gruppen. Das berge angesichts der Verschärfungen "gesellschaftliches Konfliktpotenzial".

Was bedeuten 3G- und 2G-Regel?

Nur Geimpfte, Genesene oder Getestete (3G) erhalten Zutritt zu Innenräumen von Behörden und anderen Einrichtungen wie Restaurants, Kinos, Fitnessstudios oder Krankenhäusern. Ausgenommen sind Kinder unter sieben Jahren und minderjährige Schüler, die regelmäßig getestet werden. Bei einem niedrigen Corona-Risiko kann die Regelung ausgesetzt werden. Antigen-Schnelltests dürfen nicht älter als 24 Stunden sein, PCR-Tests nicht älter als 48 Stunden. Gäste von Beherbergungseinrichtungen müssen bei der Anreise einen negativen Test vorweisen und diesen alle 72 Stunden wiederholen. Bei der 2G-Regel reicht ein Test nicht aus, hier haben nur Geimpfte oder Genesene Zutritt.

Armutskonferenz fordert Impfquoten-Kartierung

Arme Menschen hätten beispielsweise Ressentiments gegen die Corona-Impfung. Das dürfte sich auf das Infektionsgeschehen auswirken, sagte Gleitze weiter. Zudem seien sie über die Impfung nicht ausreichend informiert, gleichzeitig hätten sie häufiger Vorerkrankungen. Das gesundheitliche Risiko bei einer Corona-Infektion sei deshalb höher als bei Normal- und Gutverdienern. Er gehe davon aus, dass die Impfquote in gut situierten Vierteln fast doppelt so hoch sei wie an sozialen Brennpunkten. Weil es keine validen Zahlen gebe, sei er für eine "flächendeckende Impfquoten-Kartierung". Da seien die Gesundheitsämter gefordert. "Sonst kommen wir ganz schlecht in den Winter", mahnte Gleitze.

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EIn Schild weist auf einen beschränkten Zutritt nach der 2G-Regel hin. © picture alliance / CHROMORANGE Foto: Michael Bihlmayer

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.09.2021 | 12:00 Uhr

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