Stand: 10.08.2018 18:13 Uhr

Wolfenbüttels Bürgermeister Pink verlässt die CDU

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Wolfenbüttels Bürgermeister Thomas Pink kehrt der CDU nach 40 Jahren den Rücken.

Nach 40 Jahren in der CDU ist Wolfenbüttels Bürgermeister Thomas Pink aus der Partei ausgetreten. Im Interview mit NDR 1 Niedersachsen und dem NDR Fernsehmagazin Hallo Niedersachsen begründete er seinen Entschluss unter anderem mit dem "geschmacklosen Verhalten" von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in der Asyldebatte und der darauf folgenden Reaktion von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Pinks Ansicht nach muss sich die CDU für die Zukunft programmatisch und personell besser aufstellen. "Frau Merkel ist für mich verbraucht", sagte er. Außerdem bemängelte Pink, dass der Landesverband bei parteiinternen Debatten nicht genug Gesicht gezeigt habe. Vor allem mit Landtagsvizepräsident Frank Oesterhelweg, der kürzlich über einen Wechsel zur CSU nachgedacht hatte, liegt Pink über Kreuz. Oesterhelwegs Aufruf zur Gründung eines CSU-Landesverbands habe ihm den Rest gegeben, sagte er.

Merkel sei im Streit mit Seehofer apathisch gewesen

"Das macht die Partei kaputt, das spaltet die Partei", sagte Pink über den Aufruf von Oesterhelweg. Diese Art und Weise, Politik zu machen, könne er nicht mehr mittragen. "So etwas hätte es nicht gegeben", als er vor 40 Jahren in die Partei eingetreten sei, so Pink. Den Streit zwischen Seehofer und Merkel bezeichnet er als "Sommertheater" und "Nebeldebatte". Von der Kanzlerin hätte er sich gewünscht, dass sie Seehofer in die Schranken weist. Stattdessen habe er "Apathie" und "Niedergeschlagenheit" bei ihr erlebt.

"CDU ist eine Konjunktivpartei geworden"

Insgesamt packe die CDU die Probleme nicht mehr an, sondern sei eine "Konjunktivpartei" geworden, bemängelte Pink. Anstatt beispielsweise nur über den Zustand der Polizei zu lamentieren, müssten Entscheidungen getroffen werden, fordert Pink. "Da fehlt mir einfach das Anpacken, was es durchaus gegeben hat." Auch dass sich die CDU als Europapartei verabschiedet habe, missfällt Pink. Sich selbst bezeichnet er als glühenden Europäer. Und er glaube daran, dass die Probleme nur im europäischen Kontext zu lösen seien.

Pink will Bürgermeister bleiben

Pink betonte, dass er sich den Schritt zum Austritt alles andere als leicht gemacht habe. "40 Jahre sind ja kein Pappenstiel", sagte er. Aber er sei überzeugt davon, alles richtig gemacht zu haben. Auch ohne Parteibuch wolle er bis zum Ablauf seiner Amtszeit Bürgermeister von Wolfenbüttel bleiben. "Die drei Jahre werde ich noch mit großer Energie und Freude mit den Kollegen im Rat zusammenarbeiten", sagte er. das Amt hat er seit November 2006 inne. Der Wechsel in eine andere Partei komme für ihn nicht in Frage.

Althusmann will um Pink kämpfen

Zuerst hatte die "Braunschweiger Zeitung" über den Austritt berichtet. CDU-Landeschef Bernd Althusmann sagte der Zeitung, er bedauere die Entscheidung von Pink sehr und werde persönlich auf ihn zugehen. Die CDU lasse niemanden so einfach gehen, schon gar nicht einen so verdienten Mann, so Althusmann.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

10.08.2018 | 19:30 Uhr

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